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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Duktil - Duller.

Duktil (lat.), streckbar, hämmerbar; Duktilität, Hämmerbarkeit, Streckbarkeit, s. Dehnbarkeit.

Duktion (lat.), Führung.

Dulaure (spr. dülor). Jacques Antoine, franz. publizistischer und historischer Schriftsteller, geb. 3. Dez. 1755 zu Clermont, studierte anfangs Architektur, wandte sich aber bald dem Studium der Erdkunde zu. 1792 in den Nationalkonvent gewählt, gehörte er zur Partei der Gironde und mußte, im Oktober 1793 angeklagt, nach der Schweiz fliehen. Zurückberufen, wurde er 1795 Mitglied des Unterrichtskomitees, kam 1797 in den Rat der Fünfhundert, ward mehrmals zum Deputierten gewählt und 1808 Unterchef in einem Büreau der Finanzen, welche Stelle er nach der Restauration verlor. Er starb 18. Aug. 1835 in Paris. Wir nennen von seinen freisinnigen, besonders antiklerikalen und daher seiner Zeit sehr populären Schriften: "Description des principaux lieux de France" (Par. 1788-90, 6 Bde.); "Étrennes à la noblesse, ou précis historique et critique sur l'origine des ci-devant ducs, comtes, barons, etc." (das. 1790; deutsch: "Kritische Geschichte des Adels", Zur. 1793); "Histoire civile, physique et morale de Paris" (Par. 1821-22, 7 Bde.; neue Ausg., fortgesetzt von Leynadier, 1862, 5 Bde., und 1875 ff.); "Histoire civile, physique etc. des environs de Paris" (das. 1825-27, 6 Bde.; 2. Aufl., hrsg. von Bélin, 1839-40, 6 Bde.); "Esquisses historiques des principaux événements de la révolution française etc. jusqu'au rétablissement de la maison de Bourbon" (das. 1823-25, 6 Bde.; 3. Ausg. 1827, 8 Bde.) und "Histoire de la révolution de 1830" (das. 1838).

Dulbend (pers.), Kopfbund, Turban.

Dulcamara, s. Solanum.

Dulce (lat.), süß; etwas Süßes.

Dulce est desipere in loco, lat. Sprichwort, aus Horaz (Od., IV, 12, 28): Angenehm ist's, bei Gelegenheit närrisch (ausgelassen, fröhlich) zu sein.

Dulce et decorum est pro patria mori, lat. Sprichwort, aus Horaz (Od., III, 2, 13): Süß und ehrenvoll ist's, für's Vaterland zu sterben.

Dulcigno (serb. Ultschin, alban. Ulkun), Hafenstadt in Montenegro, südwestlich von Skutari am Adriatischen Meer, von hohen Mauern umgeben, hat eine Citadelle, die 1696 eine harte Belagerung der Venezianer aushielt, etwa 500 Häuser und ca. 3300 Einw. 1878 von den Montenegrinern erstürmt, mußte D. von ihnen geräumt werden, wurde ihnen später anstatt Tusi wieder zugesprochen und nach längerm Zögern 26. Nov. 1880 übergeben. In der Nähe von D. liegt Eski Olgun, das alte Ulcinium.

Dulcinea, Don Quichottes Geliebte.

Duldsamkeit unterscheidet sich von Geduld (s. d.) dadurch, daß sie nicht auf die Ertragung von übeln, sondern auf jene von abweichenden Meinungen gerichtet, von Indifferentismus (s. d.) aber dadurch, daß dieses Ertragen nicht Folge eigner Überzeugungslosigkeit, sondern mit dem Festhalten an der Wahrheit der eignen Meinung verträglich ist. S. Toleranz.

Dulie (griech.), Verehrung, Anbetung der Heiligen.

