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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dschamnotri; Dschamu; Dschandscharo; Dschangeln; Dschapara; Dscharun; Dschask; Dschat; Dschauhari; Dschaunpur; Dschayadewa

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Dschamnotri - Dschayadewa.

31° nördl. Br. und 78° 30.' östl. L. in 3306 m Höhe und tritt bei Faizabad in die indische Ebene ein. Sehr bald teilt sich der Strom in mehrere Arme, und Kanäle sind teils zur bessern Bewässerung des Landes, teils, weil sein Bett für die Schiffahrt Schwierigkeiten bietet; von ihm abgeleitet, so an der linken Seite der Doab- oder Östliche Dschamnakanal (vom Dorfe Faizabad nach Dehli), rechts nach W. hin der 1356 von Firoz Schah, König von Dehli, gezogene Kanal, von dem 22 km unterhalb der Kanal von Ali Mardan Chan südwärts nach Dehli abbiegt. Dieser Kanal heißt jetzt Westlicher Dschamnakanal, beginnt bei Hathni Kund am Austritt des Flusses aus dem Gebirge, hat eine Länge von 500 km Haupt-, 417 km Verteilungskanälen, bewässert 150,000 Hektar Land und kostete zu seinem Ausbau 62 Mill. Mk. Der Fluß mündet bei Allahabad in den Ganges; sein Gebiet umfaßt 305,610 qkm. Unter seinen Zuflüssen ist der Tschambal der ansehnlichste. Die Schiffahrt wird oberhalb Dehli durch Untiefen und Klippen unmöglich. Von der Eisenbahn wird die D. überschritten bei Allahabad in der Richtung nach Agra, bei Agra und Dehli in der Richtung nach Radschputana, bei Sirsawa von der Pandschabbahn. Beim Zusammenfluß ist die D. dem Ganges an Wasserfülle gleich, verliert aber ihr kristallhelles Wasser an das gelbe des Ganges. Die D. ist dem Hindu ein heiliger Strom, und namentlich findet sich bei ihrer Mündung eine Stelle (Prajaga genannt), wohin die Hindu vorzugsweise wallfahrten, um sich unter Leitung von Brahmanen mit den gehörigen Zeremonien in ihrem Wasser zu baden. Vgl. E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881).

Dschamnotri, ein den Hindu heiliger Ort mit heißen Quellen, im britisch-ostind. Vasallenstaat Garwhal, in der Nähe der Dschamnaquelle, 2974 m ü. M., am Westfuß des Banderpantsch genannten, 6336 m hohen Berggipfels. Die Quellen haben eine Temperatur von 89° C., also über Siedehitze.

Dschamu (Dschambu), fruchtbare Provinz des britisch-ind. Vasallenreichs Kaschmir, am Südabhang des Himalaja am linken Ufer des Tschenab, grenzt im S. an die britische Provinz Pandschab. Die Stadt D., 403 m ü. M., ist die Winterresidenz des Maharadscha und ein wichtiges Handelszentrum mit (1872) 41,820 Einw. S. Karte "Zentralasien".

Dschandscharo (Gingiro, Yangaro), Bergland in Abessinien unter etwa 8° nördl. Br., zwischen dem Godscheb und Enarea, mit sehr fruchtbarem Boden und von heidnischen, körperlich wohlgestalteten Galla bewohnt, unter denen sich auch Christen und Mohammedaner befinden. Hauptort ist Undscher, acht Tagereisen südwestlich von Gurage.

Dschangeln (Dschungeln, engl. Jungles, Jangles), in Indien mit Niederwald, Rohr oder Gesträuchen bewachsene, sumpfige Stellen, wie sie in vielen Teilen des Landes an dem Fuß der Gebirge hinziehen und in der Nähe vieler Dörfer sich finden. Reißende Tiere, worunter als die gefährlichsten Tiger und giftige Schlangen, hausen in der feuchten Schwüle dieser Dschangeln, welche durch Urbarmachung immer mehr eingeengt werden. Um der Verwüstung des Holzbestandes durch die Dorfbewohner zu steuern, wurde in Südindien in den 60er Jahren der Dorfdschangelwald unter die Forstverwaltung gestellt, und Holz wird nur gegen eine Taxe abgegeben.

