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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dresden

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Dresden (Altstadt).

seines Sohns Manfred in einer Breite von 84 m und einer Länge von 77 m erbaut, ward 2. Febr. 1878 eröffnet und übertrifft das frühere an Großartigkeit.

An der Südseite des Theaterplatzes befindet sich der sogen. Zwinger, 1711-22 nach dem Entwurf von Pöppelmann (s. d.) erbaut und ursprünglich zum Vorhof eines Schlosses bestimmt, das August II. zu bauen beabsichtigte, jedoch wegen Geldmangels unausgeführt ließ. Er bildet ein längliches Viereck, ca. 150 m lang, 90 m breit. Eine lange Galerie mit sechs Pavillons und drei Portalen umschließt auf drei Seiten diesen weiten Raum, in dessen Mitte seit 1843 die Bronzestatue Friedrich Augusts (von Rietschel) aufgestellt ist. Das östliche große Portal mit der daranstoßenden Galerie ward bei dem Dresdener Aufstand 6. Mai 1849 durch eine Feuersbrunst zerstört, jedoch in der alten Weise wiederhergestellt (vgl. Hettner, Der Zwinger in D., Leipz. 1874). Im Zwinger befindet sich die Sammlung der Gipsabgüsse, das sogen. Mengssche Museum, eine reichhaltige Sammlung, welche eine vollständige Geschichte der plastischen Kunst darstellt. Den Stamm derselben bilden die Abgüsse, welche Raphael Mengs um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von allen bedeutenden Antiken in Rom und andern Städten Italiens machen ließ. Später wurde dieselbe noch vervollständigt, so 1839 durch Abgüsse der in London befindlichen Bildwerke vom Parthenon in Athen, neuerdings durch die Abgüsse der in Olympia ausgegrabenen Bildwerke. Im Zwinger sind ferner das zoologische und anthropologisch-ethnographische Museum, das mineralogisch-geologische Museum und der physikalisch-mathematische Salon untergebracht. An der nördlichen, dem Theaterplatz zugewendeten Seite des Zwingers, wo das projektierte Schloß zu stehen kommen sollte, erhebt sich jetzt der Prachtbau des Neuen Museums, 1854 nach Sempers Entwürfen vollendet. Das Hauptportal dieses Gebäudes ist nach der Hofseite in der Art eines römischen Triumphbogens gehalten und mit zahlreichen Bildwerken geziert. Links und rechts stehen in Nischen die kolossalen Statuen Raffaels (s. Tafel "Bildhauerkunst VII", Fig. 5) und Michelangelos (von Hähnel); weiter auf den Postamenten der vier untern korinthischen Säulen links der heil. Georg und Judith, rechts Siegfried und Simson. Die Attika ist mit freistehenden Standbildern (Giotto und Holbein, Dürer und Cornelius, von Hähnel und Rietschel) und mit zahlreichen Reliefs geschmückt. Die Gemäldegalerie, welche das Innere des Museums, und zwar das erste und zweite Stockwerk desselben ganz, ausfüllt, enthält an 2400 Bilder, darunter Meisterwerke, wie die Sixtinische Madonna von Raffael, der Goldschmied Morett von Holbein (die berühmte Madonna ist eine Kopie), die heilige Familie von Giulio Romano, die heil. Cäcilia von Carlo Dolci, die büßende Magdalena von Battoni, die Anbetung der Hirten (heilige Nacht) und drei Madonnenanbetungen von Correggio, die Findung Mosis, die Anbetung der Könige und die Verehrung der Madonna von Paolo Veronese, Madonna mit vier Heiligen von Bagnacavallo, der Zinsgroschen von Tizian, die drei Schwestern von Palmavecchio, Abrahams Opfer von Andrea del Sarto, die heilige Familie auf der Flucht von Rotari, die Kartenspieler von Caravaggio, Hagar und Ismael von Baroccio, Christuskopf von Annib. Carracci, Christus mit der Dornenkrone von Guido Reni, Maria von Ägypten von Spagnoletto, die Schweinsjagd, Neptun auf den Wogen, Merkur und Argos von Rubens, die drei Kinder Karls I. von van Dyk, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten von F. Bol, Brandopfer des Manoah, Raub des Ganymed und das Doppelbildnis des Künstlers und seiner Frau von Rembrandt, eine Flucht der heiligen Familie (Landschaftsstück) und Acis und Galatea (sizilische Küstengegend) von Claude Lorrain, Schlachten von Wouwerman, die Jagd, das Kloster und der Judenkirchhof von Ruisdael, kleine niederländische Genrebilder von Teniers, Terborch, Netscher, Dou, A. van Ostade, Metsu, Slingeland, Mieris, Lichteffekte von Schalcken, Abraham und Hagar von van der Werff. Den Grund zu der Sammlung legte Herzog Georg, der Gönner Lukas Cranachs; ihre Bedeutung erhielt sie jedoch erst seit 1745 durch August II. und namentlich August III., welcher den größten Teil der Galerie des Herzogs von Modena für 1,200,000 Thlr. kaufte. Am reichsten vertreten sind die Italiener und die niederländischen Meister. Einen Katalog der Gemäldegalerie mit historischer Einleitung bearbeitete J. ^[Julius] Hübner (5. Aufl., Dresd. 1884). Das Museum am Zwinger enthält ferner die Sammlung der Kupferstiche und Handzeichnungen (mehr als 400,000 Stiche, Zeichnungen und Skizzen alter und neuer Meister). Neben dem Museum steht seit 1860 ein Erzstandbild des Komponisten M. v. Weber (nach Rietschels Entwurf).

