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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Duché - Ducis.

und machte, von ihrem Gatten wenig angezogen, viele Eroberungen, bis sie 1733 in ein intimes Verhältnis zu Voltaire trat, mit dem sie sich 1734 auf ihr Schloß Cirey in der Champagne zurückzog, um ganz ihren gemeinsamen Studien zu leben. In dem Bemühen, seinen Landsleuten die Ideen der englischen Philosophen zugänglich zu machen, unterstützte sie ihren Freund aufs beste. Ihr Hauptverdienst ist die Schrift über Leibniz: "Institutions de physique" (1740), und besonders die Übersetzung von Newtons "Principia" (1756, 2 Bde.); ihre Abhandlung über die Natur des Feuers wurde von der Akademie gelobt. 1748 wurde sie Voltaire untreu und ließ sich in eine Liebschaft mit Saint-Lambert ein; sie starb aber schon 10. Aug. 1749 in Lunéville, sechs Tage nach ihrer Entbindung. Ihre heute vergessenen Schriften riefen schon zu ihren Lebzeiten die verschiedenartigsten Urteile hervor; dem übermäßigen Lob Voltaires stehen die neidischen Angriffe der Du Deffand und der Mad. de Staal gegenüber. Vgl. Mad. de Grafigny, Vie privée de Voltaire et de Mad. D. (Par. 1820); Desnoiresterres, Voltaire au château de Cirey (1868); Capefigue, La marquise D. (1868).

Duché (franz., spr. düscheh), in Frankreich eine zur Würde eines Herzogtums erhobene Herrschaft, die bei der Krone unmittelbar zu Lehen ging. Man unterschied d.-pairie, die ihrem Besitzer zugleich die Pairswürde erteilte, und d. simple (d. par simple brevet), bloßer Titel.

Duché de Vancy (spr. dusché d'wangssi), Joseph François, franz. Dichter, geb. 29. Okt. 1668 zu Paris, verfaßte einige Trauerspiele biblischen Inhalts: "Absalon" (1712), "Débora" (1712) und "Jonathas" (1714), die ihm die Gunst der Frau von Maintenon und durch diese die Stelle eines königlichen Kammerdieners, dazu eine ansehnliche Pension verschafften. Er starb als Mitglied der Akademie der Inschriften 14. Dez. 1724. Unter seinen übrigen Werken befinden sich die Tragödien: "Céphale et Procris" und "Scylla", Oden, mehrere Operntexte u. a.

Duchenen, jüdisch-deutsche Bezeichnung für "Priestersegen sprechen". Der Ausdruck stammt von dem talmudischen Duchan (Estrade), dem im Tempel zu Jerusalem an der östlichen Seite des Altars erhöhten Standort, worauf die Priester zum Sprechen des vorgeschriebenen Segens (4. Mos. 6, 22-27) standen. Heute sprechen die dem Stamm der Priester angehörenden Israeliten, die sogen. Kohanim, den Segen an den Feiertagen vor der heiligen Lade.

Duchesne (spr. düschähn), André (lat. Chesnius, Duchesnius, Quercetanus, Querneus), franz. Geschichtsforscher, geboren im Mai 1584 zu Ile Bouchard in Touraine, studierte zu London und Paris, ward unter Richelieu königlicher Historiograph und starb 30. Mai 1640, von einem Wagen überfahren. Die bedeutendsten seiner zahlreichen Schriften sind: "Histoire d'Angleterre, d'Écosse et d'Irlande" (Par. 1614, vermehrt 1634; bis 1640 fortgesetzt 1657, 2 Bde.); "Histoire des papes jusqu'à Paul V" (1616, 2 Bde., und 1645); "Histoire des rois, ducs et comtes de Bourgogne" (1619-28, 2 Bde.). Wichtig sind seine Sammlungen: "Historiae Normannorum scriptores antiquiores ab illis gestas explicantes a. 838-1220" (Par. 1619, Bd. 1); "Historiae Francorum scriptores coaetanei ab ipsius gentis origine ad Philippi IV. tempora" (das. 1636-49, 5 Bde.), die vom 3. Band an sein Sohn François fortführte.

