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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ducasse - Du Châtelet.

aux traités de Morfontaine, de Lunéville et d'Amiens" (1855-56, 4 Bde.).

Ducasse (franz., spr. dükáß, eigentlich wallonisch, vom lat. dedicatio), in Belgien die Bezeichnung der Kirchweihfeste in den wallonischen Städten und Dörfern. Die bekanntesten sind die Ducasses von Mons, am Sonntag Trinitatis, und von Namur, 2. Juli.

Ducatello, in Ägypten das ¼-Piasterstück von 10 Para.

Ducato (D. di regno), Rechnungs- und Münzeinheit des ehemaligen Königreichs beider Sizilien, Silbermünze = 3,441 Mk.

Ducaton, in der Volksmundart gewöhnlich Dicke Tonne (Dicke Tunn), Silbermünze der ehemaligen österreichischen Niederlande, = 5,199 Mk.; auch eine für den ostindischen Handel bestimmte Silbermünze, nach dem Prägebild Ruiter, Rijder (Reiter) genannt, = 5,497 Mk., nach 1816 = 5,494 Mk.

Ducatone, frühere Silbermünze von Mailand und Mantua, = 5,391 Mk.; auch eine Silbermünze (Giustina) Venedigs, = 4,769 Mk.

Duccio (spr. duttscho, D. di Buoninsegna), Maler von Siena und Haupt der dortigen Schule, knüpfte, wie Cimabue, an die Typen des Byzantinismus an, veredelte dieselben jedoch durch ein persönliches, die ganze Schule bestimmendes Element, dessen Haupteigentümlichkeit eine milde weibliche Anmut ist. Das frühste sichere Datum über sein Wirken ist 1285, in welchem Jahr er in Florenz arbeitete. Seit 1308 war er mit Anfertigung des großen Altarwerks für den Dom in Siena beschäftigt, welches die thronende Madonna, von Engeln und Heiligen umgeben, darstellt. Die (jetzt abgetrennte) Rückwand ist mit 26 Darstellungen aus der Passion des Heilands bemalt. Man schreibt ihm auch einige Madonnenbilder mit Heiligen in der Akademie und in der Kirche des Hospitals in Siena zu. Nach 1320 verschwindet seine Spur in den Urkunden.

Duc d'Alben (Ducdalben, Dückdalben), im Wasser eingerammte Pfähle in einem Hafen zur Befestigung der Schiffe, so genannt nach ihrem Erfinder oder Einführer, dem Herzog von Alba (duc d'Albe).

Duce et auspice (lat.), "unter Führung und Leitung", Devise des französischen Ordens vom Heiligen Geist; auch in der Mehrzahl: ducibus et auspicibus.

Du Cerceau (spr. dü sserssoh), s. Androuet.

Du Chaillu (spr. dü schajü), Paul Belloni, Afrikareisender, geb. 31. Juli 1835 als der Sohn eines Pariser Kaufmanns, welcher am Gabun in Westafrika Handel trieb, eignete sich frühzeitig die Kenntnis von Land und Leuten jener Gegenden sowie die Sprache der Mpongwe an und unternahm von 1851 an mehrere Reisen landeinwärts vom Gabun. 1855 ging er nach Nordamerika, kehrte aber im Auftrag der Academy of Natural Sciences in Philadelphia nach Afrika zurück, um die Quellen des Congo zu erforschen. Nach vierjährigen Wanderungen veröffentlichte er seinen Reisebericht "Explorations and adventures in Equatorial Africa" (Lond. 1861; deutsch, Berl. 1862), dessen Glaubwürdigkeit sowohl in England als auch von Barth (gegen Petermann) stark angezweifelt wurde. Doch bestätigten spätere Reisende nicht nur, daß die von ihm erforschten Flüsse Muni, Mundah, Gabun und Rembo nur Küstenflüsse sind und der Ogowe allein aus dem Innern kommt; sie bestätigten auch manche seiner am stärksten angefochtenen Behauptungen über zoologische und ethnologische Dinge. Von dieser Reise brachte D. den ersten lebenden Gorilla nach Europa. Eine zweite, 1863 unternommene Entdeckungsreise führte ihn von der Mündung des Fernão Vaz, des südlichsten Armes des Ogowedelta, in östlicher Richtung bis Muau Kombo im Lande der Schawi (12½° östl. L. v. Gr.), das er 1865 erreichte, aber in eiliger Flucht wieder verlassen mußte, so daß er seine ganze Munition wie seine Sammlungen einbüßte, als Frucht seiner Reise aber zahlreiche Ortsbestimmungen und Höhenmessungen sowie wichtige Aufschlüsse über die Natur und Bewohner der bereisten Länder zurückbrachte. Diese veröffentlichte er in den Werken: "A journey to Ashangoland and Equatorial Africa" (Lond., 1867; franz. vermehrte Ausgabe u. d. T.: "L'Afrique sauvage; nouvelles excursions au pays des Ashangos", Par. 1868); "My Apingi kingdom, with life in the great Sahara" (Lond. 1870) und "The country of the dwarfs" (das. 1872). In neuerer Zeit bereiste D. noch Skandinavien und Finnland, worüber er gleichfalls ein Reisewerk: "The land of the midnight sun" (Lond. 1881; deutsch, Leipz. 1882), herausgab.

