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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dorna-Watra; Dornapfel; Dornauszieher; Dornbach; Dörnberg; Dornbirn; Dornburg; Dorndreher; Dorne; Dorneck; Dornegge; Dorneidechse

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Dornapfel - Dorneidechse.

eine bedeutende Kattunfabrik, Seiden-, Wollwaren- und Packleinwandfabrik und (1880) 4511 meist kath. Einwohner. - 2) Schweizer. Ort, s. Dorneck.

Dornapfel, s. Datura.

Dornauszieher, ein in mehreren Nachbildungen erhaltenes Bildhauerwerk des griechisch-römischen Altertums, welches einen auf einem Felsblock sitzenden nackten Knaben darstellt, der einen Dorn aus der Sohle des linken Fußes zieht. Exemplare des Dornausziehers befinden sich im kapitolinischen Museum zu Rom und im Berliner Museum.

Dorna-Watra, Marktflecken im österreich. Herzogtum Bukowina, Bezirkshauptmannschaft Kimpolung, unfern der Mündung der Dorna in die Bistritza, mit einem Bezirksgericht, einem eisen- und schwefelhaltigen Säuerling, Badeanstalt (jährlich gegen 300 Badegäste), Holzhandel und (1880) 3980 Einw. Westlich davon das Dorf Dorna-Kandreny, gleichfalls mit einem Sauerbrunnen und 1895 Einw.

Dornbach, Dorf in Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft Hernals, westlicher Villenvorort von Wien, durch Pferdebahn mit Wien verbunden, mit Weinbau und (1880) 2323 Einw. Hieran schließt sich weiter westlich der Villenort Neuwaldegg, mit Schloß und schönem Park, ehemals dem Marschall Lascy (dessen Grabmal sich im Park befindet), jetzt dem Fürsten Schwarzenberg gehörig, und (1880) 385 Einw. Schöne Punkte in der waldreichen Umgebung sind: der Heuberg, Gallizinberg, das Hameau oder Holländerdörfel und die Sophienalpe. Am 12. Sept. 1683 schlugen in der Wiener Entsatzschlacht die Polen unter Sobieski bei D. den Rest des Türkenheers.

Dörnberg, Wilhelm Kaspar Ferdinand, Freiherr von, geb. 14. April 1768 zu Hausen bei Hersfeld, trat 1783 in hessische, 1796 in preußische Dienste, ward 1806 in Lübeck gefangen, trat sodann als Oberst der Gardejäger in die Dienste des Königreichs Westfalen, faßte aber von Anfang an den Plan der Empörung und machte 22. April 1809 etwas vorzeitig einen Aufstandsversuch. Er marschierte mit ein paar Tausend Bauern gegen Kassel, ward jedoch geschlagen und flüchtete nach Böhmen, wo er in das vom Herzog von Braunschweig errichtete Freikorps trat, während er in Kassel als Hochverräter zum Tod verurteilt ward. Er diente 1812 unter Wittgenstein im russischen Heer, schlug 1813 das Morandsche Korps bei Lüneburg und stand 1814 vor Thionville. 1815 ward er hannöverscher General, kämpfte bei Quatrebras und Waterloo und ging 1842 als Gesandter nach Petersburg. Er starb 19. März 1850 in Münster.

Dornbirn, industriereicher Marktflecken in Vorarlberg, Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, am Ostrand des breiten Rheinthals, an der Dornbirner Ach, die bei Fußach in den Bodensee mündet, und an der Vorarlberger Bahn, die größte Gemeinde des Landes mit (1880) 9307 Einw., bestehend aus vier zusammenhängenden Vierteln (Markt, Hatlerdorf, Oberdorf und Haselstauden), hat eine hübsche Kirche im Rundbogenstil (in Hatlerdorf, 1865 erbaut), ein Bezirksgericht, eine Kommunalunterrealschule, bedeutende Baumwollindustrie (mehrere Spinnereien, mechanische Webereien, Druckereien, Rot- und Blaufärbereien und Appreturanstalten), eine Eisen- und Gelbgießerei, Ziegel- und Kalkbrennereien, ansehnliche Mahl- und Sägemühlen, eine Bijouteriewarenfabrik, bedeutenden Holzhandel und große Viehmärkte. D. war ehemals ein Reichsdorf und später Bestandteil der Reichsgrafschaft Hohenems.

