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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Do, ut des; Douillette; Doullens; Doultonware; Doune; Dourabaum; Dourdan; Douro; Douville; Douzette; Dove

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Douillette - Dove.

des Widerstandes, den sein Herr seinem Lerntrieb entgegensetzte, schreiben, lesen und rechnen. 1832 kaufte ihn ein Schiffbauer in Baltimore, dem er aber 1838 entlief. Er gelangte glücklich nach New Bedford in Massachusetts, wo er Arbeit fand und den Namen D. annahm. Durch die Bekanntschaft mit William Lloyd Garrison erhielt er hilfreiche Unterstützung zur weitern Selbstausbildung, und da er bei verschiedenen Antisklavereiversammlungen in kurzer Zeit eine überraschende rednerische Kraft entwickelte, so ward er 1841 als Agent der Antisklavereigesellschaft in Massachusetts angestellt, als welcher er vier Jahre lang die Staaten von Neuengland bereiste. 1845 besuchte er England, wo er als Redner großes Aufsehen machte und seine Autobiographie "Live of an American slave", nachmals erweitert unter dem Titel: "My bondage and my freedom" (deutsch, Hamb. 1860), herausgab. Inzwischen brachten in Amerika seine Freunde die nötige Summe zu seiner gesetzlichen Freikaufung von seinem ehemaligen Herrn auf. Später gründete D. in Rochester eine Wochenschrift: "The North Star", deren Titel er bald in "Fred. Douglass's Paper" umänderte. Im Bürgerkrieg verfocht er eifrig die Sache des Nordens und war besonders für die Einreihung farbiger Soldaten in die Armee und die Sicherung ihrer Rechte thätig. Nach Proklamierung der Emanzipation berief ihn Präsident Lincoln häufig nach Washington zur Konsultation über Angelegenheiten und Interessen der Farbigen; 1871 ward er Sekretär bei der San Domingo-Kommission; 1881 ward er von Garfield zum Registrator für den Distrikt Columbia ernannt. Erschienen ist von ihm noch: "The nature, character and history of the anti-slavery movement" (Glasgow 1855). Vgl. seine Selbstbiographie "Life and times of F. D." (1881).

Douillette (franz., spr. dujett), wattierter, gesteppter Überrock; douillettieren, warm einhüllen, vom franz. douilletter, verhätscheln.

Doullens (spr. dulang), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Somme, an der Authie und der Eisenbahn von Amiens nach St.-Pol, mit mehreren alten Kirchen, einer Citadelle, die sonst für einen der wichtigsten Punkte der Picardie galt und gegenwärtig als Strafanstalt für Weiber (früher Staatsgefängnis) benutzt wird, und (1881) 3721 Einw., welche Baumwollspinnerei, Papier- und Lederfabrikation betreiben.

Doultonware, englische, zu Doulton in Lambeth fabrizierte Thonwaren, meist Gefäße aus Fayence von brauner Farbe und mit aufgepreßten und eingeschnittenen Ornamenten mit dunkelbrauner oder blauer Bemalung.

Doune (spr. duhn, "Bergfeste"), Dorf in Perthshire (Schottland), 8 km nordwestlich von Stirling, mit (1881) 996 Einw. und den Ruinen eines Schlosses.

Dourabaum, s. Inga.

Dourdan (spr. durdang), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Rambouillet, an der Orge und der Orléansbahn, mit Überresten eines von Philipp August erbauten Schlosses, einer alten Kirche, (1876) 2719 Einw. und Fabriken für Strümpfe, Maschinen und Ackerbaugerätschaften.

Douro, Fluß, s. Duero.

Do, ut des, und Do, ut facias (lat.), ich gebe, damit du (mir etwas) gebest, und ich gebe, damit du (mir etwas) verrichtest, im römischen Recht zwei sogen. Innominatkontrakte (s. Vertrag). Neuerdings ist der Grundsatz Do, ut des, zu einem politischen Prinzip gemacht worden, und Fürst Bismarck hat wiederholt von einer Do-ut-des-Politik als von einer Realpolitik gesprochen, welche auf der Basis von Leistung und Gegenleistung geführt wird.

