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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Duhamel du Monceau; Duhesme; Duhn; Dühring

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Duhamel du Monceau - Dühring.

Studium der Mathematik, gab mit Reynaud Probleme und Entwickelungen über verschiedene Teile der Mathematik (Par. 1823) heraus und lieferte, zum Studiendirektor an der polytechnischen Schule in Paris ernannt, wichtige mathematisch-physikalische Untersuchungen über die Bewegung der Wärme in festen Körpern, über die Schwingungen beliebiger Systeme von materiellen Punkten, über die Verbreitung der Wärme in Kristallen etc. Als Professor der höhern Analysis an der Faculté des sciences und an der Normalschule in Paris zeichnete er sich durch Klarheit und Eleganz seiner Vorträge aus sowie durch sein Talent, den schwierigsten Fragen eine faßliche Seite abzugewinnen. D. starb 29. April 1872 in Paris. Seine Hauptwerke sind: "Cours d'analyse" (Par. 1840; 3. Aufl. u. d. T.: "Éléments de calcul infinitésimal", 1856-57, 2 Bde.; 3. Aufl. 1874; deutsch von Wagner, Braunschw. 1856) und "Cours de mécanique" (1845; 3. Aufl. 1863, 3 Bde.; deutsch von Schlömilch, 2. Aufl., Leipz. 1861, 2 Bde., und von Wagner, Braunschw. 1853-54, 2 Bde.); "Des méthodes dans les sciences de raisonnement" (1865-73, 5 Tle.; 2. Aufl. 1876-85).

Duhamel du Monceau (spr. dü-amell dü mongssoh), Henri Louis, Botaniker, geb. 1700 zu Paris, widmete sich am Jardin du Roi den Naturwissenschaften und entdeckte 1728 die Ursachen des Safrantodes in einem auf den Wurzeln der Pflanze lebenden Schmarotzerpilz. Seine bedeutendsten Leistungen beziehen sich auf das Dickenwachstum der Bäume, auf die Vorgänge beim Okulieren und Pfropfen sowie auf die Bewegung des Saftes in der Pflanze und auf die Einwirkung der Luft und des Lichts auf die Entwickelung und die Ernährung der Gewächse. Als Inspecteur général im Departement der Marine beschäftigte er sich wissenschaftlich auch mit Schiffbau, mit der Kenntnis und Konservierung des Holzes und selbst mit den sanitätlichen Verhältnissen der Seefahrer. Auch tierische Physiologie, die Bildung der Knochen, Chemie und die Meteorologie zog er in den Kreis seiner Thätigkeit und redigierte seit 1740 die zu Pithiviers angestellten meteorologischen Beobachtungen. D. starb 13. Aug. 1782 in Paris. Er schrieb: "La physique des arbrés" (Par. 1758-88; deutsch, Nürnb. 1764-65); "Traité des arbres fruitiers" (Par. 1768-82; deutsch: "Pomona gallica oder von Obstbäumen", Nürnb. 1771-83); "Traité des arbres et arbustes, qui se cultivent en France en pleine terre" (Par. 1755-85, neue Ausg. 1801-19; zuletzt 1852, 7 Bde.; in der Regel citiert als "Nouveau Duhamel"; deutsch, Nürnb. 1763); endlich "Avis pour le transport par mer des arbres, des plantes vivaces, des semences et de diverses autres curiosités d'histoire naturelle" (Par. 1753).