Dornburg, 1) Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, 255 m ü. M., 125 m ü. d. Saale, auf einem steilen Berg über dem malerischen Saalthal (in demselben unterhalb D. an der Saale der Bahnhof), an der Saaleisenbahn, hat Wollweberei für Apolda, (1880) 701 Einw. und drei großherzogliche Schlösser: das südliche Schloß oder das vormals sogen. Stohmannsche Rittergut; das Alte Schloß (jetzt Sitz einer Forstinspektion), an dessen Stelle im 10. und 11. Jahrh. eine kaiserliche Pfalz stand, und zwischen beiden, auf einem Vorsprung des Felsens, das von Herzog Ernst August 1728-48 erbaute und mit schönen Parkanlagen umgebene Neue Schlößchen, welches von Karl August und auch von Goethe sehr oft zum Aufenthalt gewählt wurde. - D. ist eine der ältesten kleinern Städte Thüringens, hatte bereits 937 Stadtrechte und besaß eine kaiserliche Pfalz. Die Kaiser Otto d. Gr., Otto II., Otto III. und Heinrich II. waren öfters in D., der letztere hielt 1005 hier einen Reichstag. 1081 schenkte Kaiser Heinrich IV. D. dem Grafen Wiprecht von Groitzsch für seine ihm in Italien geleisteten Dienste. 1244 war es im Besitz der Schenken von D., später in dem der Grafen von Orlamünde und von Schwarzburg, des Landgrafen Friedrich des Ernsthaften von Thüringen und der Vitzthume von Eckstedt, die es 1486 an den Kurfürsten Ernst von Sachsen verkauften. Bei der Landesteilung 1603 fiel D. an Altenburg, kam 1672 an Sachsen-Jena, endlich 1691 an Sachsen-Weimar. - 2) Dorf im Kreis Zerbst des Herzogtums Anhalt, am rechten Elbufer, mit einem schönen Schloß, einer evang. Pfarrkirche und (1880) 493 Einw., gehörte im Mittelalter den Grafen von D., bis es im 15. Jahrh. an Anhalt verkauft wurde.

Dorndreher, s. Würger.

Dorne (Durne), Dichter, s. Turn.

Dorneck (Dornach), Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Solothurn, da gelegen, wo die Birs aus den Engen des Laufenthals in die Rheinebene von Basel hinaustritt, mit (1880) 1169 Einw. Hier Sieg der Schweizer über ein deutsches Heer unter dem Grafen Heinrich von Fürstenberg (22. Juli 1499); mit demselben endigte der "Schwabenkrieg", der die Schweiz faktisch vom Deutschen Reich trennte. Das Schloß wurde 1. März 1797 von den Franzosen eingenommen und hierauf von dem Landvolk zerstört. Auf dem Friedhof von D. ruht der Mathematiker Maupertuis. Der Bezirk D. umfaßt 23 Gemeinden deutscher Zunge und katholischer Konfession.

Dornegge, s. Ackerschleife.

Dorneidechse (Stellio Daud.), Reptiliengattung aus der Ordnung der Eidechsen und der Familie der Agamen (Agamidae), kräftig gebaute Tiere mit fast dreieckigem, flachem Kopf, mit unregelmäßigen Falten versehenem, ziemlich kurzem Hals, mittellangem, allseitig mit stachligen Wirtelschuppen bekleidetem Schwanz und verhältnismäßig langen und kräftigen Beinen. Die Oberseite decken gekielte Schuppen, die Unterseite Schindelschuppen, den Kopf kleine viereckige Schilder. Die gemeine D. (Hardun, S. vulgaris Latr., s. Tafel "Eidechsen"), 45 cm lang, oberseits braungelb, mit hellgelben, größern Flecken und schwarzen Punkten, unterseits heller, dunkel gefleckt, gegen die Schwanzspitze hin mit schwärzlichen Ringen, bewohnt die Türkei, einige Inseln des Ägeischen Meers, Kleinasien und Nordostafrika, ist sehr gewandt im Laufen und Klettern, nährt sich von größern Insekten, besonders auch von Bienen, durch deren Wegfangen sie zum Teil die Bienenzucht unmöglich macht, und wird in Ägypten, wo sie sehr gemein ist, von den Schlangenbeschwörern gefangen und öffentlich gezeigt. Der Stellio der Alten ist der Gecko.