Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Du Deffand; Ducrotay de Blainville; Ductus; Duda; Dudelsack; Duden

193

Ducrotay de Blainville - Duden.

Ausfall 19. Jan. 1871 gegen Westen sollte er mit dem rechten Flügel auf Buzenval vorgehen, verspätete sich aber um drei Stunden, so daß auch dies Unternehmen scheiterte. Seit Februar 1871 Mitglied der Nationalversammlung, schloß er sich den klerikalen Monarchisten an und gab seinen Haß gegen die Republikaner offen kund. 1872 erhielt er das Kommando des 8. Korps in Bourges, wirkte hier für die monarchische Restauration und bereitete 1877 nach dem Fall des Ministeriums Broglie alles für einen Staatsstreich vor. Er wurde daher nach dem Sieg der Republikaner abgesetzt und starb 16. Aug. 1882 in Versailles. D. schrieb: "La journée de Sedan" (Par. 1871) und "La défense de Paris" (das. 1876-78, 4 Bde.), ein streng sachlich und wahrheitsgetreu gehaltenes Werk.

Ducrotay de Blainville (spr. dükrŏtä d' blängwil), Henri Marie, Zoolog und Anatom, geb. 12. Sept. 1778 zu Arques bei Dieppe, studierte in Paris Medizin und Naturwissenschaften, ward hier 1812 Professor der vergleichenden Zoologie, Anatomie und Physiologie an der Universität und zugleich Professor der Naturgeschichte am Athenäum und 1832 Professor der vergleichenden Anatomie am Museum der Naturgeschichte. Er starb 1. Mai 1850 auf einer Reise von Paris nach Rouen. D. schrieb: "Faune française" (Par. 1821-30, 90 Lfgn.); "De l'organisation des animaux" (Par. u. Straßb. 1822, Bd. 1); "Manuel de malacologie et de conchyliologie" (Straßb. 1825 bis 1827); "Cours de physiologie générale et comparée" (das. 1833, 3 Bde.); "Manuel d'actinologie et de zoophytologie" (Par. 1834-37, mit 100 Tafeln); "Ostéographie" (das. 1839-64, 4 Bde.); außerdem Monographien über Ornithorhynchus und Echidna (das. 1812), Hirudo (das. 1827) und die Belemniten (Straßb. 1827).

Ductus (lat.), Zug, besonders der Buchstaben beim Schreiben; in der Anatomie s. v. w. Gang, besonders Ausführungsgang einer Drüse.

Duda (Dutka, Dudotka, Schweran), ein uraltes russ. Holzblasinstrument, das, wie die Doppelflöte der Alten, aus zwei meist ungleich langen Rohrpfeifen mit je drei Tonlöchern besteht, die durch ein einziges Mundstück verbunden sind; findet sich noch bei Landleuten in Hochrußland und Sibirien.

