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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dschebel - Dschemel.

zuständen, ist ein wahrscheinlich an die älteste Gestalt des indischen Dramas anknüpfendes lyrisches Drama, das Liebesidyll des Gottes Krischna mit der Hirtin Râdhâ behandelnd. Spätere Auslegung hat das Gedicht, wie das Hohelied, zu einer mystisch-theologischen Allegorie umgedeutet und darin die Darstellung der durch die Sinnlichkeit zu Verirrungen verführten Seele, ihrer Reue und ihrer Rückkehr zur Einsicht gefunden. Eine Ausgabe mit lateinischer Übersetzung besorgte Lassen (Bonn 1836); eine deutsche Übertragung Fr. Rückert (in der "Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes", Bd. 1). - Von einem andern D. ist das durch Aufrechts "Catalogus cod. sanscr.", S. 141, bekannt gewordene und von Gowindadewacâstrin im "Pândit" ("A monthly journal of the Benares College"), Nr. 18-25, herausgegebene Drama "Prasannarâghawam" in 7 Akten.

Dschebel (Djebel, arab.), Gebirge, Bergspitze, in vielen geographischen Namen vorkommend.

Dschebil (im Alten Testament Gebal, griech. Byblos), jetzt unbedeutende Hafenstadt in Syrien, nördlich von Beirut, am Mittelmeer, mit 500-600 Einw. und Ruinen seiner ehemaligen Größe. Die Burg, aus der Kreuzfahrerzeit, besteht aus mächtigen altphönikischen Quadern. Vgl. Byblos.

Dschedda, Stadt, s. Dschidda.

Dschedid (arab.), s. v. w. neu, häufig vor Ortsnamen im Orient vorkommend.

Dschehangir, Großmogul Indiens, geb. 29. Aug. 1569, wurde 1605 Kaiser, lebte in Agra. Die Hauptfigur in seiner Regierungszeit ist seine Gattin Nur Dschehan ("Licht der Welt"). Ihrer Schönheit willen begehrte sie D. zur Gemahlin, als sie Gattin eines andern war, und ließ diesen töten, als er die Scheidung verweigerte. Es dauerte Jahre, bis sich Nur dem Kaiser hingab; sie übte anfangs einen günstigen Einfluß aus, führte hierdurch aber zur Gründung einer Gegenpartei und geriet mit ihrem Gemahl vorübergehend in Gefangenschaft. D. war ein Wüstling und starb 1627, bedrängt von seinem sich gegen ihn auflehnenden Sohn Schah Dschehan.

Dschehennem (arab.), die Hölle.

Dschehol (engl. Jehol), Lustschloß des Kaisers von China, liegt im Gebirge gegen die Mongolei hin, jenseit der Großen Mauer, 200 km nordöstlich von Peking und durch eine prachtvolle Kunststraße damit verbunden; 1703 erbaut.

Dschelalabad, Stadt im nordöstlichen Afghanistan, am Kabulstrom und der Straße von Peschawar nach der Stadt Kabul, ehemals starke Festung, jetzt ein schmutziger Ort mit 3000 Einw.; wurde berühmt durch die Verteidigung einer kleinen Schar Briten unter Sir R. Sale gegen das zahlreiche Afghanenheer 1841-42, infolge deren die Festungswerke von den Engländern bei ihrem Abzug zerstört wurden. Im englisch-afghanischen Krieg wurde D. 3. Dez. 1878 eingenommen und bis Oktober 1880 gehalten, dann geräumt und Afghanistan zurückgegeben.