Dulk, Albert Friedrich Benno, dramatischer Dichter und Schriftsteller, geb. 17. Juni 1819 zu Königsberg, widmete sich auf der Universität seiner Vaterstadt dem Studium der Medizin und der Naturwissenschaften, setzte, nachdem er in Zurückgezogenheit das Drama "Orla" geschrieben, in Berlin und Leipzig seine naturwissenschaftlichen Studien fort, wurde aber, da er am Grab der bei dem Aufstand vom 12. Aug. 1845 Gefallenen als Redner aufgetreten war, aus letzterer Stadt verwiesen. Ein Jahr später promovierte er zu Breslau, vermochte indessen wegen seiner politischen Ansichten die Erlaubnis, Vorlesungen zu halten, vom Minister Eichhorn trotz der Fürsprache der Fakultät nicht zu erlangen. An den Revolutionsbewegungen des Jahrs 1848 nahm er so thätigen Anteil, daß er es 1849 geraten fand, Preußen zu verlassen. Von da bis 1850 führte er ein Wanderleben (in Italien, Ägypten, Arabien), lebte dann mit seiner Familie nach inzwischen erfolgter Verheiratung am Genfer See, von wo er 1858 nach Stuttgart übersiedelte, und unternahm 1872 eine neue größere Reise nach dem schwedischen Lappland und Norwegen, als deren Resultat die mit seinem Schwiegersohn G. Hartung verfaßten "Fahrten durch Norwegen" (Stuttg. 1877) hervortraten. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Untertürkheim bei Stuttgart nieder. Er starb plötzlich 30. Okt. 1884 auf dem Bahnhof zu Stuttgart. Wie aus seinem Lebensgang, so spricht auch aus seinen Schriften eine eigentümliche Kraft und Selbständigkeit des Wesens. Als Dramatiker gehört er durchaus der kraftgenialen Richtung an, welche mehr durch frappante Stoffwahl und geistreiche Pointen als durch poetische Vertiefung und Wärme der Lebensdarstellung wirkt. Die Dramen: "Orla" (Zür. 1844), "Simson" (Stuttg. 1859), "Jesus der Christ" (das. 1865) sind für diese Richtung besonders charakteristisch; mit dem Kaiserdrama "Konrad II." (Leipz. 1867), dem Drama "Lea" (Königsb. 1874) und dem Schauspiel "Willa" (Wien 1875) näherte er sich der üblichen Weise der dramatischen Dichtung mehr an. D. schrieb auch die von Abert komponierte Oper "König Enzio", in 4 Akten, und brachte eine Bearbeitung von Kleists "Familie Schroffenstein" in Stuttgart auf die Bühne. Als Prosaschriftsteller trat er zuerst auf mit dem Werk "Der Tod des Bewußtseins" (Leipz. 1863), worin er die Grundzüge seiner Anschauungen vom Wesen der Menschheit niederlegte. Später war er als Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften und politischen Blättern von demokratischer und oppositioneller Färbung thätig und sprach sich unter anderm 1871 in der Flugschrift "Patriotismus und Frömmigkeit" (Kaiserslautern 1871) mit Schärfe gegen die Fortsetzung des Kriegs und gegen den Franzosenhaß aus. Die Schriften: "Tier oder Mensch" (Leipz. 1872), "Stimme der Menschheit; christliche Glaubenslehre" (das. 1875-80, 2 Bde.), "Was ist von der christlichen Kirche zu halten? Eine gedrängte Darstellung der Quellen und der Geschichte des Christentums" (Zür. 1877), "Der Irrgang des Lebens Jesu" (Stuttg. 1884-85, 2 Bde.) zeigten D. als unversöhnlichen Gegner der christlichen Weltanschauung und als Bekenner und Vorfechter einer als notwendig erachteten "neuen" Religion.

Dülken, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kempen, an der Eisenbahn M'Gladbach-Venloo, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, die letztere in reinstem gotischen Stil, ein Realprogymnasium, 3 Eisengießereien und Maschinenfabriken, Flachsspinnerei (600 Arbeiter), Fabrikation von Samtwaren, Seidenband, Wollwaren, mechanischen Webstühlen, Baumwollspinnerei, starken Flachsbau in der Umgegend, eine Gasanstalt und (1880) 6540 Einw. (davon 523 Evangelische). D. wird schon 1135 erwähnt und ist seit 1390 Stadt. Vgl. Norrenberg, Chronik der Stadt D. (Viersen 1874).

Dullen, s. v. w. Dollen.

Duller, Eduard, Dichter und Geschichtschreiber, geb. 18. Nov. 1809 zu Wien, studierte daselbst Philosophie und Rechtswissenschaft, versuchte sich aber zu-^[folgende Seite]