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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Doesborgh; Doeskins; Doetinchem; Döffingen; Dogana; Doge; Dogge; Dogger; Doggerbank; Dogiel; Dogma; Dogmatik

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Doesborgh - Dogmatik.

von etwas oberflächlicher Zeichnung sind. Im Belvedere zu Wien, in Schleißheim u. a. O. finden sich Bilder von ihm, die übrigens nicht häufig vorkommen. Vortrefflich ist seine Radierung: eine Gruppe von fünf Schafen.

2) Simon van der, Maler und Radierer, Sohn des vorigen, geb. 1653 zu Amsterdam, nahm seinen Wohnsitz im Haag, lebte jedoch auch einige Zeit in Friesland und ein Jahr in England. Später ging er nach Antwerpen und Brüssel. Er ähnelt in seiner Kunstweise seinem Vater, doch spielen in der Staffage die Menschen bei ihm eine größere Rolle; auch malte er Porträte in Netschers Weise. Er starb angeblich 1717.

Doesborgh (spr. dus-, Doesburg), befestigte Stadt in der niederländ. Provinz Geldern, am Zusammenfluß der Alten und Neuen Yssel, mit einer Schiffbrücke von 95 m Länge, einer schönen Kaserne und (1883) 4484 Einw., welche berühmten Senf fertigen und mit Holz und Getreide Handel treiben. Auch der Transithandel und die Schiffahrt sind nicht ohne Bedeutung. D. führte in alten Zeiten den Namen Drususburg und wurde 1585 von den Spaniern, 23. Nov. 1813 von den Preußen unter General v. Oppen mit Sturm genommen. Es ist Geburtsort der bekannten Admirale van Kinsbergen und Verhuell.

Doeskins (engl., spr. dohskins), s. Buckskin.

Doetinchem (spr. duht-), Stadt in der niederländ. Provinz Geldern, am Zusammenfluß der Slingebeek und der Alten Yssel, mit (1883) 3021 Einw., einer lateinischen Schule, Holzhandel und stark besuchten Jahrmärkten. In den benachbarten Dörfern sind Eisenhütten. Die sehr alte Stadt, welche schon 838 erwähnt wird, war Mitglied der Hansa.

Döffingen, Pfarrdorf im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Böblingen, 3 km vom Bahnhof Schafhausen (bei Weil der Stadt), mit Baumwollweberei, Hopfenbau und (1880) 1025 evang. Einwohnern; berühmt durch die mehrfach poetisch (von Schiller und Uhland) gefeierte Döffinger Schlacht 24. Aug. 1388 zwischen Graf Eberhard dem Greiner und den schwäbischen Reichsstädten, in welcher die Städter eine gänzliche Niederlage erlitten, Eberhards Sohn Ulrich aber das Leben verlor.

Dogana (ital.), Zollamt, Zollhaus.

Doge (spr. dohdsche, ital., v. lat. dux), das Staatsoberhaupt der ehemaligen Republiken Venedig und Genua mit dem Rang eines regierenden Fürsten. In Venedig findet sich diese Würde schon im 8. Jahrh. Damals wurde der D. von den Bürgern gewählt, hatte aber fast absolute Gewalt, die durch eine neue Verfassung Ende des 12. Jahrh. in solche Abhängigkeit vom Rat gebracht wurde, daß eine Wahl zu diesem Amt, namentlich wegen der strengen Haftpflicht, die sich auch auf die Erben des Dogen für etwa nach seinem Tod entdeckte Mißbräuche erstreckte, keineswegs immer gern angenommen wurde. Nach der erwähnten Verfassung wurde der D. nicht mehr vom Volk, vielmehr von einem engern Ausschuß des Großen Rats gewählt. Der erste so 1177 gewählte D., Ziani, vollzog auch zum erstenmal die später immer wieder gefeierte symbolische Vermählung des neuen Dogen mit dem Meer durch Werfen eines kostbaren Ringes von dem prächtigen Staatsschiff in die Tiefe. Genua gab sich den ersten Dogen 1339, doch wurde die Würde während der innern Wirren mehrmals abgeschafft; erst die durch Andreas Doria 1528 eingeführte Verfassung setzte die Stellung des Dogen fest und bestimmte, daß nur sehr vermögende Senatoren und Mitglieder des Großen Rats im Alter von mindestens 50 Jahren wählbar seien. Die Regierungszeit wurde auf zwei Jahre beschränkt. Der Friede von Campo Formio 1797 machte beiden Republiken und damit auch der Würde des Dogen ein Ende. Noch einmal wurde dieselbe 1802 in Genua hergestellt, hörte aber 1805 mit Einverleibung der Ligurischen Republik in das französische Kaiserreich endgültig auf zu bestehen.

