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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Draggen; Dragoman; Dragomanow; Dragonaden; Dragoner; Dragör; Draguignan; Dragun; Dragut

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Draggen - Dragut.

besteht; auch zusammengerollte Papierstreifen mit aufgedruckten Versen (D. zum Werfen im Karneval), Gebilde aus Tragant und Zucker in Form von Herzen, Ringen, Kränzchen etc. (D. von Verdun), Likörbonbons sowie ganz kleine Zuckerkörnchen (bunter Hagel, Streuzucker). Man befeuchtet die zu überziehenden Gegenstände in einem kupfernen Kessel, der durch ein gelindes Feuer mäßig erwärmt wird, allmählich mit eingekochter Zuckerlösung, schwenkt und rührt vorsichtig und wiederholt das Anfeuchten nach dem Antrocknen so oft, bis die Gegenstände einen glatten, blanken Überzug besitzen, der beliebig gefärbt wird. Die kleinern Samen feuchtet man zuerst mit Gummilösung an und bestreut sie mit sehr wenig Stärkemehl, um das Zusammenkleben zu verhindern. Bei großem Betrieb benutzt man zum Dragieren einen doppelwandigen, durch Dampf heizbaren Kessel, der am Kopf einer schräg liegenden Welle befestigt ist und durch diese eine rotierende oder zugleich auch kegelnde Bewegung erhält, so daß der Inhalt beständig gründlich gemischt wird (Dragiermaschine). In einem solchen Kessel stellt man auch den Streuzucker dar, indem man durch Absieben von grobem Zuckerpulver erhaltene stecknadelkopfgroße Zuckerkörnchen dragiert. Setzt man bei dieser Arbeit den flüssigen Zucker löffelweise zu, so bilden sich auch ohne weitern Zusatz an Zuckerkörnchen immer von neuem Kügelchen. Den milden Glanz erhält das D. durch anhaltendes Schütteln in einem groben, innen mit Wachs bestrichenen Zwilchsack. Die aus Tragant gefertigten Spielbonbons werden an manchen Orten ebenfalls D. genannt.

Draggen, s. Anker.

Dragoman (arab.), Dolmetsch an den orientalischen Höfen, besonders bei der Pforte.

Dragomanow, Michael, russ. sozialpolitischer Schriftsteller, geb. 1841 zu Hadjatsch im Gouvernement Poltawa, studierte in Kiew und beteiligte sich lebhaft an den ukrainischen Bewegungen, welche die russische Regierung 1862 unterdrückte. Als er daher 1870 zum Professor der alten Geschichte an der Universität von Kiew erwählt wurde, verzögerte die Regierung die Bestätigung bis 1873. Hier erwarb sich D. um die Kenntnis der Ethnographie, Geschichte und Litteratur Kleinrußlands große Verdienste und gab mit Antonowitsch eine kritische Sammlung kleinrussischer Volkslieder (Kiew 1874) heraus. Als er aber das System des Unterrichtsministers Grafen Tolstoi einer scharfen Kritik unterzog, wurde er abgesetzt. 1876 begab er sich nach Genf, gab dort populäre Schriften in kleinrussischer Sprache heraus, gründete 1877 die Revue "Hromada" ("Die Gemeinde") und veröffentlichte: "Les Turcs extérieurs et intérieurs" (Genf 1876), "Le tyrannicide en Russie" (1881), "La Pologne historique et la démocratie moscovite" (1881) u. a., in denen er für eine völlige Umgestaltung der politischen wie sozialen Organisation Rußlands eintrat, wobei er den politischen Mord als notwendig verteidigte.

Dragonaden, die Bedrückungen, welche unter Ludwig XIV. seit 1681 gegen die Protestanten in Frankreich durch Dragoner ausgeübt wurden, die, in protestantischen Orten und Häusern einquartiert, ihre Wirte durch Peinigungen aller Art wieder dem Katholizismus zuführen sollten, eine Erfindung des Intendanten von Poitou, Marillac. Man nannte dies Verfahren auch la mission bottée und les conversions par logements.

