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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Drüsen; Drüsenhaare; Drusenöl; Drusenschwarz; Drüsenstrauch; Drushinin; Drusus

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Drüsen - Drusus.

Drüse fort; somit ist letztere eigentlich nichts als eine in Bau und Thätigkeit abgeänderte Hautstelle, welche mehr oder weniger tief in das Innere des Körpers verlegt worden ist (z. B. Schweiß-, Talg-, Milchdrüsen; vgl. Hautdrüsen). Nach ihrer Form werden die D. unterschieden in schlauchförmige, wenn sie aus langen Schläuchen (Follikeln) bestehen (Labdrüsen des Magens, Schweißdrüsen), und traubenförmige, wenn gleich den Beeren einer Traube an dem oft verzweigten Ausführungsgang rundliche Anhänge in größerer oder geringerer Anzahl sitzen. - Im Wirbeltierkörper bilden die größern D. meist rundliche Massen, in welchen die absondernden Teile äußerst dicht zusammengelagert, in Bindegewebe eingehüllt und von Gefäßen und Nerven dicht umsponnen sind. Sie erhalten so bei geringem Umfang eine enorme Oberfläche für die Absonderung. (So wird z. B. von den menschlichen Nieren in 24 Stunden oft eine Harnmenge abgeschieden, deren Gewicht dasjenige der Nieren um das 40-50fache übertrifft.) Ihre Ernährung geschieht von den Blutgefäßen her; die Nerven scheinen auf Menge und Art des Sekrets Einfluß zu haben. Die Ausführungsgänge oder auch die D. selbst sind häufig noch mit einem Überzug von Muskelfasern zur Auspressung des Inhalts versehen (z. B. Giftdrüsen der Schlangen). Zu den D. rechnet man bei Wirbeltieren auch die sogen. Blutgefäßdrüsen oder Blutdrüsen (Milz, Thymusdrüse, Lymphdrüsen etc.), welche keinen Ausführungsgang besitzen (daher unechte D.) und keine Flüssigkeit absondern, sondern Lymphzellen zum Eintritt in die Blutbahn liefern. Nach obiger Definition sind sie daher keine D., sondern umgewandelte Abschnitte der Gefäße, die aber in ihrem Bau große Ähnlichkeit mit den echten D. zeigen. Ebensowenig gehören streng genommen hierher diejenigen Teile der Geschlechtsorgane, welche als sogen. Keimdrüsen die Samenfäden, resp. Eier absondern, also Hoden, resp. Eierstock. Vielfach wird auch die Lunge als eine Drüse für Erzeugung von Kohlensäure betrachtet. - Über die Thätigkeit der D. s. Absonderung.

In der Botanik heißen Drüsen einzelne Zellen, Zellengruppen oder rundliche Intercellularräume, welche mit eigentümlichen Sekreten erfüllt oder auch, wenn die Zellen oberflächlich liegen, überzogen sind. Diese Stoffe finden sämtlich im Stoffwechsel der Pflanze keine weitere Verwertung, sondern bleiben dauernd in den D. und gehen zuletzt mit diesen der Pflanze verloren. Häufig finden sich in den D. ätherische Öle, Harze, Gummi, Pflanzenschleim, Zucker, Gerbstoff, der oft mit einem Farbstoff gemengt ist, klebrige Substanzen (Balsame), endlich Kristalle (meist oxalsaurer Kalk). Die D. liegen entweder im Innern der Gewebe verborgen und stellen wirkliche Zellen dar, oder sie treten als kugelrunde Intercellularräume auf und werden dann meist von einer Schicht kleinerer, protoplasmareicher, aber chlorophyllloser Zellen umgeben. Solche Organe finden sich im Blattgewebe von Hypericum, wo sie die durchscheinenden, nadelstichförmigen Punkte in der Blattmasse verursachen, in der Fruchtschale der Zitronen und Pomeranzen; bei Dictamnus Fraxinella sitzen ähnliche D. auf der Oberfläche der Teile und verlängern sich in ein einfaches Haar. Die oberflächlichen D., bei denen sich das Sekret auf der freien Oberfläche des Pflanzenteils ansammelt, sind meist mehr oder weniger scharf umschriebene Stellen der Oberhaut, deren Zellen meist cylindrisch oder prismatisch, an ihren freien Außenwänden mehr oder weniger papillenartig nach außen gewölbt sind. Die unter der Cuticula liegende Zellhautschicht quillt auf und verwandelt sich in das Sekret, wodurch die Cuticula blasenförmig emporgehoben und zuletzt gesprengt wird. Zu diesen oberflächlichen D. gehören die Nektarien (s. d.). Zu den oberflächlichen D. gehören ferner die Drüsenhaare auf vielen Stengeln und Blättern, welche die klebrige Beschaffenheit dieser Teile verursachen. Diese Haarbildungen tragen eine kugelige Endzelle, in welcher sich ätherisches Öl erzeugt. Letzteres tritt oft durch die Zellhaut hindurch und hebt die Cuticula blasenförmig ab, während die Zelle selbst mehr oder minder schwindet, so daß zuletzt ein Tropfen Sekret auf der Spitze des Haars zurückbleibt. In ähnlicher Weise werden die klebrigen und balsamischen Überzüge der Laubknospen zahlreicher Pflanzen gebildet; vorzugsweise sind die Knospenschuppen, aber auch die in der Knospe eingeschlossenen jungen Laubblätter oft mit Haarbildungen ausgestattet, welche eine gummiartige oder aus Gummischleim und Tropfen ätherischen Öls gemengte Substanz absondern.