Dogge, s. Hund.

Dogge, in der Architektur, s. Docke.

Dogger (Doggerboot, v. altholländ. Dogger, Kabeljau), holländ. Fischerfahrzeug; im geologischen Sinn s. Juraformation.

Doggerbank, große Sandbank in der Nordsee, zwischen England und Dänemark, wichtig für den Stockfischfang; am Südende derselben 5. Aug. 1781 Seetreffen zwischen den Holländern unter Zoutmann und den Briten unter Hyde Parker.

Dogiel (spr. doghjel), Matthias, poln. Geschichtschreiber des 18. Jahrh., Mitglied der Kongregation der Piaristen, gründete zu Wilna, wo er Rektor war, eine Druckerei für lateinische Werke und begleitete den jungen Grafen Campo auf seinen Reisen nach Deutschland und Frankreich. Vornehme Verbindungen verschafften D. Zutritt zu den polnischen Reichs- und Familienarchiven. So entstand sein "Codex diplomaticus regni Poloniae et magni ducatus Lithuaniae"; von den acht Bänden durften jedoch nur der erste, vierte und fünfte (Wilna 1758) gedruckt werden; von den fünf unterdrückten sollen von D. selbst herrührende Handschriften in Petersburg und Wilna sein. Eine Bearbeitung der Urkunden gab er in den "Limites regni polonici et magni ducatus Lithuaniae ex originalibus et authenticis exemplis descripti" (Wilna 1758).

Dogma (griech., Mehrzahl: Dogmata, Dogmen), als positive Behauptung ausgesprochene Lehrmeinung; in der altklassischen Litteratur philosophischer Lehrsatz; im Neuen Testament kaiserliche Verordnung (Luk. 2, 1; Apostelgesch. 17, 7), gesetzliche Bestimmung (Eph. 2, 15; Kol. 2, 14), Konzilsbeschluß (Apostelgesch. 16, 4); auf kirchlichem Gebiet die Glaubenslehre oder auch ein einzelner Glaubenssatz als zeitweiliger lehrhafter Ausdruck der religiösen Erfahrung in der Gemeinde. Durch letztere Bestimmung unterscheidet sich das D. von der bloßen Privatmeinung einzelner Kirchenlehrer; s. Glaubensartikel.

Dogmatik (griech.), die systematische Darstellung der Dogmen (s. Dogma). Da die letztern von der Kirche oder den Kirchen formuliert werden, so wird auch jede D. einer bestimmten Kirche angehören. Diese kirchliche D. tritt in einer Zeit, in der die Kirche das sämtliche Wissensgebiet beherrscht und die Ansprüche des forschenden Geistes vor den Interessen eines ungebrochenen Glaubens verstummen, als eigentliche Universalwissenschaft auf. So die Scholastik im Mittelalter, ähnlich auch die lutherische und reformierte Orthodoxie im 16. und 17. Jahrh. Aufgabe dieser kirchlichen D. waren außer der präzisen Darstellung des Lehrbegriffs aus den Bekenntnissen Beweis und Begründung desselben gegen Zweifel und Widersprüche, zugleich auch verstandesmäßige Herleitung der abgeleiteten Elemente aus den grundlegenden. Lediglich moderne Formen der D. sind dagegen die kritische, welche die kirchlichen Lehrbestimmungen an den Resultaten der wissenschaftlichen Welterklärung oder an dem fortgeschrittenen religiösen Bewußtsein mißt; die philosophische, welche die Dogmen vom Standpunkt eines spekulativen Systems zurechtlegt; die biblische, welche lediglich den religiösen Gehalt der Heiligen Schrift zusammenstellt;