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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Donat; Donatar; Donatello; Donaten; Donati; Donatio

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Donat - Donatio.

Donat, s. Donatus 1).

Donatar (lat.), der Empfänger einer Schenkung.

Donatello, eigentlich Donato di Niccolò di Betto Bardi, ital. Bildhauer, geboren um 1386 zu Florenz, trat 1407 zum erstenmal nachweisbar mit zwei Statuetten am nördlichen Portal des Florentiner Doms auf. Vorher war er mit Brunellesco nach Rom gegangen, wo er die Überreste der Antike kennen lernte und sich an ihnen seinen eignen Stil bildete, welcher die Renaissance in der Plastik auf der Grundlage eines eindringlichen Naturstudiums einleitete. Seine eigentümliche Begabung zeigte sich zuerst in den Marmorstatuen der Heiligen Petrus, Markus und Georg für San Michele (1411-16). Ungefähr gleichzeitig sind der Marmordavid im Museo nazionale und die poesiereiche Verkündigung in Santa Croce. Eine weitere Gruppe bilden seine Statuen für den Campanile des Giotto wie für die Domfassade; kühne, effektvolle Behandlung, seit der Antike nicht mehr dagewesene Charakteristik und Porträtierung, edler Schwung der Linien kennzeichnen dieselben, welche zudem meisterhaft auf den hohen Standpunkt berechnet sind. Hervorzuheben ist unter ihnen der sogen. Zuccone (d. h. Kahlkopf) am Campanile, welcher als König David zugleich die Porträtfigur des Giovanni di Barduccio Cerichini darstellt. Damals fing D. auch an, sich dem Bronzeguß zu widmen. Er wurde darin unterstützt von Michelozzo, der 1425 in seine Werkstatt eingetreten war. Zwischen 1423 und 1427 entstanden Bronzearbeiten in Siena und Orvieto, zu gleicher Zeit Marmorgrabmäler: für Papst Johann XXIII. im Baptisterium zu Florenz bis 1427, für Brancacci in Sant' Angela in Nilo zu Neapel, für B. Aragazzi in Montepulciano. In die Jahre 1433-34 fallen die Reliefs von tanzenden Kindern (in den Uffizien zu Florenz) sowie die für die Kanzel am Dom zu Prato. Für Cosimo de' Medici schuf er in dieser Periode mehrere seiner schönsten Bronzearbeiten: David im Museo nazionale ("die erste völlig frei behandelte nackte Statue der Renaissance"), Judith in der Loggia dei Signori etc. 1444-1453 lebte er in Padua, wo er in der Kirche Sant' Antonio den Hochaltar mit Bronzereliefs aus dem Leben des Heiligen, den Symbolen der Evangelisten, der Grablegung und musizierenden Kindern schmückte. Vor der Kirche ist das majestätische Reiterbild des Erasmo di Narni von seiner Hand, seit den Zeiten des Altertums die erste derartige Schöpfung in Italien. Auch in Modena, Ferrara, Mantua hinterließ er Arbeiten. Von 1456 lebte er abwechselnd in Florenz, wo er den plastischen Schmuck der Sakristei von San Lorenzo und in der Kirche selbst zwei auf Säulen frei stehende Kanzeln mit Bronzereliefs ausführte, und Siena und starb 1466 in Florenz. D. vereinigt auf großartige Weise Antike und Natur, unmittelbares Leben und Stil und war ein bahnbrechender Meister in der Freistatue, im zartesten Relief, im Porträt, in der Gewandung, in der Darstellung von Kindern und sanften Frauen (Madonnen) und in der Komposition von dramatischer Kraft. Ein kühner Techniker in der Skulptur, war er zugleich ein vorzüglicher Zeichner und Maler und trug ebensosehr zur Regeneration der Malerei bei, wie die ganze Skulptur des 15. Jahrh. bis Michelangelo unter seinem direkten Einfluß stand. Vgl. Müntz, D. (Par. 1885).

Donaten (Donati und Donatae), Personen, die sich, ohne das vollständige Gelübde zu thun, mit ihrem Vermögen in ein Kloster begeben und als Laienbrüder verschiedene Dienste verrichten; auch (donata) Geschenke an Klöster.