Drüsen, Pferdekrankheit, s. Druse.

Drüsenhaare, s. Drüsen (Botanik).

Drusenöl (Kognaköl, Weinöl, Weinbeeröl, Traubenöl, Huile de marc), derjenige Bestandteil des Weins, welcher den eigentümlichen, allen Weinen gemeinsamen Weingeruch (aber nicht die Blume) bedingt, findet sich auch in der Weinhefe (Druse, Geläger) und wird aus dieser nach dem Abpressen und Ansäuern mit Schwefelsäure durch Destillation mit Dampf gewonnen. Das auf dem wässerigen Destillat schwimmende Öl wird rektifiziert und ist dann farblos, vom spez. Gew. 0,862, riecht stark betäubend, weinartig, schmeckt unangenehm scharf, siedet bei 225-230° und besteht wesentlich aus Önanthäther, welcher indes ein Gemisch von Kaprin- und Kaprylsäureäthyläther mit andern zusammengesetzten Äthern sein soll. Es erteilt, in geringer Menge reinem Spiritus zugesetzt, diesem Geruch und Geschmack des Kognaks und dient deshalb zur Nachahmung des letztern; auch wird es zur Fälschung des Bordeauxweins und zu Fruchtäthern verwendet.

Drusenschwarz, s. Frankfurter Schwarz.

Drüsenstrauch, Pflanzengattung, s. Jatropha.

Drushinin, Alexander Wasiljewitsch, russ. Belletrist und Lyriker, geb. 8. Okt. (a. St.) 1824 zu St. Petersburg, erhielt seine Erziehung im dortigen Pagenkorps, trat dann in das inländische Garderegiment ein, welches er jedoch 1846 seiner schwachen Gesundheit wegen verlassen mußte, und erhielt eine Anstellung in der Kanzlei des Kriegsministeriums. Nachdem er schon 1851 auch hier seinen Abschied genommen, widmete er sich ganz der Litteratur und starb 19. Jan. (a. St.) 1864 in St. Petersburg. D. ist namentlich bekannt geworden durch seine Erzählungen, unter denen der Roman "Pólinka Ssax" ("Pauline Ssax") die erste Stelle behauptet. Scharfe Beobachtungsgabe, ein nach fremden Mustern gut ausgebildetes Erzählertalent und treffliches Charakterisierungsvermögen bilden die Hauptvorzüge seiner Dichtungen. Bemerkenswert sind auch seine kritischen Studien über den westeuropäischen Roman des 18. Jahrh., über Balzac und Thackeray sowie auch seine Übertragungen von Shakespeares "Coriolan", "König Lear" und "Richard III." Seine Werke erschienen in 6 Bänden (Petersb. 1868).

Drusus, Beiname eines Zweigs des röm. Geschlechts der Livier. Nach Sueton kam der Beiname davon her, daß ein Livius (unbestimmt wann) einst einen keltischen Häuptling, Namens Drausus, im Kampf erlegte. Die bemerkenswertesten Römer dieses Namens sind: