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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dorner - Dorothea.

Dorner, Isaak August, protest. Theolog, geb. 20. Juni 1809 zu Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen in Württemberg, studierte seit 1829 zu Tübingen Theologie und Philosophie. 1834 ward er Repetent und 1838 außerordentlicher Professor der Theologie in Tübingen, 1839 Professor zu Kiel, bald darauf in Königsberg, 1847 zu Bonn, 1853 in Göttingen, endlich 1861 Oberkonsistorialrat und Professor zu Berlin. Als Frucht seiner christologischen Forschungen erschien die "Entwickelungsgeschichte der Lehre von der Person Christi" (Stuttg. 1839), von der "Die Lehre von der Person Christi" (das. 1846-56, 3 Bde.) eine zweite Auflage bildet. Unter seinen übrigen Werken sind besonders "Der Pietismus, insbesondere in Württemberg" (Hamb. 1840), die "Geschichte der protestantischen Theologie" (Münch. 1867), "System der christlichen Glaubenslehre" (Berl. 1879-81, 2 Bde.) und "System der christlichen Sittenlehre" (das. 1885) zu erwähnen. Unter dem Präsidenten Herrmann galt er als die theologische Autorität des Oberkirchenrats; nachher zog er sich in das Privatleben zurück und starb 8. Juli 1884 in Wiesbaden.

Dörner (Seigerdörner), hüttenmännischer Ausdruck für Rückstände, welche bei der Scheidung (Seigerung) leichtschmelziger von strengflüssigen Metallen aus deren Legierungen durch Erhitzen bis zu einer gewissen Temperatur erfolgen, in welcher erstere ausschmelzen ("ausseigern"), letztere aber in mehr oder weniger zackigem Zustand, als D., zurückbleiben, z. B. Zinn- und Kupferseigerdörner beim mäßigen Erhitzen resp. von eisenhaltigem Zinn und kupferhaltigem Blei. Beim Seigern einer aus Kupfer, Silber und Blei bestehenden Legierung ("Frischstück"), welche behufs Entsilberung von Kupfer durch Zusammenschmelzen desselben mit Blei ("Kupferfrischen") auf Hüttenwerken dargestellt wird, erfolgt neben ausgeschmolzenem silberhaltigen Blei (Werkblei, Seigerblei) und im Rückstand bleibendem entsilberten Kupfer (Kiehnstock) ein aus oxydiertem und metallischem Kupfer und Blei, auch Silber, bestehendes, gewöhnlich Seigerkrätz, aber auch wohl Seigerdörner genanntes Gemenge, welches beim Verschmelzen mit bleiischen Zuschlägen (Dörnerarbeit, Krätzfrischen) kupferhaltiges Blei (Dörnerstöcke) liefert, aus dem beim Seigern ein unreines silberhaltiges Blei (Dörnerblei, Krätzwerke) neben Krätzkiehnstöcken resultiert.

Dornfink, s. Fliegenfänger.

Dorngradierhäuser, s. Salz.

Dorngrundel, s. Schmerle.

Dornhan, Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Sulz, auf der Schwarzwaldebene in rauher Gegend gelegen, 642 m ü. M., mit Wasserleitung und (1880) 1601 evang. Einwohnern. D. kommt als Tornheim schon 782 und als Besitztum der Herzöge von Teck 1095 vor und fiel um 1400 an Württemberg.

Dornoch, Seestädtchen in der schott. Grafschaft Sutherland, am Firth of D., mit alter Kathedrale und Palast der Bischöfe von Caithneß (jetzt Grafschaftsgebäude), die ehedem hier wohnten. Die Bewohner, (1881) 497 an der Zahl, sind zumeist Fischer.

Dornstein (Dornenstein), die Inkrustation, welche sich auf den Dornen der Gradierhäuser (s. Salz) absetzt. Fließt nämlich die Sole über Dornenwände, so entweicht zunächst Kohlensäure, und infolgedessen scheiden sich die Kohlensäuresalze von Kalk, Magnesia, Eisen- und Manganoxydul ab; letztere beiden verwandeln sich in Eisenoxyd- und Manganoxydhydrat und bedingen die graue bis bräunliche Farbe des Dornsteins. Wird die Sole konzentrierter, so scheidet sich auch Gips auf den Dornen aus. Außerdem enthält der D. stets etwas Chlornatrium, Kieselsäure, Thonerde, Chlorkalium, schwefelsaures Natron etc. Wenn die Inkrustationen auf den Dornen so stark werden, daß sie den Zug in den Wänden und somit die Gradierung überhaupt beeinträchtigen, so wird der D. abgeklopft und als Düngegips verkauft.

