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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dreißigtage - Drenthe.

1848-52, 3 Bde.); Heilmann, Über das Kriegswesen im Dreißigjährigen Krieg (Meiß. 1850); Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, Bd. 3.

Dreißigtage, s. Frauendreißigst.

Dreißig Tyrannen, die nach der Eroberung von Athen durch die Spartaner 404 v. Chr. eingesetzte oligarchische Regierung von 30 Männern (s. Athen, S. 1004); dann die römischen Heerführer, welche sich unter Kaiser Gallienus um 260 n. Chr. als Gegenkaiser erhoben, deren es jedoch nur 18 an der Zahl waren (s. Gallienus).

Dreiviertelspänner, s. Bauer, S. 462.

Dreiviertelstab (fälschlich auch Adlerschnabel genannt), in der Architektur ein mehr als halbkreisförmiger Rundstab, der am untern Teil meist stark unterschnitten ist (s. Figur).

^[Abb.: Dreiviertelstab.]

Dreizack, Symbol des Poseidon als des Herrschers über das Meer, ein Stab mit drei Zinken, sei es nun Übertragung vom dreigezackten Blitz des Himmelsgottes oder Rest der ältern Vorstellung, daß der älteste der drei Brüder über die Dreiwelt herrschte.

Dreizackpflanzen, s. Junkagineen.

Dreizehnnächte, s. v. w. Zwölf Nächte (s. d.).

Drell (Drill, Drilch, Zwillich, Zwilch), geköperte oder gemusterte Gewebe, teils mit einfachen oder komplizierten geradlinigen, teils auch in Nachahmung des Damastes mit freiern Zeichnungen, wie sie auf dem Jacquardstuhl herzustellen sind. Drilch hat einen glatten, fortlaufenden, vierschäftigen Köper ohne Musterung; Zwilch ist dagegen gemustert. Ursprünglich wob man diese Gewebe nur aus Leinen, auch wohl aus Hanf; jetzt werden auch sehr viel halbleinene und baumwollene gefertigt. Sie sind entweder einfarbig roh oder gebleicht, oder durch gefärbtes Garn gestreift, quadrilliert, meliert etc. Man unterscheidet Bettzwilch, entweder ganz Leinen mit gestreiften Mustern oder rot-, blaustreifig mit baumwollenem Schuß. Ganz baumwollene Gewebe dieser Art heißen gewöhnlich Bettdrell, Tischzeug-, Handtuchdrell, mit kleinen oder größern rechtwinkeligen Mustern, auch mit damastähnlichen Figuren; Hosendrell, aus Leinen und Baumwolle gemischt, mannigfaltig gemustert. Die Hauptsitze der Fabrikation derartiger Waren sind die sächsische Oberlausitz, das nördliche Böhmen und Nordfrankreich.

Drem (auch Dirhem, Dramm, v. griech. Drachme), türk. Handels-, Gold- und Silbergewicht; s. Drachme.

Drempel (Pfortdrempel), die vier Plankenstücke, welche die Umrahmung einer Geschützpforte auf Kriegsschiffen bilden, und von denen die beiden senkrechten D. den Wangen (Backen) einer Geschützscharte der Landfortifikation entsprechen.

Drengfurt, Stadt in der preuß. Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Rastenburg, an der Omet (einem Nebenfluß der Alle), 20 km vom Bahnhof Rastenburg, ist Sitz einer Provinzial-Invalidenkompanie und hat eine Lehrerpräparandenanstalt und (1880) 1842 evang. Einwohner.

