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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Drahtseiltrieb; Drahtspanner; Drahtstifte; Drahtwürmer; Drainage

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Drahtseiltrieb - Drainage.

einer einfachen cylindrischen Seiltrommel denselben Effekt erzielt, zu dessen Erreichung man bei Anwendung der Rundseile die ungleich teurern, schweren, konischen und paraboloidischen Seilkörbe braucht. Zum Schutz gegen Rost wird der Eisendraht für D. verzinnt, verzinkt, verkupfert oder das D. mit einem Anstrich versehen. Man benutzt D. bis zu 10,5 cm Stärke sehr allgemein zum Grubenbetrieb, bei der Schiffahrt als stehendes Tauwerk, bei Eisenbahnen zum Betrieb geneigter Ebenen, zu den Seilbahnen, Telegraphenkabeln, bei Hebevorrichtungen und Kränen, zum Betrieb von Schleppdampfern und Fähren, statt der Ketten bei der Kettenschiffahrt, als Tragseile bei Hängebrücken und besonders auch zur Kraftübertragung auf weite Entfernung beim Maschinenbetrieb. Diese letztere Verwendung wurde 1854 von Hirn erfunden und gewährt große Vorteile. Man benutzt dazu Seile von 6,5-19,5 mm, wobei auf je 100 m Entfernung ein Kraftverlust von etwa 1 Proz. stattfindet. Man hat mit Hilfe der D. großartige Transmissionen gebaut. In Schaffhausen werden von der durch drei Turbinen hervorgebrachten effektiven Leistung von 600 Pferdekräften 480 durch Drahtseilbetrieb übertragen. D. aus Messing- und Kupferdraht sind zu Blitzableitern empfohlen worden.

Drahtseiltrieb, s. Seiltrieb.

Drahtspanner, eine kleine Maschine in Verbindung mit dem Eisendraht des Spaliers (s. d.) im Zwergobstgarten, mittels deren dieser straff angespannt und vor Winter locker gelassen wird, um ihn den Gefahren des Temperaturwechsels zu entziehen. Es sind verschiedene Formen im Gebrauch, von denen die eine nebenstehend abgebildete (Guilleaume in Köln) eine der einfachsten und zweckmäßigsten und leicht verständlich ist.

^[Abb.: Drahtspanner.]

Drahtstifte, s. Nägel.

Drahtwürmer, s. Schnellkäfer.

Drainage (Drainierung, n. d. engl. to drain, spr. drehn, "ableiten"), die Kunst, den versumpften Boden durch unterirdische Leitungen von seiner überschüssigen Nässe zu befreien. Dieses Verfahren war zweifellos bereits im Altertum (Columella, II, 2, 9), wenn auch in äußerst primitiver Form, in Anwendung. Die landwirtschaftlichen Schriftsteller des Mittelalters erwähnen dasselbe jedoch nicht, wohingegen in England verdeckte Leitungen zur Trockenlegung des Bodens in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vielfache Anwendung fanden. Bereits 1755 veröffentlichte James Anderson eine Schrift über die D. von Sumpfland; wenige Jahre später wurden von Joseph Elkington umfassende Drainagen in der Grafschaft Warwick und später in andern Grafschaften ausgeführt. Im J. 1795 bewilligte das Parlament dem letztern eine Nationalbelohnung von 1000 Pfd. Sterl. für seine Verdienste um die Ausbildung der D. Die unterirdischen Kanäle wurden, um angemessene Hohlräume zu schaffen, mit Steinen oder Reisig ausgefüllt und hierauf mit der Erde bedeckt. Späterhin benutzte man Steinplatten, Mauersteine oder die bekannten englischen Dachziegel zur Bildung des Hohlraums, Methoden, welche vereinzelt noch heutigestags Anwendung finden, namentlich in dem Fall, daß das jetzt übliche Röhrenmaterial schwer zu beschaffen ist. Epochemachend für die Verbreitung der D. war die Erfindung der Drainröhrenpresse (s. Mauersteine) durch Williams und Whitehead, mittels welcher cylindrische Thonröhren zu sehr niedrigen Preisen hergestellt werden konnten. Die Ausbildung der Presse datiert aus den Jahren 1845-48, und es fand von dieser Zeit an die D. die weiteste Anwendung und zwar zunächst in England, dessen schwerer Thonboden fast durchgängig der Trockenlegung bedürftig war. Die Regierung förderte überdies die D. durch Gewährung von Subventionen und Darlehen in ausgiebigster Weise. In den Jahren 1846-50 wurden in England und Schottland 4 Mill. Pfd. Sterl. einzelnen Grundbesitzern zu Bodenmeliorationen bewilligt, in Irland zu dem nämlichen Zweck 2 Mill. Pfd. Sterl. In neuerer Zeit findet in England keine Gewährung von Staatsdarlehen mehr statt, wogegen man derzeit den Zweck durch Privatdarlehen zu erreichen sucht. Auch in andern Ländern, namentlich in Frankreich und Belgien, in beschränktem Maß in Deutschland und Österreich, wurde die Einführung der D. durch Staatsbeihilfe und Vorschüsse befördert. Auch die bereits bestehenden, im Interesse der Landeskultur errichteten Rentenbanken haben sehr viel zur Beförderung der D. beigetragen und die erfolgreiche Ausführung derselben da möglich gemacht, wo andernfalls infolge des hohen Zinsfußes für Darlehen der Nutzen der Melioration nur ein sehr zweifelhafter gewesen wäre.