Du Deffand (spr. dü deffāng), Marie de Vichy-Chamrond, Marquise, geistreiche franz. Salondame, geb. 1697 aus einer armen burgundischen Adelsfamilie, erhielt eine oberflächliche und freie Erziehung und vermählte sich 1718 mit dem reichen Marquis D., von dem sie sich aber bald trennte. Hochgefeiert wegen ihrer Schönheit und ihres Geistes, stürzte sie sich in eine Menge galanter Abenteuer, galt eine Zeitlang für die Geliebte des Regenten und schloß endlich ein inniges Verhältnis mit dem Präsidenten Hénault, das bis zu dessen Tod währte. Um 1740 war ihr Salon der Sammelplatz der berühmtesten und vornehmsten Gesellschaft; Voltaire, Montesquieu, d'Alembert u. a. waren ihre ständigen Gäste. Die Anziehungskraft ihrer geistreichen Zirkel wurde nicht gemindert, als sie 1753 vollständig erblindete und eine Wohnung im Kloster St.-Joseph bezog; erst als Fräulein v. Lespinasse, die sie sich zur Gesellschafterin genommen hatte, mit Eklat sich von ihr trennte und den besten Teil ihrer Gesellschaft, d'Alembert an der Spitze, mit sich zog, erlitt der Glanz ihrer Gesellschaften empfindliche Einbuße. Doch fand die 68jährige Blinde einen großen Trost in dem zärtlichen, ja leidenschaftlichen Verhältnis zu dem geistvollen Engländer Horace Walpole, mit dem sie einen regen, geist- und gefühlvollen Briefwechsel unterhielt. Sie starb 23. Sept. 1780. Madame D. ist von ihren Feinden, der Koterie der Lespinasse, ungebührlich herabgesetzt worden; aber auch Walpoles Urteil trifft nicht immer das Richtige. Ihr ganzes Leben hindurch bewies sie eine rastlose Thätigkeit; eine verzehrende Unruhe trieb sie bis in ihr spätes Alter von Zerstreuung zu Zerstreuung, aber immer drohender trat das Gespenst ihres Lebens, die Langeweile, an sie heran. Denn trotz ihrer glänzenden Geistesgaben fehlte es ihr an Ernst und wahrem Gefühl; auch die Überschwenglichkeit und Leidenschaftlichkeit ihrer späten Liebe ist aus der Furcht vor der gähnenden Leere ihres eignen Herzens zu erklären. Als Schriftstellerin stellt man sie neben Voltaire; die durchsichtige Klarheit ihres Stils, ihre treffenden Bemerkungen, ihr sicheres Urteil, ihr schlagfertiger Witz machen ihre Briefe zu den interessantesten des ganzen Jahrhunderts. Ihre Korrespondenz mit d'Alembert, Hénault, Montesquieu u. a. ist 1809 in zwei Bänden veröffentlicht (neue Ausg. 1865, 2 Bde.); ihre Briefe an Walpole (von 1766 bis 1780) und an Voltaire (von 1759 bis 1775) London 1810 in vier Bänden (neue Ausg. 1864, 2 Bde.). Die "Correspondance inédite de Mad. D." (meist Briefe an die Herzogin von Choiseul) veröffentlichte Sainte-Aulaire (2. Aufl. 1867, 3 Bde.). Vgl. Asse, Mademoiselle de Lespinasse et la marquise D. (Par. 1877).

Dudelsack (Sackpfeife, ital. Cornamusa. Piva; franz. Musette, Sourdeline; engl. Bagpipe; lat. Tibia utricularis; griech. Askaulos; im Mittelalter auch wohl wie die Drehleier Samponia, Zampugna etc. genannt), ein uraltes Instrument, das jetzt aber nur in den Händen der Bettler und in England, Schottland und Irland bei der Landbevölkerung getroffen wird. Es besteht aus einem ledernen Windsack, der entweder von dem Spieler mittels einer als Pfeife geformten Spitze vollgeblasen und in Füllung erhalten (so bei der ältern Art und dem schottischen Hochlandsdudelsack), oder durch kleine, mit dem Arm regierte Bälge mit Wind versorgt wird. An dem Schlauch sind mehrere Pfeifen befestigt, die durch denselben angeblasen werden, sobald ihn der Spieler mit dem Arm zusammendrückt, eine gewöhnliche Schalmei mit sechs Tonlöchern, auf welcher Melodien gespielt werden, und 1-3 sogen. Stimmen (Hummeln, franz. bourdons), welche stets nur einen und denselben Ton und zwar unausgesetzt angeben. Das Instrument ist der Drehleier (s. d.) nahe verwandt und hat deren Schicksal geteilt, auch sofern es im 17. und 18. Jahrh. wieder Modeinstrument wurde. Man überzog damals die Schläuche mit Seide und prächtigen Stickereien, fertigte die Kästchen, welche statt der Bordunpfeifen die Zungen der Brummtöne aufnahmen, aus Elfenbein, verzierte sie mit Gold und Steinen etc. Descouteaux, Philidor, Douet, Dubuisson, Hotteterre, Charpentier, Chediville u. a. zeichneten sich als Virtuosen auf dem D. aus. Im 17. Jahrh. kam derselbe (nach Prätorius) in verschiedenen Größen vor, als: großer Bock (Bordune: Kontra-G oder groß C), Scheperpfeife (Bordune: bf'), Hümmelchen (f' c'') und Dudey (es' b' es'').

Duden, Konrad, Philolog, geb. 3. Jan. 1829 zu Lakhausen bei Wesel, studierte seit 1846 in Bonn, machte darauf als Erzieher längere Reisen in Frankreich, England und Italien, war seit 1859 Gymnasiallehrer zu Soest, wurde 1869 Direktor des Gymnasiums zu Schleiz und 1876 desjenigen zu Hersfeld. Als Teilnehmer der in letzterm Jahr in Berlin tagenden "orthographischen Konferenz" vertrat er erfolgreich einen maßvollen, aber entschiedenen Fortschritt. Er schrieb: "Die deutsche Rechtschrei-^[folgende Seite]