Duchange (spr. düschangsch), Gaspard, franz. Kupferstecher, geb. 1662 zu Paris, gest. 1757 daselbst, Schüler von Jean Audran, zeichnete sich durch weiche Behandlung der Karnation, namentlich der weiblichen, aus. Berühmt in dieser Beziehung sind seine Blätter nach Correggio: Jupiter und Leda, Jupiter und Io und Jupiter und Danae.

Duchâtel (spr. düschatell); Charles Marie Tannegui, Graf, franz. Staatsmann, geb. 19. Febr. 1803 zu Paris, studierte die Rechte, beteiligte sich seit 1823 unter der Ägide der Doktrinäre an dem "Globe" und der "Revue française", ward nach der Julirevolution Staatsrat im Finanzministerium unter Louis, verlor aber durch die Ministerveränderung vom 11. Okt. 1832 sein Amt, kam sodann als Abgeordneter in die Kammer und infolge seiner Verteidigung des die amerikanische Schuld betreffenden Gesetzantrags 1834 als Handelsminister ins Kabinett, aus dem er im Februar 1836 mit den übrigen Doktrinären ausschied. In diese Zeit fällt seine Thätigkeit für eine durchgreifende Reform des französischen Zollwesens. Im September 1836 in seine vorige Stellung restituiert, legte er der Kammer eine Reihe großartiger Entwürfe über die öffentlichen Arbeiten vor, deren Ausführung nur durch den Rücktritt der Doktrinäre 7. März 1837 gehindert wurde. Im J. 1838 gehörte er zur Opposition gegen das Ministerium Molé, ward nach der Ministerkrisis von 1839 als Minister der innern Angelegenheiten in das 13. Mai von Soult gebildete Kabinett aufgenommen, legte 25. Jan. 1840 bei der Dotationsfrage des Herzogs von Nemours mit den übrigen Minister sein Amt nieder, nahm jedoch schon 29. Okt. d. J. als Minister des Innern im Kabinett Guizot seinen Platz wieder ein. Seit der Februarrevolution 1848 lebte er meist in England. Er starb 6. Nov. 1867 in Paris. Von Bedeutung sind seine Schriften: "Traité de la charité dans ses rapports avec l'état moral etc. des classes inférieures de la société" (Par. 1829, 2. Aufl. 1836) und "Documents statistiques sur la France" (das. 1834), letzteres eine vollständige statistische Geschichte Frankreichs. Vgl. Vitet, Le comte D. (2. Aufl., Par. 1875).

Du Châtelet (spr. dü schat'lä), Gabrielle Emilie, Marquise, gelehrte Französin, besonders bekannt als Freundin Voltaires, geb. 17. Dez. 1706 als Tochter des Barons Letonnelier de Breteuil, lernte frühzeitig die lateinische Sprache neben der italienischen und englischen und lag eifrig mathematischen und physikalischen Studien ob. Mit dem Marquis D. vermählt, lebte sie das lustige Leben der Regentschaft