Drenteln, Alexander Romanowitsch, russ. Staatsmann, geb. 1820 zu Kiew, trat 1838 in die Armee, ward schon 1850 Oberst, 1859 Generalmajor, 1865 Generalleutnant und 1867 Generaladjutant und Gehilfe des Präsidenten des Komitees zur Reorganisation der Truppen. Nach längerm Aufenthalt in Berlin, wo er der Botschaft als Militärattache beigegeben war, ward er 1872 zum Kommandanten des Kiewer Militärbezirks und beim Ausbruch des russisch-türkischen Kriegs 1877 zum Kommandanten aller Truppen im Rücken der aktiven Armee ernannt. Er hatte als solcher den Oberbefehl über die in Rumänien sich sammelnde russische Reservearmee und die Oberaufsicht über alle Militärverbindungen der Operationsarmee mit dem Sitz in Bukarest. Im September 1878 wurde er nach Rußland zurückberufen, um an Stelle des ermordeten Generals Mesenzew die Direktion der sogen. "dritten Abteilung" in der Geheimen Kanzlei des Kaisers, d. h. die Leitung der hohen Polizei des russischen Reichs, zu übernehmen, und zugleich zum Chef der Gendarmerie ernannt (6. Okt. 1878). Auch auf ihn wurde 25. März 1879, als er in einem geschlossenen Wagen durch die Stadt fuhr, von einem Nihilisten, Mirski, ein Attentat versucht; doch blieb D. unverletzt. Der Mörder wurde erst im Juli d. J. in Taganrog ergriffen. Im Mai 1880 erhielt D., inzwischen zum Mitglied des Reichsrats ernannt, den Posten eines Generalgouverneurs von Odessa; Anfang 1881 wurde er zum Generalgouverneur von Kiew ernannt.

Drenthe (Drente), die am wenigsten bevölkerte Provinz des Königreichs der Niederlande, grenzt im N. und NO. an die Provinz Groningen, im O. an Preußen (Provinz Hannover), im S. und SW. an die Provinz Overyssel und im W. an Friesland und hat einen Flächenraum von 2663 qkm (48,4 QM.) mit (1885) 124,160 Einw. Das Land ist völlig eben und wird von der Hunse, Reest, Havelter, Ruiner, Westwolder, Mussel- und Drenther Aa, dem Horen-, Meppeler und Schonebecker Diep nebst mehreren kleinen Landseen (Südlaarder See, Bergen- oder Emmensee) bewässert. In den letzten Jahrzehnten sind verschiedene Kanäle gegraben worden, so namentlich der Smilder, Wilhelms-, Oranien-, Hoogeveenster, Beiler und Norger Kanal. Das Klima ist trocken und gesund. Der Boden war früher bloß an einzelnen Stellen fruchtbar und bestand aus weit ausgedehnten Mooren, Torfgründen und Sümpfen, unter denen die Echter Veenen gegen Overyssel, die Smilder Veenen gegen Friesland zu und das große Witte Veen im SO. die bedeutendsten waren. Jedoch sind in den größten östlichen Torfmooren viele Kolonien entstanden, z. B. Hollandsche Veld, Nieuw-Amsterdam, Nieuw-Dordrecht etc. Die Kultur des Bodens ebenso wie die Viehzucht stehen hier immer noch niedriger als in andern Teilen des Königreichs der Niederlande. 54,8 Proz. des Areals sind unproduktiver Boden, 24,6 Proz. sind Weide, nur 12,9 Proz. Ackerland. Der Jagd bieten sich Rebhühner, Waldhühner und Hasen in Menge dar. Die endlosen Heidestrecken ernähren zahlreiche Schafherden und haben eine bedeutende Bienenzucht in der Provinz wie in Groningen hervorgerufen. Man pflegt die Heiden, um sie nutzbar zu machen, in Brand zu stecken, damit Kohle und Asche den Boden düngen, und besäet sie dann mit Buchweizen, welcher im Herbst reichen Ertrag gibt. Die hohen Sumpfstrecken liefern außerordentlich viel Torf, und nirgends sind die sogen. Hünengräber oder Hünenbetten (aufgerichtete Steinblöcke aus der Keltenzeit) häufiger als hier (über 50). Sie finden sich besonders zu Borger, Rolde, Emmen und Tinarlo (hier das einzige unverletzte). Außerdem hat die Provinz noch verschiedene Altertümer aus der Römerzeit aufzuweisen. Die Industrie beschränkt sich auf Verfertigung von groben Wollzeugen und Hausleinwand. Die Provinz wird von der Eisenbahn Meppel-Groningen durchschnitten; von der Linie Meppel-Leeuwarden gehört ihr eine kurze Strecke an. Hauptort ist Meppel, Sitz der Behörden Assen. - Im Mittelalter (10. Jahrh.) gehörte D. als Grafschaft zum