Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

46

Domino - Domitianus.

Gnaden; D. liberum, plenum, unbeschränktes Eigentum; D. restrictum, eingeschränktes Eigentum; D. superius, Obereigentum an Grund und Boden; D. temporale, die weltliche Herrschaft des Papstes; D. utile, Eigentum, wovon man die Nutznießung hat.

Domino (span. u. ital.), sonst Wintermantel der Geistlichen, der nur bis über die Brust herabreichte; jetzt Maskentracht für Herren und Damen, aus einem langen Mantel mit weiten Ärmeln und einer Kapuze bestehend; auch s. v. w. Maske im D. und der Gewinner beim Dominospiel (s. d.).

Dominospiel, wie man gewöhnlich annimmt, nach dem Erfinder, Abbé Domino, so benannt. Von berufener Seite wird dagegen behauptet, die Zeichnung des Gewandes, welches die Domherren beim Gesang des Dixit Dominus, Domino (zur Abendandacht) trugen, habe den Namen veranlaßt. D. spielt man mit länglichen, platten Steinen von Serpentin, Elfenbein oder Knochen (Dominosteine), deren jeder zwei durch Augen wie auf Würfeln bezeichnete Zahlen von 0 (Blank) bis 6 hat, so daß jede Zahl einmal doppelt und einmal mit einer andern Zahl vorkommt. Es gibt also in einem vollen Spiel 28 Steine. Seltener werden Spiele angewendet, in denen auch die Zahlen 7 und 8 vorkommen (36 oder 45 Steine). Über die 8 hinaus gehen gute Spieler nicht, weil dann die Berechnung zu viel Zeit und Mühe kosten würde. Es können 2-4 Personen teilnehmen. Das Spiel beginnt mit dem Umlegen und Mischen der Steine; aus dem Haufen nimmt sich dann jeder Spieler eine Anzahl (gewöhnlich 6) heraus, und die übrigen bleiben als Talon. Wer den höchsten Stein (oder höchsten Pasch) hat, setzt diesen aus, und der Folgende setzt einen Stein so daran, daß Felder mit gleicher Augenzahl aneinander kommen. Hat er keinen entsprechenden Stein, so muß er vom Talon kaufen, oder er wird, wenn nichts mehr zu kaufen ist, übersprungen, und der Folgende setzt. Unter Zweien spielt man in der Regel so, daß die letzten 2 oder 3 Steine nicht gekauft werden dürfen. Freiwilliges Kaufen wird von vielen verboten, doch empfiehlt sich dies nicht, weil die Befolgung solcher Regel selten kontrolliert werden kann. Auch ist es unter Zweien interessant, wenn man sich eine Force schaffen kann (viel gleiche Zahlen), was für den Gewinn Bedeutung hat. Manche Spieler befolgen die Regel, daß man an einen Pasch noch einmal ansetzen dürfe. Das Spiel wird beendet, 1) wenn ein Spieler "Domino macht", d. h. seinen letzten Stein ansetzt. Dann zahlen ihm die übrigen für jedes Auge oder auch nur für jeden Stein, den sie noch haben, einen Satz. Sie können nach Verabredung das Spiel unter sich fortsetzen, bis noch ein Zweiter und Dritter "Domino macht" und nur der letzte bezahlt; 2) wenn ein Spieler "schließt" (sperrt), so daß niemand mehr ansetzen kann. Dann verlieren die meisten Augen. Man kann mit den Dominosteinen noch einige andre, von der gewöhnlichen abweichende Partien spielen; bei uns in Deutschland sind diese aber selten. Das D., von Italien ausgegangen, ist ein beinahe in der ganzen Welt geübtes Spiel, nirgends aber herrscht es so vor wie in den Kaffeehäusern Frankreichs und Belgiens.

Dominus (lat., "Herr, Gebieter"), Ehrenname heidnischer Gottheiten, in der christlichen Zeit Gottes und Jesu, bei den alten Römern des Hausherrn (d. major) und des ältesten Sohns desselben (d. minor); dann s. v. w. Eigentümer, Inhaber, daher D. directus, Erbgrundherr; D. feudi, Lehnsherr; D. hereditarius, Erbherr; D. jurisdictionis, Gerichtsherr; D. proprietatis, Eigentumsherr; D. secundarius, Afterlehnsherr; D. usufructuarius oder utilis, Nießbrauchherr, Nutznießer.

