Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Drouais; Drouet; Drouotsches Pflaster; Drouyn de l'Huys

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Drouais - Drouyn de l'Huys.

legter Park umgibt. In dem Schloß befindet sich eine Gemäldegalerie von ältern schwedischen Meistern sowie eine Galerie der Zeitgenossen Oskars I., zahlreiche Preziosen und Merkwürdigkeiten. Bei dem Schloß hat Gustav III. ein Theater aufgeführt; in dem Park östlich vom Schloß ist das kleine, in chinesischem Geschmack erbaute Lustschloß China und hinter demselben eine Häuserreihe, genannt Kanton, jetzt Sommerwohnungen enthaltend, früher ein Fabrikdorf. Im Sommer ist die Dampfschiffsverbindung mit Stockholm sehr lebhaft. Auch König Oskar II. hat D. zu seiner Sommerresidenz gewählt.

Drouais (spr. druä), Jean Germain, franz. Maler, geb. 25. Nov. 1763 zu Paris, war einer der ersten Schüler Davids, den er auch 1784 nach Rom begleitete. Hier malte er, nachdem er schon 1784 mit seiner Kananäerin zu Christi Füßen (im Louvre) einen Preis erworben, einen sterbenden Gladiator (1785), im folgenden Jahr Marius zu Minturnä, wie er mit Blick und Rede den Cimber zurückschreckt, und einen Philoktet. Er starb bereits 13. Febr. 1788 in Rom.

Drouet (spr. druä), 1) Jean Baptiste, franz. Politiker, geb. 1763, trat in ein Dragonerregiment, wurde sodann Postmeister in Ste.-Menehould und erkannte 21. Juni 1791 den König Ludwig XVI., als derselbe auf seiner Flucht den Ort passierte. Ein glühender Anhänger der Revolution, eilte er nach Varennes voraus und ließ den König hier festhalten. Die Nationalversammlung verwilligte ihm dafür eine Gratifikation von 30,000 Frank. Er ward darauf zum Kommandanten der Nationalgarde von Ste.-Menehould und 1792 zum Deputierten in den Konvent gewählt, wo er sich ganz den Jakobinern anschloß und für die radikalsten Beschlüsse stimmte. Als Kommissar des Konvents 1793 zur Nordarmee gesandt, fiel er bei Maubeuge in die Hände der Österreicher und saß zwei Jahre auf dem Spielberg gefangen. Gegen die Herzogin von Angoulême 1795 ausgewechselt, kehrte er nach Paris zurück und ward Mitglied des Rats der Fünfhundert. Als Teilnehmer von Babeufs Verschwörung gegen das Direktorium ward er 1796 verhaftet, entfloh jedoch nach der Schweiz, kehrte, freigesprochen, zurück und ward Kommissar des neuen Direktoriums beim Departement Obermarne, dann Unterpräfekt von Ste.-Menehould und Mitglied der Deputiertenkammer. Nach der zweiten Rückkehr der Bourbonen als Königsmörder aus Frankreich verwiesen, lebte er eine Zeitlang in Deutschland, sodann unter dem Namen Merger zu Mâcon, wo er 11. April 1824 starb.

