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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dörfel; Dorfen; Dorfpoesie; Dorgali; Doria

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Dörfel - Doria.

der Gefahr unter die Vogtei eines Schutzherrn gekommen, der das Verhältnis bald in eine sogen. Gemeindeherrschaft umzuwandeln wußte, aus der sich eine wahre Gerichtsbarkeit über das D. von selbst entwickelte. So kam es denn, daß die Dörfer endlich sämtlich als auf dem Gnadenweg entstanden behandelt wurden, was beim Gang der Dinge in Deutschland nach dem Dreißigjährigen Krieg sich kaum anders erwarten ließ; denn da einmal der Zentralisationsgeist gegen alles Gemeindeleben ankämpfte und auch die mächtigsten Städte sich der Obervormundschaft des Staats fügen mußten, so traf dies die Dorfgemeinden am härtesten. Erst in diesem Jahrhundert ist durch eine liberale Gemeindegesetzgebung eine selbständigere Stellung der Dorfgemeinden herbeigeführt worden (s. Gemeinde).

Dörfel, Georg Samuel, Theolog, geb. 11. Okt. 1643 zu Plauen, war Diakonus in seiner Vaterstadt, starb 6. Aug. 1688 in Weida als Superintendent. In seiner Schrift "Astronomische Beobachtung des großen Kometen" (Plauen 1681) hat D. (vor dem Erscheinen der Newtonschen Gravitationstheorie) aus seinen Beobachtungen den Nachweis geführt, daß die Kometen sich in parabolischen Bahnen bewegen, in deren Brennpunkt die Sonne steht.

Dorfen (Mariadorfen), Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, Bezirksamt Erding (444 m ü. M.), an der Isen und der Eisenbahnlinie München-Simbach, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat 2 Kirchen und (1880) 1724 kath. Einwohner. Auf dem Ruprechtsberg eine berühmte Wallfahrtskirche von 1350 mit wunderthätigem Marienbild.

Dorfpoesie, höfische, nach Lachmann Bezeichnung derjenigen deutschen Lyrik des Mittelalters, deren Verfasser zwar wie auch die Hörer dem höfischen Stand angehörten, die ihren Inhalt aber aus dem Leben der Bauern schöpfte und sich auch äußerlich von dem Zwang der höfischen Formen lossagte. Ihren Ursprung und Hauptsitz hatte diese Richtung, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. aus Reaktion gegen die konventionelle rein höfische Lyrik hervorging, am Wiener Hof; als ihr Erfinder gilt Neidhart von Reuenthal. Vgl. Deutsche Litteratur, S. 737, und Minnesänger.

Dorgali, Dorf auf der ital. Insel Sardinien, Provinz Sassari, Kreis Nuoro, unweit des Golfs von Orosei, der auch nach D. benannt wird, mit neuerdings entdeckter Tropfsteinhöhle und als Gemeinde mit (1881) 4364 Einw.

Doria, ursprünglich d'Oria, d. h. Kinder der Oria, der Gemahlin Arduins von Narbonne in der ersten Hälfte des 12. Jahrh., ein altes Adelsgeschlecht in Genua, unter dessen Mitgliedern, die in den Kämpfen zwischen Kaiser und Papst auf seiten des erstern standen, mehrere durch geschichtliche Bedeutung hervorragen. Die namhaftesten derselben sind:

1) Oberto, unternahm 1266 einen erfolgreichen Zug gegen Kandia sowie später zwei Seekriege gegen Venedig, vernichtete durch den Sieg bei Molara 2. April 1284 die Seemacht Pisas und erhob die genuesische Seemacht zur ersten ihrer Zeit. Er beherrschte mit den Spinola den Staat unumschränkt.

2) Lamba, schlug 8. Sept. 1297 die weit überlegene Seemacht der Venezianer unter Dandolo vollständig, doch mit großem eignen Verlust.

3) Filippo, unternahm 1350 einen verheerenden Kriegszug gegen die venezianischen Küsten. Später mit 15 Galeeren ausgesandt, um die aragonischen Plätze in Sardinien zu erobern, fand er diese zu stark, segelte deshalb nach Tripolis, eroberte diese Stadt und verkaufte sie an einen mohammedanischen Fürsten für 50,000 Golddublonen. Darauf erfocht er mehrere Siege gegen die Aragonier in Sardinien.