Dschelâl eddin Rumi, mit seinem eigentlichen Namen Dschelâl eddin Muhammad, der größte mystische Dichter der Perser, geb. 30. Sept. 1207 zu Balch, war von 1233 an Lehrer der Philosophie und des Rechts zu Konia in Kleinasien und wurde der Stifter der Mewlewi, des angesehensten Ordens der Derwische. Er starb 17. Dez. 1273. Seine in einem "Diwan" gesammelten lyrischen Gedichte (in Indien gewöhnlich unter dem Namen seines spirituellen Lehrers Shams Tebrîz aufgeführt) gehören zu den schwungvollsten und ideenreichsten der orientalischen Poesie. Eine Auswahl im Urtext mit gelungener metrischer Übersetzung gab Rosenzweig (Wien 1838) heraus; zahlreiche seiner schönsten Lieder hat Rückert in meisterhafter Weise nachgedichtet. Nicht minder berühmt ist sein "Mesnewi" ("Gedicht in Reimpaaren"), ein Werk von mehr als 40,000 Distichen in 6 Büchern, moralischen und asketischen, allegorischen und mystischen Inhalts, das von den Persern dem Koran gleich geachtet wird. Drei vollständige lithographierte Ausgaben erschienen zu Bombay 1847, 1850 und 1851; eine mit türkischer Übersetzung und Kommentar in 6 Bänden zu Bulak 1835, eine andre in 7 Bänden zu Konstantinopel 1872. Proben daraus in deutscher Übersetzung gab G. Rosen ("Mesnewi oder Doppelverse", Leipz. 1849), in englischer Redhouse ("The Mesnewi", Lond. 1881). Vgl. Ethé, Der Sûfismus und seine drei Hauptvertreter in der persischen Poesie, vorzugsweise D. (in "Morgenländische Studien", Leipz. 1870).

Dschelam (Dschilam, Ihelam, auch Behut, die Vitastâ der alten Inder, woraus die Griechen Hydaspes, Ptolemäos Bidaspes machten), der westlichste der fünf großen Ströme, welche dem Nordwesten des britisch-indischen Reichs, dem Pandschab, seinen Namen geben. Der D. ist der Hauptfluß Kaschmirs; er entspringt unter 33° 30' nördl. Br. und 75° 25' östl. L. v. Gr., fließt 210 km (wovon 110 schiffbar) in nordwestlicher Richtung, biegt nach Aufnahme seines Hauptzuflusses, der wasserreichen Krischnaganga, nach S. um, tritt nach Einmündung des Panatsch (Puntsch) in die Ebene ein und vereinigt sich nach einem Laufe von 623 km, wovon 320 im englischen Gebiet liegen, mit dem Tschenab. Der D. ist schiffbar in seinem Ober- und Unterlauf, nicht aber in seinem Mittellauf. Von der Eisenbahn von Lahor nach Rawalpindi und Peschawar wird der D. bei der Stadt gleichen Namens überschritten; sonst überspannen ihn drei Schiffbrücken. Alexander d. Gr. überschritt den D. mit seinem Heer bei Dschalalpur (s. d.).

Dschem, Bruder des Sultans Bajesid II., Sohn Mohammeds II., geb. 1458, wurde Statthalter in Karaman, setzte sich nach dem Tod seines Vaters (1481), nachdem ein Versuch des Großwesirs Mischani, ihn zum Sultan auszurufen, mißlungen war, in den Besitz Brussas, war anfangs auch gegen den eigentlichen Thronerben, seinen Bruder Bajesid II., glücklich, ward aber, nachdem Bajesid eine Teilung des Reichs abgelehnt hatte, 1481 bei Jenischehr und 1482 bei Angora geschlagen, lehnte eine Versöhnung mit seinem Bruder ab und floh nach Rhodos, wo er mit dem Großmeister der Johanniterritter, d'Aubusson, einen Vertrag schloß, um sich sodann nach Frankreich zu begeben. Dort befand er sich seitdem im ehrenvollen, doch strengen Gewahrsam des Johanniterordens, wofür dieser wichtige Zugeständnisse vom Sultan erlangte. 1489 wurde er dem Papst zur Bewachung übergeben, der ihn für den Fall eines Türkenkriegs benutzen wollte. Der Papst Alexander VI. sollte vertragsmäßig D. dem König von Frankreich ausliefern, ließ ihm aber auf Wunsch Bajesids, der ihm eine ansehnliche Geldsumme bezahlte, vorher ein schleichendes Gift beibringen, so daß D., nachdem er Karl VIII. nach Neapel begleitet hatte, 24. Febr. 1494 daselbst starb. D. übersetzte ein persisch-romantisches Gedicht und dichtete selbst Ghaselen, die in einem Diwan gesammelt wurden.

Dschema Rhasuat, Stadt, s. Nemours.

Dscheme, Trüffel, s. Kemma.

Dschemel, Ort in Tunis, südlich von Monastir, mit zahlreichen Ruinen aus der römischen Kaiserzeit, namentlich eines dem Kolosseum zu Rom an Größe beinahe gleichkommenden Amphitheaters.