Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dosse; Dossenbach; Dossennus; Dossierung; Dosso Dossi; Dost Mohammed Chan; Doste; Dostojewskij

89

Dosse - Dostojewskij.

und eine Sammlung von Wendungen der alltäglichen Konversation, von D. selbst mit seiner Arbeit verbunden sind, ist zweifelhaft. Eine Separatausgabe dieser Übungsstücke besorgte Böcking (Bonn 1832); das juristische Stück, das auf verschiedene Verfasser, wie Gajus, Paulus, Scävola, zurückgeführt wird, wurde von demselben auch im Anhang zu "Ulpiani fragmenta" (Leipz. 1855) und von Huschke in "Jurisprudentiae antejustinianae quae supersunt" (4. Aufl., das. 1879) herausgegeben. Vgl. Lachmann, Versuch über D. (in den "Kleinen Schriften", Bd. 2, Berl. 1877); Dirksen, Die römisch-rechtlichen Quellen des Magister D. (das. 1857); Hagen, De Dosithei magister quae feruntur glossis (Bern 1877).

Dosse, Nebenfluß der Havel in der preuß. Provinz Brandenburg, entspringt bei Massow unfern der preußisch-mecklenburgischen Grenze und mündet nach einem 120 km langen Lauf schiffbar bei Vehlgast.

Dossenbach (Ober-D.), Dorf im bad. Kreis Lörrach, mit einer evang. Kirche und 440 Einw. Hier 27. April 1848 Gefecht zwischen den Freischaren unter Bornstedt und württembergischen Truppen, worin die letztern siegten.

Dossennus, s. Atellane.

Dossierung (Doucierung, v. franz. doucis), das Klarschleifen der Spiegelgläser, Metallflächen etc.

Dosso Dossi, ital. Maler, eigentlich Giovanni di Niccolò Lutero, geb. 1479 in der Nähe von Mantua, lernte bei Lorenzo Costa in Bologna und schloß sich daher eng an den strengen Stil der ferraresischen Schule an, welchen er erst in der letzten Zeit seiner Thätigkeit zu größerer Freiheit entwickelte, vermutlich unter dem Einfluß der Venezianer. Er war 1512 für den Fürstenhof in Mantua, 1532 in Trient thätig und starb 1542 in Ferrara, wo er seinen Wohnsitz hatte. Seinen Beinamen D. hat er erst um 1532 angenommen und zeichnete sich deshalb auf seinen Bildern mit einem aus einem D und einem Knochen (ital. osso) bestehenden Monogramm. Er war ein Freund Ariostos und mit diesem in seiner romantischen Auffassung verwandt. Seine Hauptwerke sind: ein großes für Sant' Andrea in Ferrara gemaltes Altarbild mit der thronenden, von Engeln und Heiligen umgebenen Madonna in der dortigen Galerie, die Madonna in der Glorie im Dom, die Himmelfahrt Mariä in San Pietro und die heilige Nacht in der Galerie zu Modena sowie die vier Kirchenväter in der Dresdener Galerie, alle gleich hervorragend durch Größe und Energie der Charakteristik, durch Tiefe der Empfindung und durch leuchtende, reiche Färbung, die zusammen eine feierliche Stimmung hervorrufen, zu welcher die Landschaft bedeutend mitwirkt. Für seine Neigung zur Romantik charakteristisch ist die Zauberin Circe in einer Waldlandschaft (Galerie Borghese in Rom). In seiner spätern Zeit wurde er flüchtig und manieriert, wofür die allegorischen und mythologischen Wandgemälde im Schloß zu Ferrara Zeugnis ablegen. - Sein Bruder Giovanni Battista (gest. 1546) soll die Landschaften auf seinen Bildern gemalt haben.

Doste (Dostendiptam), s. Origanum.