Dominus ac Redemptor noster (lat., "Unser Herr und Erlöser"), die nach diesen ihren Anfangsworten benannte Bulle des Papstes Clemens XIV. vom 21. Juli 1773, durch die er den Jesuitenorden aufhob (s. Jesuiten).

Dominus Vobiscum (lat., "der Herr sei mit euch"), in der katholischen Kirche Gruß des Priesters an das Volk (salutatio ecclesiastica) beim Beginn des Altardienstes, worauf die Gemeinde antwortet: et cum spiritu tuo ("und mit deinem Geiste"). Die Formeln sind aus Ruth 2, 4 und 2. Tim. 4, 22 genommen und verdeutscht auch in den lutherischen Gottesdienst übergegangen.

Domit, Gestein, s. Trachyt.

Domitianische Frage (lat. Domitiana quaestio), s. v. w. eine lächerliche, einfältige Frage, benannt nach dem römischen Rechtsgelehrten Domitius Labeo, der dem Jubentius Celsus in einer Zeugenvernehmung eine solche Frage vorgelegt hatte.

Domitianus, Titus Flavius, röm. Kaiser 81-96 n. Chr., Sohn des Vespasianus, Bruder und Nachfolger des Titus, geb. 51, ward, nachdem sein Vater zum Kaiser erhoben und dessen Gegner Vitellius besiegt und getötet worden war, erst zum Prätor, dann zum Cäsar ernannt und erhielt von seinem Bruder Titus sogar die Mitregentschaft übertragen; er benutzte indes diese hohe Stellung nur, um seinen Ausschweifungen zu frönen. Nach dem frühen Tod seines Bruders (den er herbeigeführt oder doch beschleunigt haben soll) im Lager der Prätorianer zum Kaiser ausgerufen, bezeichnete er seine Regierung anfangs (etwa bis zum Jahr 84) durch mehrere wohlthätige Maßregeln, unter denen mit besonderm Lob hervorgehoben wird, daß er dem verderblichen Unwesen der Delatoren (Denunzianten) steuerte; wenn es auch schon jetzt nicht an einzelnen Beispielen von Willkür und Grausamkeit fehlte, so waren doch in dieser Zeit, wie es Sueton ausdrückt, Tugenden und Laster noch bei ihm gemischt. Indessen trat seine mißtrauische, neidische, bösartige Natur, die an der Grausamkeit um ihrer selbst willen Gefallen fand und sich an dem Anblick der Opfer derselben weidete, bald immer deutlicher hervor, und hierzu kam als weiteres Motiv zu Hinrichtungen noch die infolge seiner Verschwendung eintretende Geldverlegenheit. Am höchsten stieg aber seine Grausamkeit seit 93, als eine bald unterdrückte Empörung des L. Antonius Saturninus ihm Gelegenheit gab, alle, die ihm mißfällig waren, unter dem Vorwand der Teilnahme an der Verschwörung zum Tod zu verurteilen. Nun erfolgten die Hinrichtungen, wie Tacitus sagt, nicht mehr einzeln und in Zwischenräumen, sondern ohne Unterbrechung Schlag auf Schlag. Vorzugsweise ersah er sich die angesehensten und bedeutendsten Männer zu Opfern seiner Grausamkeit; aber auch die Juden und Christen wurden verfolgt, und 93 wurden mit einemmal alle Philosophen aus Rom vertrieben. Wie aber im Innern, so war auch nach außen seine Regierung schmachvoll. Im J. 83 oder 84 unternahm er einen Feldzug gegen die Katten, den er beendete, ohne einen Feind gesehen zu haben, gleichwohl aber mit einem glänzenden Triumph feierte. Ebenso unrühmlich waren seine Feldzüge gegen die Markomannen, Quaden und Sarmaten an der mittlern und untern Donau; seine Feldherren (er selbst begleitete die Züge zwar, aber immer nur bis zur Schwelle des Kriegs) erlitten empfindliche Niederlagen, und dem König der Dacier, Decebalus, wurde der Friede sogar durch eine