Duchesnois (spr. düschähnŏa), Catherine Joséphine, mit ihrem eigentlichen Namen Rafin, franz. Schauspielerin, geb. 5. Juni 1777 zu St.-Saulves bei Valenciennes, betrat hier 1795 zuerst die Bühne und wandte sich dann nach Paris, wo sie den Unterricht des Schauspielers Florence genoß und 1802 als Phädra ihr Spiel auf dem Théâtre français eröffnete, dem sie bis 1833 (von 1804 an bereits als Societärin) angehörte. Sie starb 8. Febr. 1835 in Paris. D. besaß ein ungewöhnliches Darstellungstalent für tragische Rollen, das durch eine imponierende Erscheinung und angenehme, klangvolle Stimme unterstützt ward. Ihre Hauptleistungen waren Semiramis, Roxane, Hermione, Maria Stuart, Jeanne d'Arc u. a.

Duchesse (franz., spr. düschäß), Herzogin.

Duchoborzen (Duchoborzy, "Streiter des Geistes"), mystisch-pietistischer Zweig der Raskolniken (s. d.) oder Starowerzi in der griechisch-russischen Kirche, entstanden im 18. Jahrh. Gleich den Quäkern berufen sich die D. auf ein inneres Licht, legen der äußern Kirche mit ihren Sakramenten, Gottesdiensten und Priestern wenig Wert bei, leisten weder einen Eid noch Kriegsdienste, verwerfen die kirchliche Lehre von der Trinität und der Gottheit Christi etc. Seit ihrer Entstehung mehrfach verfolgt, fand die Sekte endlich unter Alexander I. Ruhe und feste Wohnsitze im Gouvernement Taurien. Nikolaus I. versetzte sie 1841 nach Transkaukasien.

Duchowschtschina, Kreisstadt im russ. Gouvernement Smolensk, am Zusammenfluß der Chwostiza und Zarewiza, in sumpfiger Gegend, hat eine griechische und eine kath. Kirche und (1881) 3681 Einw.

Duchten, die Sitz- oder Ruderbänke in Ruder- und Segelbooten. Führt das Boot Segel, so geht der Mast durch eine Ducht, die Segelducht.

Ducis (spr. düßis), Jean François, franz. Bühnendichter, geb. 22. Aug. 1733 zu Versailles, machte als Sekretär hochgestellter Personen weite Reisen, hielt sich fern von den Stürmen der Revolution, wies auch das Anerbieten Napoleons I., ihn zum Senator (mit einem jährlichen Einkommen von 40,000 Frank) und Ritter der Ehrenlegion zu machen, zurück, während er Ludwig XVIII. begeistert anhing, und starb 31. März 1816. D. hat die Hauptwerke Shakespeares, ohne ein Wort Englisch zu verstehen, für die französische Bühne bearbeitet, freilich mit einschneidenden Änderungen, berechnet für den sentimentalen Geschmack seiner Zeit, und hat damit ungeheuern Beifall errungen. Manche haben ihm dies "Attentat" auf Shakespeare nie verzeihen können, und es muß zugestanden werden, daß seine Bearbeitungen, gegen das Original gehalten, in jeder Beziehung zurücktreten; immerhin aber hat er Geist und Gestalten Shakespearescher Poesie dem französischen Publikum nahegebracht und zwar in der einzigen dem damaligen Geschmack nach möglichen Form, und wenn selbst sein Stil oft den Anforderungen strenger Kritik nicht genügt, so muß anderseits wieder die Reinheit seines Charakters, die Lauterkeit seiner Gesinnung, die sich in seinen Werken kundgibt, rühmend hervorgehoben werden. Sein "Oedipe chez Admète" (1778), in dem er Sophokles und Euripides verquickt hat, öffnete ihm die Pforten der Akademie (1779). Ganz eigne Erfindung ist: "Abufar, ou la famille arabe" (1795), ebenfalls mit großem Beifall aufgenommen, während das Pendant dazu: "Phédor et Waldamir" (1801) vollständig durchfiel. Von nun an zog er sich vom Theater zurück und schrieb nur noch kleine, zum Teil recht hübsche Gedichte. Seine "Œuvres" erschienen 1819 bis 1826 (4 Bde.); "Œuvres posthumes" gab Campenon heraus (1826). Vgl. O. Leroy, Étude sur la personne et les écrits de D. (2. Aufl., Par. 1834); "Lettres de J. F. D." (hrsg. von Albert, das. 1879).