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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dorow; Dorozsma; Dorp; Dorpat

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Dorow - Dorpat.

mahl stets mit treuer Liebe zur Seite. Nach dem Tode desselben (31. Okt. 1605) rettete sie 1615 ihre Söhne aus gänzlicher Abhängigkeit von dem albertinischen Kurhaus, war eine Gönnerin der neuen Lehrmethode des wandernden Pädagogen Wolfgang Ratich und verbesserte die Gehalte der Professoren an der Universität Jena durch ein Vermächtnis von 20,000 Gulden. Sie selbst lebte schlicht und einfach, ihr Hofstaat war eine Schule der Gottesfurcht und Thätigkeit. Infolge eines Sturzes in den Ilmfluß starb sie 18. Juli 1617.

3) D. Sibylla, Herzogin von Brieg, Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, geb. 19. Okt. 1590, vermählte sich 12. Dez. 1610 mit dem Herzog Johann Christian von Brieg und wirkte als treffliche Fürstin und Hausfrau auf ihren Gemahl und das Land so günstig, daß sie von ihren Unterthanen den Beinamen "die liebe Dorel" erhielt; starb 18. März 1625 in Brieg. 1830 gab der Brieger Syndikus Koch angeblich aus dem Tagebuch eines Zeitgenossen, des Rotgerbers Valentin Gierth, Denkwürdigkeiten aus dem Leben der D. Sibylla heraus, welche Wuttke 1838 als Fabrikat des Herausgebers nachwies. Vgl. Hesekiel, Das liebe Dorel (Berl. 1850); Stein, Die liebe Dorel (Halle 1878).

4) Kurfürstin von Brandenburg, zweite Gemahlin des Großen Kurfürsten, geb. 28. Sept. 1636, Tochter des Herzogs Philipp von Holstein-Glücksburg, war 1653-65 mit dem Herzog Christian Ludwig von Lüneburg in kinderloser und nicht glücklicher Ehe verheiratet und vermählte sich 14. Juni 1668 mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem sie sieben Kinder gebar. Sie war eine nüchtern-praktische Frau, aber eine treue, hingebende Gattin, so daß die Ehe ziemlich glücklich war. Als gute Haushälterin nahm sie von den fremden Gesandten gern Geschenke an und suchte ihr Vermögen zur Sicherung ihrer Kinder möglichst zu vermehren. Auf einem ihr vom Kurfürsten geschenkten Stück Landes in Berlin erbaute sie die Dorotheenstadt und legte die "Linden" an. Zu den Kindern des Kurfürsten aus erster Ehe wußte sie kein gutes Verhältnis herzustellen, namentlich nicht zum Kurprinzen Friedrich; Zwischenträgereien und Gerüchte verschlimmerten das Zerwürfnis, so daß man die Kurfürstin sogar der Vergiftung des Markgrafen Ludwig, der 1687 plötzlich starb, verdächtigte und der Kurprinz aus Berlin floh. Die Beschuldigung, daß sie ihren Gemahl zu einem Testament beredet, welches den Kurstaat zerstückelt haben würde, ist als nichtig nachgewiesen. Sie ließ es ruhig geschehen, daß Friedrich III. das durchaus zweckmäßige Testament umstieß. Sie starb, ein Jahr nach ihrem Gemahl, 6. Aug. 1689 in Karlsbad.

5) D. Anna Charlotte, Gemahlin des Herzogs Peter Biron von Kurland, s. Biron 2), S. 974.

