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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Drachenbaum - Drachmann.

letztern Fall also ist die Figur ein sogen. Deltoid. Zur Anfertigung des Drachen werden zwei Holzstäbe zu einem lateinischen Kreuz verbunden, worauf man über alle vier Enden eine Schnur spannt und das Rahmenwerk mit Papier oder Leinwand überzieht. In den Schwerpunkten der beiden Dreiecke wird eine kurze Schnur befestigt und diese mit einem langen, aufgespulten Bindfaden verbunden. Wird der D. bei mäßigem Wind in die Höhe geworfen und dabei dem Wind entgegengezogen, so erhebt er sich durch den Druck des Windes und steigt, indem der Faden allmählich nachgelassen wird, leicht zu einer Höhe von mehreren Hundert Fuß. Der Grund des Steigens liegt darin, daß das lange, schwanzartige Ende, welches vom Wind fast horizontal fortgetrieben wird, den Hinterteil des Drachenkörpers etwas hebt und diesem eine schiefe Richtung gegen den Strom des Windes gibt, der angezogene Faden aber den Drachen nicht dem Wind weichen läßt, sondern ihn vielmehr gegen denselben treibt; so liegt der D. immer mit der ganzen Fläche seines Körpers gegen den Wind und muß, da der Faden ihn gegen denselben in einer und derselben Richtung zieht; notwendig steigen. Zur Vermeidung großer Schwankungen bekommt der D. am untern spitzen Ende einen sogen. Schweif, der etwa sechsmal länger als der Drachenkörper ist und aus einer Schnur mit eingeknüpften Papierstücken besteht. Im J. 1752 benutzte Franklin und nach ihm Cavallo, de Romas u. a. den mit einer Metallspitze versehenen Drachen, um an der leitend gemachten Schnur die Elektrizität der Wolken zur Erde zu leiten (elektrischer D.), wodurch große Funken gewonnen wurden, welche den Beweis erbrachten, daß der Blitz ein elektrischer Funke ist (s. Gewitter). Musschenbroek hat die Theorie der Bewegung und des Steigens des Drachen genau erörtert.

Drachenbaum, s. v. w. Dracaena.

Drachenblut (Drachenblutharz, Sanguis Draconis), dunkel blutrotes, undurchsichtiges, sprödes Harz, welches von verschiedenen Pflanzen stammt, für den europäischen Handel aber so gut wie ausschließlich von der in Hinterindien, auf den Molukken und Sumatra heimischen Palme, Calamus Draco Willd., geliefert wird. Dies ostindische D. kommt meist von der Ostküste von Sumatra, von Palembang, Zambi, doch auch von Borneo und Singapur in den Handel. Das D. schwitzt in Körnern zwischen den rückwärts gerichteten Schuppen der Calamus-Früchte aus, wird aber auch in geringerer Qualität durch Kochen der Früchte mit Wasser gewonnen. Es kommt in haselnußgroßen, in Palmblätter eingewickelten Kugeln oder in ebenfalls eingewickelten Stangen, auch in Körnern, flachen Kuchen oder unförmlichen Massen in den Handel. Das beste D. ist tiefrot, homogen, manchmal fast schwärzlich, undurchsichtig, geruchlos, schmeckt etwas süßlich, löst sich leicht in Alkohol, Alkalien, Ölen und Essigsäure, schwer in Äther, besteht bis zu 90 Proz. aus einem intensiv roten Harz, enthält auch Benzoesäure, brennt mit rußender Flamme und verbreitet dabei einen storaxartigen Geruch. Es diente früher in der Medizin, jetzt fast nur noch zu roten Firnissen, Polituren, Zahnpulvern etc. Amerikanisches oder westindisches D. quillt aus der verwundeten Rinde von Pterocarpus Draco L., in Westindien, schließt sich aber mehr den Kinosorten an. Kanarisches D. stammt von Dracaena Draco L. und soll aus dem verwundeten Stamm dieses Baums fließen. Ähnliche Produkte stammen von Dracaena Ombet Kotschy, auf Sokotora, Croton Draco Schlchtdl., in Mexiko, etc. Das schon bei Theophrast, Plinius und Dioskorides vorkommende D. stammte von Sokotora und den benachbarten arabischen und afrikanischen Ländern. Erst Kämpfer und Rumphius im 18. Jahrh. berichten über das auf Sumatra von Calamus Draco gesammelte Harz.