Dost Mohammed Chan, Beherrscher von Kabul, geboren um 1798, Sohn Feth Alis, des Ministers Timur Schahs von Afghanistan. Als nach dem Tode dieses Fürsten dessen Söhne sich um den Thron stritten, riß Dost Mohammed Chans ältester Bruder, Assim Chan, die Herrschaft an sich und hinterließ sie bei seinem Tod seinen drei jüngern Brüdern. D. bekam 1826 Kabul und nahm 1835 den Titel König (Padischah) an. Als ein Freund Rußlands und Gegner der Engländer bedrohte er im Verein mit Persien fortwährend das indobritische Reich. Daher ward er 1839 von den Engländern bekriegt und geschlagen und mußte nach Persien fliehen. In sein Land zurückgekehrt, erlitt er 1840 von den Engländern nochmals eine Niederlage und mußte sich ihnen ergeben. 1842 wieder in seine Heimat entlassen, ergriff er mit Energie die Regierung von Afghanistan, nannte sich Emir, trat mit den Sikh in Verbindung und führte ihnen eine Hilfsschar gegen die Engländer zu. Auch jetzt behielten die Engländer die Oberhand, und D. verlor einige Gebietsteile an dieselben. Gleichwohl gab er seine den Engländern feindliche Politik noch nicht auf, suchte sich vielmehr durch Bündnisse zu stärken, Herat an sich zu bringen und seinen Einfluß in Persien und Bochara geltend zu machen. Hierdurch ward er aber Rußlands Rival. Durch eignes Interesse zu den Engländern hingezogen, schloß er 1855 mit diesen einen Vertrag ab; doch lehnte er das Ansinnen der Engländer, eine stehende Gesandtschaft an seinem Hof zu errichten, ab. Im J. 1862 geriet D. in Streit mit seinem Neffen, dem Gouverneur Achmed von Herat, welcher längere Zeit fortdauerte und zuletzt 1863 zur Eroberung Herats durch D., der von den Engländern unterstützt ward, führte. D. starb aber schon zwölf Tage nach dem Fall Herats, 9. Juni 1863, worauf ein erbitterter Streit um die Thronfolge zwischen seinen Söhnen ausbrach.

Dostojewskij, Feodor Michailowitsch, hervorragender russ. Romanschriftsteller, geb. 11. Nov. (30. Okt.) 1821 zu Moskau, ward in der kaiserlichen Ingenieurschule zu Petersburg erzogen und erhielt dann als Offizier eine Anstellung im Ingenieurdepartement, nahm aber schon nach wenigen Jahren (1844) seinen Abschied, um ganz seinen litterarischen Neigungen zu folgen. Das erste Werk, durch welches er die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, war der Roman "Die armen Leute" (1846), der von seinem Talent, das in einer bemerkenswerten Begabung für die Darstellung geheimster Seelenregungen gipfelte, bereits Zeugnis ablegte. Kleinere Novellen und Erzählungen, wie: "Weiße Nächte", "Der Doppelgänger" etc., folgten nach. Um diese Zeit wurde seine litterarische Thätigkeit gewaltsam unterbrochen: in den Prozeß des Kommunisten Petroschewskij ^[richtig: Petraschewskij] verwickelt, ward D. zu zwölfjähriger Sträflingsarbeit in den Bergwerken Sibiriens verurteilt und im Dezember 1849 dahin abgeführt. Die Thronbesteigung Alexanders II. brachte D. zunächst Befreiung von den Zwangsarbeiten, bald auch (1859) die Erlaubnis zur Rückkehr nach St. Petersburg. Hier schrieb D. die "Memoiren aus einem Totenhaus" (Petersb. 1860; deutsch, Leipz. 1864), eins seiner eigentümlichsten Werke, in welchem er seine Erlebnisse in Sibirien mitteilte und besonders durch die meisterhafte und ergreifende Schilderung der dort büßenden Verbrecher das Interesse in hohem Grad fesselte. Sodann erschienen: "Die Erniedrigten und Beleidigten", Bilder aus dem Leben des städtischen Proletariats (1861), und sein Hauptwerk: "Verbrechen und Strafe" (Petersb. 1868 u. öfter; deutsch von Henckel u. d. T.: "Raskolnikow", Leipz. 1882, 3 Bde.), ein großer Roman, in welchem das Werden der verbrecherischen That und die Rückwirkung derselben auf die Seele des Übelthäters mit psychologischem Tiefblick dargestellt werden. Die spätern Erzählungen des talentvollen Dichters: "Die Teufel" (1867), "Der Idiot" (1869), "Der Sprößling" (1875), stehen jenem Werk nach, da der Dichter immer mehr einem konfusen und zugleich intoleranten Mystizismus zum Opfer fiel. Derselbe gibt sich denn auch in dem letzten