Dorow, Wilhelm, deutscher Schriftsteller, geb. 22. März 1790 zu Königsberg, widmete sich zuerst dem Baufach, trat 1806 in ein kaufmännisches Geschäft ein, nebenbei mathematische Studien treibend, fand 1812 eine Anstellung bei der preußischen Gesandtschaft in Paris, trat im Februar 1813 als freiwilliger Jäger in das Heer und wohnte, dem Hauptquartier Wintzingerodes zugewiesen, allen Schlachten des Feldzugs bei. Während des Waffenstillstandes ward er vom Staatskanzler v. Hardenberg mehrfach mit diplomatischen Missionen betraut und nach der Einnahme von Paris bei der Zentralverwaltung der Lazarette in Frankfurt a. M. angestellt; 1816 ging er als Gesandtschaftssekretär nach Dresden und 1817 in gleicher Eigenschaft nach Kopenhagen. Doch verließ er 1818 den diplomatischen Dienst, widmete sich archäologischen Studien und erwarb sich den Doktortitel. 1820 wurde er Direktor der Verwaltung für Altertumskunde in den rheinisch-westfälischen Provinzen und gründete in Bonn das Museum für vaterländische Altertümer, erhielt aber schon 1822 als Hofrat eine Anstellung im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Nach Hardenbergs Tod 1824 in Ruhestand versetzt, machte er, von der Regierung unterstützt, 1827 eine Reise nach Italien, wo er bedeutende Ausgrabungen und Entdeckungen im alten Etrurien veranlaßte und die im Berliner Museum aufgestellte Sammlung etrurischer Altertümer erwarb. Später lebte er in Halle und starb hier 16. Dez. 1846. Von seinen meist mit Abbildungen versehenen Schriften sind zu erwähnen: "Opferstätten und Grabhügel der Germanen und Römer am Rhein" (Wiesb. 1819-1821, 2 Bde.); "Morgenländische Altertümer" (das. 1819-21, 2 Hefte); "Denkmäler nordischer Sprache und Kunst" (Bonn 1823-24, 2 Bde.); "Denkmale germanischer und römischer Zeit in den rheinisch-westfälischen Provinzen" (Stuttg. 1823-27, 2 Bde.); "Voyage archéologique dans l'ancienne Étrurie" (Par. 1829). Außerdem gab er heraus: Palins "Collection d'antiquités égyptiennes" (mit Klaproth, Par. 1829); "Spinozas Randglossen zu seinem Tractatus theologico-politicus etc." (Berl. 1835); "Denkschriften und Briefe" (das. 1836-41, 5 Bde.); "Reminiszenzen von Goethes Mutter etc." (das. 1842); "Erlebtes aus den Jahren 1790-1827" (1843-45, 4 Bde); "Briefe berühmter Staatsmänner" (das. 1844); "Über Litteratur, Kunst und Theater" (das. 1845) u. a. Aus seiner Autographensammlung veröffentlichte er "Faksimile von Handschriften" (Berl. 1836-38, 4 Bde.).

Dorozsma (spr. -oschma), Markt im ungar. Komitat Csongrád, an der Budapest-Szegediner Bahn, mit (1881) 10,652 Einw.

Dorp, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Solingen, an der Wupper, 3 km südöstlich von Solingen, besteht aus 85 auf einem Flächenraum von 1929 Hektar zerstreut liegenden Ortschaften (darunter Krahenhöhe). D. hat eine kath. Kirche (die Evangelischen gehören zu Solingen), eine Gas- und Wasserleitung und (1880) 11,999 Einw. (darunter 9965 Evangelische und 1838 Katholiken), deren einzige Beschäftigung (außer einer Papierfabrik) die Eisen- und Stahlwarenfabrikation ist, die Kleineisenwaren, Scheren, Schwerter, Messer, Gabeln, Stiefeleisen etc. liefert.

Dorpat (Dörpt, esthn. Tartulin, lett. Tehrpat, in den russischen Chroniken Jurjew, in den deutschen Quellen Darpt, Derpt, lat. Tarbatum genannt), Kreisstadt im russ. Gouvernement Livland, liegt am schiffbaren Embach, über welchen eine Brücke aus Granit führt, und ist neben Riga die ansehnlichste und bestgebaute Stadt der Provinz. Von der Station Taps der Baltischen Eisenbahn führt eine Zweigbahn nach D. Freundliche Hügel umgeben die Stadt; am rechten Ufer des Flusses erhebt sich der Domberg, welcher früher die Citadelle der Stadt, die Domkirche, den Palast des Bischofs etc. trug, von denen jetzt nur noch Ruinen vorhanden sind. Jetzt befinden sich darauf die Bibliothek, die Sternwarte, eine Reihe medizinischer Institute und große, freie Plätze, die zu Gartenanlagen und Promenaden benutzt sind. D. besitzt mehrere evangelische und 2 russische Kirchen. In der Nähe des Dombergs liegen die wichtigsten Gebäude der Stadt, die Universität und das Rathaus, ferner der Marktplatz und der Kaufhof. - Ihm gegenüber, inmitten neuer Gartenanlagen, steht das