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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Drambottle - Dranse.

trächtliche Schwierigkeit. Lessing war der erste, welcher für das, was die Griechen Didaskalia (s. d.) genannt haben würden, die Bezeichnung D. gebrauchte, obschon die "Hamburger D." keineswegs die erste dramaturgische Schrift war. Als die älteste darf die "Poetik" des Aristoteles bezeichnet werden, die sich jedoch auf die Tragödie beschränkt. Die Dunkelheit und Mehrdeutigkeit einzelner Stellen derselben hat viel zu der Verwirrung beigetragen, der wir auf dem Gebiet des Dramas im Lauf seiner historischen Entwickelung begegnen. Lessing hat sich um die Aufklärung einiger der am meisten mißverstandenen Punkte große Verdienste erworben, ohne sie doch überall endgültig entschieden zu haben. Von den römischen Schriftstellern hat unter andern Horaz in seinem meist als "Ars poetica" bezeichneten zweiten Brief an die Pisonen auch Ansichten über das Drama niedergelegt. Unter den Spaniern verdienen besonders Lope de Vega ("Neue Kunst, in jetziger Zeit Komödie zu schaffen"), Tirso de Molina, Cristoval Juarez de Figueroa, Ignacio de Luzan und Blas Nasarre als Theoretiker des Dramas angeführt zu werden. In Frankreich legte der ältere Corneille den Grund zu der Lehre von den drei Einheiten, die von Boileau in seiner "Art poétique" zum Gesetz erhoben wurde und für die Entwickelung des französischen Dramas, besonders der Tragödie, verhängnisvoll war. D'Aubignac ("Pratique du théâtre") trieb die akademischen Regeln auf die Spitze, indem er sogar die Zahl der Verse des Dramas festsetzen wollte. Molière und später Diderot reagierten gegen diese und ähnliche Satzungen zu gunsten der Natur und der künstlerischen Freiheit. Von den Italienern mag hier nur Riccoboni ("L'art du théâtre") genannt werden. In Deutschland trat Gottsched für die französischen Regeln, Lessing für eine natürliche Auffassung des Aristoteles, für Shakespeare, doch leider auch zu sehr für Diderot ein. Seine "Hamburger D." (mit Kommentar hrsg. von Schröter und Thiele, Halle 1877-1878) war epochemachend und grundlegend für alles, was nach ihm hier über das Drama geschrieben wurde. Tiecks dramaturgische Schriften, A. W. Schlegels "Vorlesungen über dramatische Kunst" treten neben Lessing glänzend aus der Menge der hierher gehörigen Schriften hervor. Daneben verdienen auch Engels "Mimik", Goethes "Regeln für Schauspieler", Ifflands "Fragment über Menschendarstellung" u. a. genannt zu werden. Von neuern Werken vgl. Rötscher, Kunst der dramatischen Darstellung (2. Aufl., Leipz. 1864); die Sammlungen dramaturgischer Aufsätze von Lindau, Bulthaupt, Wedde u. a.; ferner G. Freytag, Technik des Dramas (4. Aufl., das. 1881); R. Prölß, Katechismus der D. (das. 1877). S. auch Schauspielkunst.

Drambottle (engl., spr. drämmbottl; von dram, "Schluck"), Feldflasche mit Lederüberzug und Becher.

Dramburg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, an der Drage und der Eisenbahnlinie Ruhnow-Konitz, 97 m ü. M., ist Sitz eines Amtsgerichts und hat eine evang. Pfarrkirche, ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar, Tuch- und Blechspielwarenfabrikation, Eisengießerei, Ackerbau und Viehzucht und (1880) 6049 meist evang. Einwohner.

Dramm, s. v. w. Dirhem.

Dramma per musica, die gewöhnliche ital. Bezeichnung für Oper (s. d.).