2) Jean Baptiste, Graf D. d'Erlon; franz. Marschall, geb. 29. Juli 1765 zu Reims, trat, nachdem er fünf Jahre in der königlichen Armee gedient hatte, 1792 in ein Bataillon Freiwilliger, wurde Adjutant des Generals Lefebvre und machte die Feldzüge von 1793 bis 1796 mit. Seit 1799 Brigadegeneral und seit 1803 Divisionsgeneral, befehligte er 1805 die Truppen, welche durch Franken nach Bayern vordrangen, focht 1806 bei Jena, 1807 bei Friedland, half 1809 zur Unterwerfung Tirols mit, führte seit 1810 eine Division unter Masséna in Spanien, schlug 1811 den englischen General Hill und warf ihn auf Lissabon zurück; befehligte 1813 in Spanien die Armee des Zentrums und focht 1814 unter Soult bei Toulouse. Nach der ersten Restauration ward er Befehlshaber der 16. Militärdivision. Im März 1815 als Mitschuldiger bei einem Aufstand im Departement du Nord in der Citadelle von Lille gefangen gesetzt, wußte er sich in der durch Napoleons Annäherung veranlaßten Verwirrung der Citadelle zu bemächtigen und erklärte sich mit den Offizieren seiner Division für den Kaiser, der ihn zum Pair ernannte und ihm den Oberbefehl über das 1. Korps übertrug. Mit diesem hatte D. bei Waterloo den Hauptangriff auszuführen. Nach der Kapitulation von Paris zog er sich hinter die Loire zurück; floh dann, durch die Ordonnanz vom 24. Juli geächtet, nach Bayern und lebte in der Nähe von Baireuth. Infolge der Amnestie vom 28. Mai 1825 nach Frankreich zurückgekehrt, erhielt er nach der Julirevolution 1830 den Oberbefehl über die 12. Division, war vom 28. Sept. 1834 bis 28. Aug. 1835 Generalgouverneur von Algerien, wo er die arabischen Büreaus einrichtete, übernahm dann wieder den Oberbefehl über die 12. Militärdivision, wurde im Mai 1843 zum Marschall ernannt und starb 25. Jan. 1844. Seine von ihm selbst verfaßte "Vie militaire" erschien nach seinem Tod (1844). In Reims wurde ihm ein Standbild errichtet.

3) Louis, Flötist, geb. 1792 zu Amsterdam, erhielt seine Ausbildung im Pariser Konservatorium, wurde 1808 Soloflötist des Königs von Holland (Ludwig Bonaparte) und kam 1811 in gleicher Eigenschaft an den Hof Napoleons I. Von 1817 an machte er Kunstreisen, war vorübergehend in Neapel und im Haag angestellt und folgte 1836 einem Ruf als Hofkapellmeister nach Koburg, wo er bis 1854 blieb. Er lebte seitdem in New York, Frankfurt a. M., Gotha und Bern, wo er 30. Sept. 1873 starb. Er war zeitweilig der musikalische Sekretär der Königin Hortense, der die Melodien, welche ihm diese vorträllerte, zu Papier brachte und mit Begleitung versah; auf diese Art ist auch das bekannte "Partant pour la Syrie" entstanden. Als Flötist hat er durch seine außerordentliche Technik, namentlich durch seine Gewandtheit in Passagen mit der sogen. Doppelzunge, Aufsehen erregt. Seine Kompositionen für die Flöte (etwa 150 Werke) sind ohne tiefern Gehalt, aber dankbar.

Drouotsches Pflaster, ein mit Kanthariden bereitetes, mild wirkendes Blasenpflaster.

Drouyn de l'Huys (spr. druäng d'luih oder luihs), Edouard, franz. Staatsmann, geb. 19. Nov. 1805 zu Paris als Sohn eines Generaleinnehmers, ward im Collège Louis le Grand zu Paris gebildet, besuchte seit 1825 die Rechtsschule daselbst und schlug dann die diplomatische Laufbahn ein. Er war zuerst 1830 Gesandtschaftsattaché in Madrid, 1833-36 Gesandtschaftssekretär im Haag, dann Geschäftsträger am spanischen Hof, erhielt 1840 die Direktion der Handelsangelegenheiten im Ministerium des Auswärtigen und ward 1842 in die Kammer gewählt. Infolge seiner Opposition gegen Guizots Politik seines Staatsamts verlustig, griff er das Ministerium und die Kammermajorität wegen ihrer Korruption heftig an und beteiligte sich eifrig an der Reformbewegung, welche zum Sturz der Julimonarchie führte. Nach demselben in die Konstituante, dann auch in die Legislative gewählt, stimmte er stets mit der Rechten und ward im Mai 1848 Vorsitzender des Komitees für die auswärtigen Angelegenheiten. Unter Ludwig Bonapartes Präsidentschaft übernahm er im Ministerium vom 20. Dez. 1848 das Portefeuille des Auswärtigen, ging im Juni 1849 als außerordentlicher Botschafter nach London, übernahm dann im Übergangskabinett vom 10.-24. Jan. 1850 abermals das Auswärtige und half den Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 vorbereiten. Nach demselben beteiligte er sich an der Konsultativkommission und ward zum Senator ernannt. Am 28. Juli 1852 übernahm er wieder das Ministerium des Auswärtigen. Eifrig für die Erhaltung des Friedens bemüht, betrieb er nach Ausbruch des