Zu einem Drainsystem gehören zweierlei Gruppen von Röhren, Saug- oder Nebendrains und Sammel- oder Hauptdrains. Die Aufgabe der erstern besteht darin, dem Boden das Wasser unmittelbar zu entziehen, während der Sammeldrain das Wasser einer größern Anzahl von Saugdrains aufnimmt und in den Vorflutgraben leitet. Die Saugdrains liegen im stärksten Gefälle des Terrains, demnach in ebenen Lagen parallel zu einander. Auch in koupiertem Terrain sucht man die parallele Lage soviel wie möglich aufrecht zu erhalten, zu welchem Zweck oft eine größere Anzahl von Systemen gebildet werden muß. Die Formation der Bodenoberfläche und die Lage des Vorflutrezipienten bilden alsdann die Grundlage für die Kombination der einzelnen Systeme. Würde man, wie dies bei ältern Drainagen zuweilen geschah, die Saugdrains unmittelbar in den Vorflutgraben ausmünden lassen, so erhielte man eine entsprechend große Anzahl von Ausmündungen, welche infolge ihrer exponierten Lage leicht zu Verstopfungen und anderweitigen Schäden Veranlassung geben könnten. Es ist demnach Grundsatz, die Zahl der offenen Ausmündungen soviel wie möglich zu reduzieren, und dies erfolgt durch Einfügung der Sammeldrains. Die Vereinigung einer Anzahl von Saugdrains in den Sammeldrains gewährt im übrigen den Vorteil, daß selbst ein stark koupiertes Terrain mittels D. entwässert werden kann, ohne die Stränge in zu verschiedener Tiefe und divergierender Lage anordnen zu müssen. Außer den Saug- und Sammeldrains wendet man zuweilen noch sogen. Kopfdrains an, welche am obern Rande des zu drapierenden Grundstücks annähernd in der Richtung der Schichtenlinien gelegt werden, um das an höhern Lagen herabfließende Grundwasser abzufangen. Die Saugdrains erhalten einen lichten Durchmesser von 26-50 mm; zweckmäßig erscheint es, die Rohre von geringster Weite nicht zu klein zu bemessen, um Verstopfungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Länge der einzelnen Rohrstücke beträgt gewöhnlich 0,3 m; nur die größern Sammeldrains erhalten bisweilen eine Länge von 0,5 m. Die Rohre werden in der angemessenen Tiefe