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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Doppelblattpflanzen; Doppelbrechung

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Doppelblattpflanzen - Doppelbrechung.

kommen. Ungleichheit in der Belastung ist jedoch nicht vollständig zu vermeiden, weil die Gemeindesteuersysteme sehr verschieden sind und auch niemals überall gleich gemacht werden können (Stadt- und Landgemeinden, Verschiedenheit des Bedarfs, der Erwerbs- und Besitzverhältnisse, des Gemeindevermögens etc.). Ebenso ist auch die D. bei Ausländern, die im Inland wohnen oder Vermögen besitzen, Gewerbe betreiben, bei Inländern, welche Einkommen vom Ausland beziehen etc., nicht ganz zu verhüten. Gesetzliche Anordnungen müßten hier mit allerdings nur teilweisem Erfolg durch Verträge ersetzt werden.

Doppelblattpflanzen, s. Zygophylleen.

Doppelbrechung, Eigenschaft aller nicht zum regelmäßigen Kristallsystem gehörigen kristallisierten Körper, einen in sie eindringenden Lichtstrahl (ab) in zwei Strahlen (bc und bd) zu trennen (Fig. 1). Durch die Spaltbarkeit der Kristalle nach bestimmten Richtungen (s. Kristall) verrät sich eine Regelmäßigkeit ihres innern Gefüges, welche sich aus der gesetzmäßigen Anordnung und gleichheitlichen Orientierung ihrer Moleküle (s. Atom) erklärt. Jedes Molekül ist aus Atomen von bestimmter Anzahl und Beschaffenheit aufgebaut, welche um drei zu einander senkrechte Achsen nach bestimmter Regel geordnet sind. Im allgemeinen sind diese drei Achsen voneinander verschieden, so daß Kräfte, welche in den Richtungen dieser Achsen auf das Molekül einwirken, verschiedenen Widerständen begegnen. Eine große Anzahl gleicher Moleküle bilden einen Kristall, wenn sie so zusammentreten, daß ihre gleichwertigen Achsen zu einander parallel zu liegen kommen. Die Folge davon ist, daß auch der Kristall als Ganzes nach verschiedenen Richtungen verschiedene physikalische Eigenschaften zeigt, z. B. die Wärme je nach der Richtung ungleich schnell fortpflanzt, sich bei der Erwärmung nach verschiedenen Richtungen ungleich ausdehnt etc. Lagern sich aber die Moleküle regellos durcheinander, so daß die gleichwertigen Molekülachsen nach allen möglichen Richtungen orientiert sind, so bilden sie einen unkristallisierten oder amorphen Körper. Eine solche Regellosigkeit der Orientierung findet auch bei den flüssigen Körpern statt. Da in diesem Fall keine Richtung vor den andern sich auszeichnet, so besitzen unkristallisierte feste Körper und Flüssigkeiten nach allen Richtungen die gleichen physikalischen Eigenschaften. Dies findet übrigens auch statt bei den Kristallen des regelmäßigen Systems, deren Moleküle drei gleichwertige Achsen haben. - Alle diese Körper, welche nach allen Richtungen mit gleichen Eigenschaften begabt sind, nennt man isotrop. Durch zwei gleiche und eine dritte davon verschiedene Achse sind die Kristalle des quadratischen und hexagonalen Systems ausgezeichnet, während die Kristalle des rhombischen, klinorhombischen und klinorhomboidischen Systems drei ungleichwertige Achsen besitzen. Körper, welche, wie die Kristalle dieser fünf letzten Systeme, nach verschiedenen Richtungen verschiedene Eigenschaften zeigen, heißen anisotrop oder heterotrop.

Eine Lichtwelle kann sich durch den Äther, welcher die Zwischenräume der Moleküle eines Körpers erfüllt, nicht fortpflanzen, ohne auf die Moleküle einzuwirken und wiederum von ihnen eine entsprechende Einwirkung zu erfahren. Diese Einwirkung gibt sich einerseits durch eine Schwächung der Welle (Absorption), anderseits durch eine Änderung ihrer Fortpflanzungsgeschwindigkeit kund. In einem "isotropen" Körper, welcher nach allen Richtungen sich gleich verhält, werden die Lichtschwingungen immer in gleicher Weise beeinflußt, welche Richtung sie auch haben mögen. Werden in einem Punkt eines solchen Körpers (z. B. Glas) beliebig gerichtete Schwingungen erregt, so pflanzen sich dieselben zwar mit einer geringern Geschwindigkeit fort als im freien Äther, aber nach allen Seiten mit der gleichen Geschwindigkeit und erzeugen rings um jenen Punkt kugelförmige Wellen. Man sagt daher, daß die Wellenfläche der isotropen Mittel eine Kugel sei. Durch diese Gestalt der Wellenfläche ist die Fortpflanzungsweise des Lichts in solchen Mitteln erschöpfend gekennzeichnet; man lernt die Lichtbewegung für die "anisotropen" Körper ebenso vollständig kennen, wenn man ihre Wellenfläche ermittelt.

Als Beispiel eines solchen Körpers diene der Kalkspat, welcher die Eigenschaft der D. in besonders hervorragendem Grad besitzt. Seine durchsichtigen, farblosen Kristalle sind nach drei Richtungen sehr vollkommen spaltbar; es ist daher leicht, Stücke aus ihnen zu spalten, welche von sechs gleichen rautenförmigen Flächen begrenzt sind und deshalb Rautenflächner (Rhomboeder, Fig. 2) genannt werden. Man könnte sich diese Gestalt dadurch entstanden denken, daß man einen Würfel mit verschiebbaren Kanten auf eine Ecke b stellt und auf die gegenüberliegende oberste Ecke mit dem Finger drückt; dadurch werden die beiden gedrückten Ecken a und b stumpfer, die übrigen sechs Ecken aber spitziger, als sie vorher waren, und die sechs ursprünglich quadratförmigen Flächen verwandeln sich in Rauten. Die gerade Linie ab, welche die zwei stumpfen Ecken miteinander verbindet, heißt die Hauptachse oder auch bloß die Achse des Kristalls; rings um sie sind die Flächen, Kanten und Ecken symmetrisch geordnet. Eine jede durch die Achse gelegte Ebene wird Hauptschnitt genannt. In ähnlich symmetrischer Weise sind nun auch die Moleküle des Kalkspats gebaut; jedes derselben besitzt eine vor allen andern Richtungen ausgezeichnete Hauptachse, welche zur Kristallachse parallel liegt, und übt daher auf Lichtschwingungen, welche zu dieser Hauptachse parallel sind, einen andern Einfluß aus als auf solche, welche zu dieser Achse senkrecht oder unter irgend einem Winkel geneigt sind. Nun stelle

^[Abb.: Fig. 1. Doppelbrechung.]

^[Abb.: Fig. 2. Kalkspatrhomboeder.]

^[Abb.: Fig. 3. Fortpflanzung des Lichts im Kalkspat.]