Drammen, Hafenstadt an der Südküste von Norwegen, im Amt Buskerud, an der Mündung der Dramselv in den Dramsfjord, mit Christiania durch Eisenbahn verbunden, wie auch eine andre Bahn längs der Dramselv nach Hönefos (mit Abzweigung nach Kongsberg) und weiter nach dem großen See Randsfjord führt. Die Stadt besteht aus zwei Hauptteilen, Bragernäs im N. des Flusses und Strömsö im S. desselben, welche durch drei Brücken (eine davon 314 m lang) miteinander verbunden sind, wozu als dritter Stadtteil noch Tangen sowie mehrere im Amt Jarlsberg gelegene Vorstädte kommen. Die Stadt hat 1866 und 1870 durch Feuersbrünste viel gelitten, ist aber schöner als zuvor aus der Asche emporgestiegen und seit 1859 durch die Hinzulegung ländlicher Distrikte mit 3078 Einw. bedeutend erweitert worden. Ihre Gesamteinwohnerzahl betrug 1876: 18,851. Eine Wasserleitung aus zwei Reservoirs versieht die Stadt reichlich mit Wasser, ein Gaswerk besorgt die Erleuchtung. D. besitzt eine Gelehrtenschule, mehrere Realschulen, eine Navigationsschule, ein Theater, eine Börse und 3 Bankinstitute. Unter den industriellen Anlagen sind bedeutende Sägewerke, ferner Zichorien- und Holzmassefabriken zu nennen. Die wichtigsten Nahrungszweige aber sind Schiffahrt und Handel. Die Stadt besaß 1881: 243 Segelschiffe von 83,385 Ton. und 5 Dampfschiffe von 868 T. Tragfähigkeit. Es kamen vom Ausland an: 531 Segelschiffe von 94,723 T. und 8 Dampfschiffe von 2464 T.; es gingen ab: 701 Segelschiffe von 136,061 T. und 29 Dampfschiffe von 9414 T. Der Wert der Einfuhr betrug 4,039,500 Kronen und der Wert der Ausfuhr (vorzugsweise Holzwaren) 7,401,800 Kr. D. ist Sitz eines deutschen Konsuls. - Die Dramselv führt diesen Namen zwar nur in ihrem untersten Laufe, von ihrem Ausfluß aus dem See Tyrifjord an (40 km); aber ihre drei Quellflußsysteme (das Land- und Hadelandsche, das Valdersche und das Hallingdalsche) mit ihren zahlreichen Verzweigungen, die alle zum Holzflößen benutzt werden, umfassen ein Flußgebiet von 16,900 qkm (307 QM.), nächst dem des Glommen das größte in Norwegen. - Dramsfjord heißt der von bewaldeten Ufern umgebene nordwestliche, 22 km lange Arm des Christianiafjords, in welchen sich die Dramselv ergießt. In demselben ist bei Svelvik, 9 km von der Mündung, eine enge, nur 290 m breite Stelle, die der Schiffahrt große Schwierigkeiten darbietet wegen der starken darin herrschenden Strömung, die zwar durch Sprengung der Felsen im Fjord etwas gemäßigt, aber doch nicht ganz beseitigt worden ist. Übrigens bietet der Fjord viele vortreffliche Ankerplätze dar.

Dramolett (franz. dramolet), ein kurzes Drama.

Dramselv, Dramsfjord, s. Drammen.

Dramura, s. v. w. Dirhem.

Drangiane ("Land des Sees"), altpers. Provinz, dem jetzigen Afghanistan entsprechend. Die Bewohner hießen Zaranga oder Drangiani. Herodot schildert uns ihre Ausrüstung als ganz dem Land und seinem Sumpfcharakter entsprechend: hohe Wasserstiefel und 6-10 m lange Rohrlanzen. Um 130 v. Chr. wurde D. von den Saken erobert und hieß nun Sakastane (daher das heutige Seïstan).

Dranmor, Pseudonym des Dichters Ferdinand v. Schmid (s. d.).

Drann, rechter Nebenfluß der Drau in Steiermark, entspringt auf der Südseite des Bachergebirges und mündet nach 120 km langem Lauf bei St. Veit in den Hauptfluß.

Dranse (spr. drangs), 1) (D. de Savoie) Fluß im franz. Departement Obersavoyen, entspringt am Col de Coux, fließt in nordwestlicher Richtung und mündet zwischen Thonon und Evian in mehreren Armen in den Genfer See, in welchen er einen gewal-^[folgende Seite]