Drachenblutbaum, s. Dracaena und Pterocarpus.

Drachenblutpalme, s. Calamus.

Drachenfels, 1) Bergkegel des Siebengebirges in der preuß. Provinz Rheinland, 325 m hoch, erhebt sich bei Königswinter gleich einer kolossalen Wand (277 m über dem Rhein) und trägt auf seinem Gipfel die Ruinen des Schlosses D. (früher Drachenburg, 1117 erbaut), ein Wirtshaus und einen Obelisken zum Andenken an den Rheinübergang von 1814. An der Rheinseite wächst die als Drachenblut bekannte Sorte Rheinwein; auch sind daselbst Steinbrüche in Trachyt (Dombruch), aus denen in neuerer Zeit das Material zum Ausbau des Kölner Doms genommen wurde. -

2) Berggipfel der Haardt in der bayr. Rheinpfalz, südwestlich von Dürkheim, erhebt sich mitten aus schönstem Wald zu 572 m Höhe. Seinen Scheitel krönt ein kühn zerrissenes und zerklüftetes Felsengebilde, in welchem die Sage den von Siegfried erschlagenen Drachen mit seiner Brut hausen läßt.

Drachenhöhle, in Ungarn, s. Liptau.

Drachenkopf, in der Baukunst des Mittelalters und der Renaissancezeit der Kopf eines phantastischen Tiers, welcher bei Dachrinnen als Ausguß (Wasserspeier) diente; in der Botanik, s. Dracocephalum.

Drachenkopf und Drachenschwanz, die beiden Punkte der Mondbahn, in welchen diese die Ebene der Ekliptik durchschneidet; der von der Ekliptik nördlich und südlich am weitesten entfernte Teil dieser Bahn heißt Drachenbauch. Vgl. Mond.

Drachenlilie, s. Dracaena.

Drachenmonat, vgl. Monat.

Drachenorden, chines. Militärorden, gestiftet 1865 durch kaiserliches Edikt zunächst zur Belohnung europäischer Offiziere, welche China Dienste zu Land oder zur See leisten. Der Orden hat drei Klassen; die Dekoration besteht in einer goldenen, für die dritte Klasse in einer größern Silbermedaille, auf der sich zwei Drachen befinden, während die Dekoration erster Klasse ein roter Stein, die zweiter ein blauer, die dritter ein weißer Stein von großem Wert schmückt. Das Band ist gelb mit hellgrünen Rändern.

Drachenpalme, s. Dracaena.

Drachenschwanz, Pflanze, s. Calla.

Drachenschwanzkreuz, ein Kreuz, welches in Drachenschwänzen endigt.

Drachenwurz, s. Arum, Calla und Polygonum.

Drache zu Babel, s. Bel zu Babel.

Drachmann, Holger Henrik Herholdt, dän. Dichter und Novellist, geb. 9. Okt. 1846 zu Kopenhagen, besuchte 1866-70 die Kunstakademie daselbst und bildete sich unter Sörensen zum tüchtigen Marinemaler aus. Der große Erfolg, den er mit der Herausgabe seiner "Digte" (1872) hatte, bewog ihn indessen, sich ganz der Litteratur zuzuwenden, und bald war er als eins der hervorragendsten Talente unter den Vertretern der realistischen Richtung in Dänemark anerkannt. Seine zahlreichen poetischen wie prosaischen Schriften, die in rascher Folge erschienen, zeugen von einer reichen Phantasie und einer glänzenden Begabung, Bilder aus dem Leben mit dem vollen Gepräge der Wirklichkeit und doch in poetischem Lichte darzustellen. Namentlich steht er in der Schilderung des Meers nach seinen wechselnden Stimmungen unerreicht unter den dänischen Dichtern da; auch seine Bilder aus dem dänischen Volksleben (besonders der