Douville (spr. duwil), Jean Baptiste, franz. Abenteurer, welcher, um 1794 im westlichen Frankreich geboren, schon früh Asien und Amerika bereiste und dann angeblich von São Felipe in Benguela in das Innere Afrikas in östlicher und nördlicher Richtung vordrang, worüber er einen Bericht an die Geographische Gesellschaft zu Paris erstattete, die ihn zu ihrem Sekretär ernannte und ihn mit einer Preismedaille belohnte, während die Geographische Gesellschaft zu London ihn zum Ehrenmitglied erwählte. Er beschrieb diese Reise in "Voyage au Congo et dans l'intérieur de l'Afrique équinoxiale, fait dans les années 1828, 1829 et 1830" (Par. 1832, 3 Bde., u. öfter); doch wies Desborough sogleich nach, daß D. in jenen Jahren als Sprachlehrer in England gelebt habe. Bald darauf ließ sich D. in Brasilien als Arzt nieder, wurde aber schon 1835 ermordet.

Douzette (spr. duhsätt), Louis, Maler, geb. 1834 zu Tribsees in Pommern, kam 1856 als Stubenmaler nach Berlin und war als solcher noch fünf Jahre lang thätig. Nebenbei begann er Früchte, Blumen, kleine Landschaften und Kopien nach Ruisdael zu malen, worin er so viel Talent entwickelte, daß ihn der Landschaftsmaler Eschke 1864 in sein Atelier nahm. In demselben Jahr machte er eine Studienreise an die Küste der Ostsee und nach Rügen sowie 1865 nach Schweden. So entstanden nach seiner Rückkehr in Berlin während der nächsten Jahre eine Reihe von Landschaften aus Skandinavien, darunter viele Winter- und Mondscheinbilder, die durch ihre treffliche Stimmung und feine Abtönung großen Beifall fanden und zu seiner Spezialität wurden. Solche sind z. B. ein Müllergehöft im Mondschein, die Mitternachtsonne bei Torneå, eine Mondnacht im Winter, eine Dorfschmiede im Winter, Landschaft bei Söderhamn, die schwedische Küste im Mondschein. Später wandte er sich wieder seinen heimatlichen Gegenden, insbesondere der Mark, zu und schuf zahlreiche Landschaften, welche aber an Kraft der Stimmung seine poetischen Mondscheinlandschaften nicht erreichen.

Dove, 1) Heinrich Wilhelm, Physiker, geb. 6. Okt. 1803 zu Liegnitz, besuchte die dortige Ritterakademie und studierte seit 1821 in Breslau und Berlin Mathematik und Physik. Er habilitierte sich Ostern 1826 als Privatdozent zu Königsberg, warb 1828 außerordentlicher Professor daselbst und ging 1829 nach Berlin, wo er 1845 zum ordentlichen Professor befördert wurde. Er starb 4. April 1879 in Berlin. Doves Arbeiten beziehen sich auf alle Gebiete der Physik; mit Vorliebe aber hat er die Optik und die Lehre von der Elektrizität durch geistvolle Untersuchungen und die Konstruktion wichtiger Instrumente und Apparate gefördert. Sein Hauptverdienst beruht aber in der streng wissenschaftlichen Begründung, welche er der Meteorologie gegeben hat. Das von ihm aufgestellte Drehungsgesetz der Winde galt lange als allgemeine Windtheorie und trug wesentlich zur Förderung der Meteorologie bei. D. war seit 1848 Direktor des 1846 gegründeten königlichen Meteorologischen Instituts, welches eine Abteilung des Statistischen Büreaus bildet, und von welchem über 80 Stationen repartieren. Er schrieb: "Über Maß und Messen" (2. Aufl., Berl. 1835); "Untersuchungen im Gebiet der Induktionselektrizität" (das. 1843); "Wirkungen aus der Ferne" (das. 1845); "Über Elektrizität" (das. 1848); "Darstellung der Farbenlehre" (das. 1853); "Optische Studien" (das. 1859); "Anwendung des Stereoskops, um falsches von echtem Papiergeld zu