Dornstetten, Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Freudenstadt, 629 m ü. M., an der Eisenbahn Stuttgart-Freudenstadt, in rauher Lage, hat noch Mauern, eine schöne Kirche (1490 erbaut), eine Wasserleitung und (1880) 1093 evang. Einwohner.

Dornum, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Aurich, Kreis Norden, 4 km von der Nordsee, an der Eisenbahn Emden-Jever, mit Kirche, Schloß (Norderburg) des Grafen zu Münster und (1880) 848 meist evang. Einwohnern, war in früherer Zeit Sitz eines ostfriesischen Häuptlingsgeschlechts.

Dornzirpe, s. Cikaden.

Dorobanzen, Trabanten in Ungarn etc., jetzt Name der Infanterie der Territorialarmee in Rumänien (s. Rumänien, Heerwesen).

Dorogobush, Kreisstadt im russ. Gouvernement Smolensk, am Dnjepr und der Warschau-Moskauer Heerstraße, von hoher Mauer umgeben, mit einer griechischen Kathedrale und (1881) 8539 Einw., welche ansehnlichen Handel mit Korn, Flachs, Hanf, Honig, Wachs, Fellen, Leder, Wolle und Glaswaren treiben. D. wird zum erstenmal 1300 erwähnt, fiel 1404 in die Hände der Litauer und zuletzt an Polen. Seit 1667 gehört es zum russischen Reich.

Dorogoi (Dorohoi), Kreishauptstadt in Rumänien, im nördlichsten Teil der Moldau, an der Shishja und einem Zweig der Eisenbahnlinie Lemberg-Czernowitz-Jassy, mit 2 Kirchen, Präfektur, Tribunal, Gymnasium und 14,000 Einw. (zur Hälfte Juden).

Doronicum L. (Gemswurz), Gattung aus der Familie der Kompositen, perennierende Kräuter mit oft knolligem Wurzelstock, langgestielten, einfachen, meist gekerbten Grundblättern, stengelumfassenden Stammblättern und einzeln stehenden Blütenkörbchen. D. Pardalianches L., mit ästigem, etwa 1 m hohem, kurzbehaartem Stengel, zottigen, tief herzförmigen Wurzelblättern und goldgelben Blüten, in Gebirgswäldern Mitteleuropas, wird als Zierpflanze gezogen. Die starke Wurzel riecht gewürzhaft, schmeckt süß-bitterlichscharf und ward früher als Kraft-, Schwindel-, Dorant-, Gemskrautwurzel arzneilich gebraucht, auch für ein giftwidriges Mittel und selbst für giftig (daher der Name Pardalianches, Leopardenwürger) gehalten, dient jetzt aber nur noch als Hausmittel.

Dorothea (griech., "Gottesgabe"), weiblicher Name, dem männlichen "Theodor" entsprechend. Merkwürdig sind: 1) D., früher in den Augen des Volkes die Schutzheilige Preußens, geb. 1336, hatte bis in ihr 44. Jahr zu Danzig in der Ehe gelebt, ließ sich dann 1394 im Dom zu Marienwerder eine Zelle errichten, worin sie noch in demselben Jahr im Ruf einer großen Wunderthäterin starb. Unter der Kalenderheiligen D. ist aber nicht sie, sondern eine kappadokische Jungfrau D. zu verstehen, die mit Theophilus unter der Regierung des Kaisers Diokletian den Märtyrertod erlitten haben soll; ihr Tag ist der 6. Februar.

2) D. Maria, Stammmutter aller jetzigen Fürsten aus dem ernestinischen Hause Sachsen, Tochter des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt, geb. 2. Juli 1574, vermählte sich 1593 mit dem Herzog Johann III. von Sachsen-Weimar und stand dem schwermütigen Ge-^[folgende Seite]