4) Lucian, erhielt 1379 den Oberbefehl über die genuesische Flotte gegen die Venezianer, eroberte den Hafen von Zara und brachte dem berühmten Seehelden Pisani 7. Mai eine Niederlage bei. Ein zweiter Seesieg bei Pola kostete ihm das Leben.

5) Ceva, that sich in den Unruhen, die gegen das Ende des 14. Jahrh. Genua zerrütteten, hervor und war mit Veranlassung, daß sich Genua der Schutzherrschaft Frankreichs unterwarf. Als 1409 die Franzosen verjagt und die Mailänder als Oberherren anerkannt wurden, erhoben sich die D. und Fieschi zur Befreiung ihres Vaterlandes, worauf Ceva mit andern Patriziern an die Spitze der Regierung kam.

6) Andrea, der berühmteste seines Geschlechts und einer der größten Staatsmänner und Helden seines Jahrhunderts, geb. 30. Nov. 1468 zu Carrascosa im Genuesischen, diente nach einander dem Papste, dem Herzog Friedrich von Urbino und dem König Ferdinand von Neapel, ward nach Beilegung von Bürgerkriegen in Genua zum Generalkapitän ernannt, überwältigte als solcher die unter Ranuccio insurgierten Corsen und erhielt von seinen Mitbürgern 1513 nach Vertreibung der Franzosen den Oberbefehl über die Galeeren. Er vertrieb nun die Franzosen vollends aus den Seeplätzen, reinigte den Golf von Genua von den Seeräubern und schwang sich schnell zum berühmtesten Seehelden seiner Zeit empor. Er unterstützte Janus Fregoso, als dieser die Verfassung änderte und Genua unter französische Schutzherrschaft stellte, weil er es für das Interesse der Republik für unerläßlich hielt. Er trat mit seinen eignen und den genuesischen Schiffen in die Dienste Franz' I. von Frankreich, wurde 1524 zum Befehlshaber der vereinigten Flotten ernannt und fügte der spanischen Seemacht bedeutende Verluste zu. 1527 erhielt er den Oberbefehl über die vereinigte päpstliche, französische und venezianische Flotte, um gegen die kaiserliche zu operieren, segelte nach dem von den Spaniern besetzten Genua und befreite es von denselben, worauf er die Herrschaft Frankreichs daselbst herstellte. Sein wohlentworfener Plan, der Oberherrschaft der Spanier in Oberitalien ein Ende zu machen, wurde zurückgewiesen und dagegen zu ungünstiger Jahreszeit ein Angriff auf Neapel versucht, der, wie D. vorausgesagt, völlig fehlschlug. Dennoch sandte er im Januar 1528 seinen Neffen Filippo mit zehn Galeeren zur Unterstützung der Franzosen vor Neapel, und dieser schlug nicht nur den Vizekönig Moncada bei Amalfi, sondern nahm auch viele angesehene Männer gefangen. Als Franz I. auf Dorias Weigerung, dieselben auszuliefern, die Verhaftnahme Dorias befahl, trat derselbe auf die Seite Kaiser Karls V. über unter der Bedingung, daß die Selbständigkeit Genuas geachtet werde. D. verjagte nun die Franzosen erst aus Neapel, dann aus Genua und befestigte die Existenz dieser Republik durch eine neue Verfassung. Aus Dankbarkeit gaben ihm dafür die Bürger durch Senatsbeschluß den Titel "Vater des Vaterlandes und Wiederhersteller der Freiheit", erbauten ihm einen Palast und errichteten ihm eine Bildsäule. Kaiser Karl V. ernannte ihn zu seinem Oberbefehlshaber zur See, verlieh ihm den Orden des Goldenen Vlieses, später auch das Fürstentum Melsi und das Marchesat Tursi und erhob ihn zum Großkanzler des Königreichs Neapel. 1532 erfocht D. an der griechischen Küste einen der glänzendsten Siege über die türkische Flotte. Auch die Eroberung von Tunis durch Karl V.