Dschapara (Djapara, Japara), niederländ. Residentschaft an der Nordküste von Java, 3113 qkm (56,6 QM.) groß mit (1882) 821,536 Einw. (615 Europäer, 10,320 Chinesen), bildet eine Halbinsel, auf der sich der 1787 m hohe erloschene Vulkan Murio erhebt, bis zum Gipfel mit Pflanzenwuchs und Wald bedeckt. Die Hauptstadt D., früher eine blühende Handelsstadt, ist jetzt unbedeutend und im Verfall.

Dscharun, Stadt in der pers. Provinz Farsistan, etwa 140 km südöstlich von Schiraz in Gärten gelegen, mit 4000 Einw. In der Nähe Erdölquellen.

Dschask (Djask), Hafen in der pers. Landschaft Mogistan, am Arabischen Meer, früher zu Oman in Arabien gehörig, mit 3000 Einw.

Dschat (engl. Jat), ein Volksstamm im östlichen Belutschistan und in Britisch-Indien wohnhaft, im letztern namentlich im N. (im Pandschab 1,498,694, in den Nordwestprovinzen 674,547, in Radschputana 425,598), ferner in Mhairwara, Bengalen, den Zentralprovinzen Bombay, Haidarabad u. a.; einige der kleinen Radschputenstaaten, wie Bhartpur und Dholpur, sind fast ausschließlich von D. bewohnt. Ihre Gesamtzahl in Indien gibt der Zensus von 1881 auf 2,643,109 an. Die D. werden von Lassen u. a. als mit den Ii-ta (Indoskythen, weißen Hunnen) zusammenhängend angenommen, während F. Müller sie als einen arischen Zweig bezeichnet, der, im Gegensatz zu dem über das Gangesthal verbreiteten indischen, an den alten Institutionen festgehalten hat und von dem dort entwickelten Brahmanismus unberührt geblieben ist. Daß die D. von W. her einwanderten, geht aus ihrem Nichtvorkommen im Himalaja hervor. Sie sind ein kräftiger Menschenschlag, mit breiter Brust, aber geringerer Höhe als die obern Hindukasten, dabei wenig reinlich. Sie haben manche altertümliche Sitten, wie den Brautraub, beibehalten; das Kastenwesen ist ihnen unbekannt, sie werden daher von den Hindu mit einer gewissen Verachtung angesehen. Sie bekennen sich zum Islam oder der Religion der Sikh und sind sehr fleißige Ackerbauer. Vgl. E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881).

Dschauhari, Imâm Abû Nasr Ismael ben Hammâd, berühmter arab. Lexikograph, gebürtig aus Fârâb, verbrachte längere Zeit unter den arabischen Beduinenstämmen der Rebîah und Modhar, um sich ganz dem Studium der arabischen Sprache in ihrer unverfälschten Form zu widmen. Dann kehrte er nach Chorasan zurück und ließ sich in Nischapur nieder, wo er 1003 durch einen unglücklichen Sturz vom Dach seines Hauses das Leben verlor. Die Frucht seiner umfassenden Sprachstudien war der "Sahâh", ein Lexikon der reinen klassischen Sprache Arabiens, das bis heute seinen hohen Wert behauptet und noch immer neben dem "Kâmûs" als Hauptquelle für arabische Lexikographie gilt. Zahllose Glossen und Supplemente sind dazu geschrieben, ebenso zahllose Auszüge daraus gemacht worden; auch ist es ins Persische (von Dschemâl Alkuraschî: "Surâh min alsihâh", 2. Aufl., Kalkutta 1832) und Türkische (von Wân Kuli, 1591-92; 3. Aufl., Konst. 1802) übersetzt worden. Brauchbare Ausgaben des arab. Originals sind neuerdings in Bulak (1865 u. öfter) erschienen.

Dschaunpur (engl. Jaunpur), Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts in den britisch-ostindischen Nordwestprovinzen, nördlich von Benares an der Rohilkandeisenbahn, ist reich an Trümmern von Moscheen, Palästen und andern Zeugen alter Pracht, hat eine englisch-indische Besatzung und (1881) 42,845 Einw.

Dschayadewa, ind. Dichter, Verfasser der berühmten lyrischen Dichtung "Gîtagowinda", lebte nach Lassen in der Mitte des 12. Jahrh. n. Chr. und stammte wahrscheinlich aus Bengalen. Sein Gedicht, hervorragend durch die sinnliche Glut der Darstellung und die Meisterschaft in der Schilderung von Gemüts-^[folgende Seite]