Südöstlich vom Zwinger liegen die evangelische Hof- oder Sophienkirche (1351-57 als Klosterkapelle der Barfüßer erbaut, 1541 von Herzog Heinrich dem Rat überwiesen und 1602 als Sophienkirche geweiht, 1865-69 nach dem Plan des Professors Arnold im gotischen Stil umgebaut und mit zwei je 66 m hohen Türmen versehen) und der Postplatz mit v. Gutschmids Brunnen (auch "Cholerasäule" genannt), einer nach Sempers Entwurf auf Kosten des Freiherrn v. Gutschmid errichteten, 18 m hohen gotischen Spitzsäule von Sandstein und dem Hauptpostgebäude, von dem nicht weit entfernt das neue, schöne Dienstgebäude der kaiserlichen Oberpostdirektion sich befindet. Rechts von der Alten Elbbrücke erhebt sich die breite, vom Fürsten Repnin 1814 erbaute, mit vier Gruppen von Schilling geschmückte (s. Tafel "Bildhauerkunst IX", Fig. 5 u. 6) Freitreppe, welche auf die ihrer Aussicht wegen berühmte Brühlsche Terrasse führt, die (ursprünglich Festungswall, 1738 vom Grafen Brühl als Garten zu dem anstoßenden Brühlschen Palais angelegt, 1814 vom Fürsten Repnin verschönert) sich über 400 m weit hoch am Ufer der Elbe hinzieht. Die Aussicht auf den Strom und sein oberes, mit Dörfern, Villen und Weingärten besäetes Thal ist überaus schön. Auf der Terrasse, deren Baulichkeiten einer Umgestaltung entgegensehen, befinden sich die Akademie der Künste, das Ausstellungslokal des Sächsischen Kunstvereins (Brühls Gemäldegalerie), das 1843 vom Hofbaumeister v. Wolframsdorf im Renaissancestil erbaute Caffè reale, das Rietscheldenkmal von Schilling und das 1842 vom vorgenannten Hofbaumeister im Stil des abgebrannten Hoftheaters erbaute große Restaurationsgebäude Belvedere. Mit der hintern Seite stößt die Terrasse an die Hintergebäude des ehemaligen Brühlschen Palais, das in der Augustusstraße nahe dem Schloß liegt. Es wurde 1737 für den Minister Brühl gebaut und enthält mehrere Statuen von Matielli sowie sechs Höfe und einen ehemals prachtvollen Garten. Im Siebenjährigen Krieg bewohnte es Friedrich II., 1813 Kaiser Alexander. Im J. 1851 tagten darin die sogen. freien Konferenzen. Am Ostende der Brühlschen Terrasse steht die 1838-40 im orientalischen Stil von Semper erbaute Synagoge, und dieser gegenüber liegt der