Donati, 1) Cesare, ital. Novellist, geb. 10. Sept. 1826 zu Lugo di Romagna, wuchs als Autodidakt heran, beteiligte sich lebhaft am nationalen Aufstand des Jahrs 1848 (unter anderm auch durch eine Flugschrift: "Una parola agli Italiani"), studierte darauf unter schwierigen Verhältnissen in Pisa die Rechte und ließ sich dann in Florenz nieder, wo er im Büreau eines Advokaten arbeitete und mit einigen Freunden den "Dizionario della giurisprudenza toscana dal 1800 al 1850" (1851-53, 2 Bde.) herausgab. Im J. 1854 gründete er eine Wochenschrift: "L'Eco d'Europa", und beteiligte sich späterhin an der Redaktion auch andrer Blätter. Zuletzt trat er mit einigen Erzählungen hervor: "Per un gomitolo", "Diritto e rovescio", "Arte e natura" (Flor. 1858), welche ungemein gefielen. Nun wurde durch seine Anstellung im Ministerium des Unterrichts und allmähliche Vorrückung bis zum Kabinettschef auch seine äußere Lage eine gesicherte. Seine Popularität als Erzähler wuchs durch die Romane: "Tra le spine" (1870), "Povera vita!" (1874), "Flora Marzia, storia di mezzo secolo" (1876) etc.; die Novellen: "Racconti delle fate" (1868), "Foglie secche" (1874), "Rivoluzione in miniatura", "Buon anno! novelle e fantasie" (1875). Leichte und glückliche Darstellung, feine Charakterzeichnung und ein anmutiger Humor zeichnen Donatis Erzählungen aus; sein Meisterwerk ist: "Per un gomitolo".

2) Giambattista, Astronom, geb. 16. Dez. 1826 zu Pisa, studierte zuerst in seiner Vaterstadt und ging dann nach Florenz, wo er von Amici für die Astronomie gewonnen wurde. Im J. 1852 ward er Assistent der Sternwarte zu Florenz und wandte sich hier hauptsächlich dem Aufsuchen und Beobachten von Kometen zu. Eine Frucht seiner Bemühungen war die Entdeckung des Kometen II 1855, des Kometen VI 1857 sowie des glänzenden Kometen V 1858, der den Namen des Donatischen Kometen trägt. 1858 zum Hilfsastronomen der Sternwarte in Florenz aufgerückt, beobachtete er hauptsächlich die Spektra der Fixsterne. Im J. 1864 wurde er zum Direktor der Sternwarte ernannt und richtete die neue Sternwarte auf dem Hügel zu Arcetri bei Florenz ein, die nun für eine der schönsten und trefflichsten in Europa gilt. Er konstruierte ein Spektroskop mit 25 Prismen, das auf der Wiener Weltausstellung 1873 die Bewunderung der Kenner erregte. Überaus verdienstlich wirkte er auch im Interesse der Meteorologie. Seine Stellung als Vorstand der italienischen Meteorologischen Kommission veranlaßte ihn, im September 1873 Italien auf dem Meteorologenkongreß in Wien zu vertreten. Nach kurzem Verweilen in Wien von der Cholera befallen, eilte er nach Florenz zurück und starb dort 20. Sept. 1873.

Donatio (lat.), Schenkung (s. d.); d. ad pias causas, Schenkung zu frommen Stiftungen; d. honoris causa, Ehrengabe; d. illicita, unerlaubte Schenkung; d. impropria, uneigentliche Schenkung (die keine reine ist, einen andern Zweck verhüllt); d. inofficiosa, die Pflicht gegen die nächsten Erben verletzende Schenkung; d. inter virum et uxorem, Schenkung unter Ehegatten; d. inter vivos, Schenkung unter Lebenden; d. conditionata, an Bedingungen geknüpfte Schenkung; d. mortis causa, Schenkung für den Fall, daß der Schenkgeber stirbt; d. onerosa, Schenkung, welche dem Beschenkten Verpflichtungen auferlegt; d. propter nuptias, das der Frau für ihre Aussteuer im Ehevertrag ausgesetzte Wittum, der Dos auf des Mannes Seite entsprechend; d. reciproca, wechselseitige Schenkung; d. relata, auf Verpflichtung ge-^[folgende Seite]