Dragoner (franz., wohl von dragon, "Drache", als ihrem ehemaligen Feldzeichen), ursprünglich berittenes Fußvolk, welches sich der Pferde zum schnellern Fortkommen bediente, aber zu Fuße focht, weshalb es auch besonders geübt wurde, schnell abzusitzen, die Pferde zu koppeln und sich in Schlachtordnung aufzustellen. Zuerst bei der piemontesischen Okkupation durch Marschall Brissac 1550-60 genannt, mehrte sich ihre Verwendung Ende des 16. Jahrh. in Frankreich. Zur Zeit Gustav Adolfs von Schweden wurden sie in ihrer Rüstung und Bewaffnung erleichtert und bald überall ausschließlich als Reiter verwendet. In Frankreich erfolgte die taktische Trennung der D. vom Fußvolk 1668, während Montecuccoli 1736 noch sagte, die kaiserlichen D. seien nichts andres als Fußvolk; dagegen gab ihnen der Große Kurfürst die richtige Mittelstellung zwischen Fußvolk und schwerer Reiterei. Das vom Kaiser Nikolaus 1825 wieder für die Bestimmung als berittene Infanterie errichtete russische Dragonerkorps bewährte sich nicht und wurde nach dem orientalischen Krieg 1855 aufgelöst. 1882 wurden indes die Ulanen- und Husarenregimenter der 14 Kavalleriedivisionen in D. umgewandelt. Deutschland hat 28, Österreich 14, England 10, Frankreich 26, Rußland 48 Regimenter D. Die D. sind überall mit Kavalleriesäbel und Karabiner, in Rußland aber mit Bajonettgewehren bewaffnet. Jetzt zählt man die D. zur leichten Kavallerie. Vgl. Reiterei.

Dragör, Hafenstadt an der Ostküste der dänischen Insel Amak (s. d.), mit (1880) 1831 Einw., die meist Lotsen sind oder Seehandel treiben. D. besaß 1883: 70 Handelsschiffe von 7523 Registertons (1879: 10,273 Registertons).

Draguignan (spr. draghinjang), Hauptstadt des franz. Departements Var, am Fuß des Malmont (656 m) und an der Pis (Nartubie), in einem fruchtbaren Thal an einer Zweiglinie der Eisenbahn Marseille-Nizza gelegen, mit einer neuen gotischen Kirche und (1881) 7834 Einw., welche Gerberei, Seidenspinnerei und Seifenfabrikation betreiben. D. ist Sitz des Präfekten und eines Handelsgerichts, mit einem Collège, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, einer Bibliothek von 15,000 Bänden, Museum, ansehnlicher Münzsammlung, einem naturhistorischen Kabinett und botanischem Garten. In der Nähe ein schöner Dolmen (Pierre de la fée).

Dragun, s. v. w. Estragon, s. Artemisia.

Dragut (Torghud), türk. Seeräuber, Bei von Tripolis, in einem kleinasiatischen Dorf geboren, diente unter Chaireddin Barbarossa und machte sich im Mittelmeer so furchtbar, daß Kaiser Karl V. den Andreas Doria zu seiner Verfolgung aussendete. D. ward bei Corsica 1540 gefangen, aber nach vier Jahren gegen Lösegeld wieder freigelassen. Er bemannte nach Barbarossas Tod (1546) eine Flotte von 24 Brigantinen, bedrohte Neapel, plünderte die Küste von Kalabrien und bemächtigte sich 1550 der Stadt Elmadia in Tunis, wurde aber von Doria zur Flucht genötigt, worauf Elmadia von den Christen erobert wurde. Um die Ausrüstung der türkischen Flotte zu beschleunigen, begab sich D. nach Konstantinopel und bewirkte, daß eine türkische Flotte von 112 mit 12,000 Janitscharen bemannten Galeeren auslief. Nach der Einnahme von Tripolis erhielt D. diese Stadt und ihr Gebiet mit dem Titel Sandschak-Bei. 1552 von Sultan Soliman an die Spitze der großen türkischen Flotte gestellt, welche jener auf Grund des zwischen ihm und dem König Heinrich II. von Frankreich verabredeten geheimen Vertrags gegen Italien sandte, plünderte D. 1553 Kalabrien, machte einen glücklichen Angriff auf Elba und belagerte hierauf Boni-^[folgende Seite]