Duhesme (spr. dü-ähm), Guillaume Philibert, Graf, franz. General, geb. 7. Juli 1760 zu Bourgneuf in Burgund, studierte die Rechte, ward 1792 von Dumouriez zum Obersten eines Freikorps ernannt, das er aus eignen Mitteln gebildet hatte, behauptete 1793 als Kommandant von Roermonde den für die Verbindung mit Holland wichtigen Posten von Herstal, verbrannte nach der Niederlage bei Neerwinden 18. März 1793 die Brücke über die Loo, ging dann über die Schelde und brachte in dem Gefecht von Villeneuve (6. Juli) die vor den Österreichern fliehenden Infanteriekolonnen zum Stehen, wofür er zum Brigadegeneral ernannt wurde. Auch zum Sieg bei Fleurus 26. Juli 1794 trug er viel bei und belagerte unter Kléber Maastricht, worauf er zum Divisionsgeneral ernannt wurde. Er kämpfte 1795 in der Vendée, sodann am Rhein, wo er 20. April 1797 den Rheinübergang bei Diersheim unterhalb Kehl erzwang. 1798 mit einem Kommando in Italien unter Championnet betraut, wirkte er im Januar 1799 bei der Einnahme von Neapel mit und beruhigte Kalabrien und Apulien. Er erhielt sodann ein Kommando in der Alpen- und im Frühjahr 1800 in der französisch-batavischen Armee unter Augereau. Zum Grafen und Ritter der Ehrenlegion erhoben, führte er 1805 die 4. Division der italienischen Armee und nahm wieder an der Eroberung von Neapel teil. Im Februar 1808 erhielt er ein Kommando in Spanien und zeichnete sich durch die Verteidigung Barcelonas aus. Auf die Anschuldigungen Augereaus, mancherlei Ausschweifungen seiner Truppen geduldet zu haben, blieb er von 1810 bis 1814 ohne Anstellung, erhielt aber sodann eine Division unter dem Marschall Victor und kämpfte mit bei La Rothière, Montereau und Arcis. Nach Napoleons erster Abdankung wurde er Generalinspektor der Infanterie, ging nach Napoleons Wiederkehr zu demselben über und fiel 18. Juni 1815 bei Waterloo. Bekannt ist Duhesmes Schrift "Essai historique de l'infanterie légère" (Lyon 1806; 3. Aufl., Par. 1864; deutsch, Berl. 1829).

Duhn, s. Pennisetum.

Dühring, Eugen Karl, Philosoph und nationalökonom. Schriftsteller, geb. 12. Jan. 1833 zu Berlin, studierte daselbst 1853-56 die Rechte, durchlief hierauf die juristische Praxis, verließ dieselbe aber infolge eines Augenleidens, das später zu völliger Erblindung führte, und habilitierte sich 1864 an der Berliner Universität als Privatdozent für Philosophie und Nationalökonomie, mußte aber das Lehramt infolge eines bedauerlichen Konflikts mit der Fakultät 1877 niederlegen. Als Philosoph hat D. durch seine klar und in edler Gesinnung und Sprache verfaßten Schriften: "Natürliche Dialektik" (Berl. 1865), "Der Wert des Lebens" (das. 1865, 3. Aufl. 1881) der positiven Philosophie A. Comtes in Deutschland Beachtung und Eingang verschafft. Er schrieb ferner: "Kritische Geschichte der Philosophie" (Berl. 1869; 2. Aufl., Leipz. 1873); "Kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik" (Berl. 1873, 3. Aufl. 1878), welche ihm den ersten Preis der Beneke-Stiftung zu Göttingen eintrug; "Kursus der Philosophie als streng wissenschaftlicher Weltanschauung" (Leipz. 1875); "Der Weg zur höhern Berufsbildung der Frauen" (das. 1877); "Logik und Wissenschaftstheorie" (das. 1878); "Robert Mayer, der Galilei des 19. Jahrhunderts" (Chemn. 1880); "Die Judenfrage als Rassen-, Sitten- und Kulturfrage" (2. Aufl., Karlsr. 1881); "Die Überschätzung Lessings und dessen Anwaltschaft für die Juden" (das. 1881); "Der Ersatz der Religion durch Vollkommneres und die Ausscheidung alles Judentums durch den modernen Völkergeist" (das. 1882); "Neue Grundmittel und Erfindungen zur Analysis, Algebra etc." (Leipz. 1883). In der Philosophie der Gegenwart bildet D. den materialistisch-atomistischen Gegenpol zu Hartmanns mystisch-monistischer Metaphysik, welche sich beide gleichweit nach entgegengesetzten Richtungen von dem durch Lange aus Kants Asche aufgeschürten Neukantianismus entfernen. Dührings nationalökonomische Schriften sind: "Kapital und Arbeit" (Berl. 1865); "Kritische Grundlegung der Volkswirtschaftslehre" (das. 1866); "Die Verkleinerer Careys" (Bresl. 1867); "Kursus der National- und Sozialökonomie" (Berl. 1873; 2. Aufl., Leipz. 1876); "Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus" (3. Aufl., das. 1879). Vgl. Dührings Schrift "Sache, Leben und