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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dumas

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Dumas.

"Histoires de mes bêtes" (1867) und "Nanon" (1867), gingen ziemlich spurlos vorüber; auch andre Unternehmungen, wie die Gründung eines Theaters, Vorlesungen und Vorträge, die er 1865 sogar im Ausland (Wien, Pest, Venedig) fortsetzte, schließlich eine Saucenfabrik, wollten ebensowenig glücken, und müde und gebrochen an Körper und Geist starb D. während der Belagerung von Paris 5. Dez. 1870 im Dörfchen Puys bei Dieppe und wurde im Pfarrdorf Neuville begraben. D. ist der Begründer der modernen, der Romantik entgegentretenden realistischen Richtung in der französischen Litteratur. Der Wert seiner Romane ist ein sehr verschiedener; sittlicher Gehalt fehlt fast allen, um so reicher sind sie an grellen, mit gröbsten Farben aufgetragenen Effekten. Dabei aber fesselt er durch großes Talent im Erzählen, unerschöpfliche Lebhaftigkeit der Phantasie und Geschick im dramatischen Arrangement der Ereignisse und Personen. Im historischen Drama hätte D. bei unbestreitbarem dramatischen Talent dauernde Erfolge erringen können, wenn er sich Zeit genommen hätte, ernstere Studien zu machen und seine Entwürfe sorgfältiger auszuführen. So, wie sie sind, besitzen seine bessern Stücke wohl Bühnenwirksamkeit, aber die Prüfung einer strengern Kritik bestehen sie selten. Von sonstigen Werken sind noch verschiedene historische oder auf der Grenze von Geschichte und Roman stehende Werke nachträglich zu erwähnen, wie: "Jeanne d' Arc" (1842), "Les Médicis" (1845), "Michel-Ange et Raphaël Sanzio" (1846), "Louis XIV et son siècle" (1847), "Louis XV" (1849), "Louis XVI" (1850) u. a., sowie seine "Mémoires" (1852-54, 22 Bde.; 1866, 2 Bde.). Aus seinem Nachlaß erschien 1872 ein "Grand dictionnaire de cuisine" (!), und ein nachgelassenes Bühnenstück: "La jeunesse de Louis XIV", wurde 1873 mit günstigem Erfolg aufgeführt. Von seinen Hauptwerken sind mehrere Gesamtausgaben erschienen, z. B. im "Musée littéraire" und in der "Bibliothèque contemporaine" der Gebrüder Lévy in Paris. Sein "Théâtre complet" kam 1874 in 15 Bänden heraus. Vgl. Fitzgerald, Life and adventures of Alexandre D. (Lond. 1873); Blaze de Bury, A. D., sa vie, son temps, son œuvre (1885); Glinel, A. D. et son œuvre (1885).

4) Alexandre, der jüngere ("fils"), franz. Romanschriftsteller und dramatischer Dichter, geb. 28. Juli 1824 zu Paris, natürlicher Sohn des vorigen, betrat 17jährig, nachdem er kaum die Bänke des Collège Bourbon verlassen hatte, die schriftstellerische Laufbahn mit einem Bändchen Gedichte: "Péchés de jeunesse", begleitete dann seinen Vater auf dessen Reise durch Spanien und Nordafrika und veröffentlichte nach seiner Rückkehr einen phantastischen sechsbändigen Roman: "Histoire de quatre femmes et d'un perroquet" (1847), der zum mindesten die Neugierde des großen Publikums erregte. Eine ganze Reihe andrer Romane, wie: "Le roman d'une femme" (1848), "Césarine" (1848), "La dame aux camélias" (1848), "Le docteur Servans" (1849), "Antonine" (1849), "Trois hommes forts" (1850), "Tristan le Roux" (1850), "Diane de Lys" (1851), "Sophie Printemps" (1853), "La boîte d'argent" (1855), "Vie à vingt ans" (1856) u. a., folgte in wenigen Jahren nach. Von allen diesen Werken zeigte eine eigentümliche Physiognomie nur die "Kameliendame", weil dieselbe unmittelbar nach der Natur gearbeitet war, d. h. die nur wenig idealisierte Geschichte einer früh an der Schwindsucht gestorbenen Pariser Kurtisane enthielt. Der ungewöhnliche Erfolg, den der Roman hatte, steigerte sich noch, als derselbe nach vielen Schwierigkeiten, welche die Zensur erhob, 1852 dramatisiert über die Bretter des Vaudevilletheaters ging; von diesem Tag an datieren die Franzosen ihr modern-realistisches Drama. Das Stück zeichnete sich allerdings durch überaus scharfe Beobachtung der gesellschaftlichen Zustände, sichere Behandlung der dramatischen Form und einen lebendigen, prickelnden Dialog aus; allein dies konnte über das Bedenkliche des Themas, die Verherrlichung und Rehabilitierung des Lasters, nicht hinwegtäuschen, und der Stoff war und blieb ein vom sittlichen Standpunkt aus höchst fragwürdiger, allerdings auch für die Epoche höchst charakteristischer. In zwei spätern Stücken: "Diane de Lys" (1853) und "Le demi-monde" (1855), behandelt der Dichter fast denselben Vorwurf, doch in wesentlich satirischer Absicht und mehr, um nach dem Rechte des Komödiendichters seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten. Fortan war es überhaupt die Stellung des Weibes in der heutigen Gesellschaft, wie sie Gesetz und Sitte speziell in Frankreich geschaffen haben, die er in den meisten seiner Bühnenstücke, nicht immer gleich glücklich, aber mit großer dramatischer und dialektischer Kraft, diskutiert. Wir nennen: "Le fils naturel" (1858); "L'ami des femmes" (1864); "Le supplice d'une femme" (1865); "Héloise Paranquet" (1866); "Les idées de Madame Aubray" (1867); "Une visite de noces", das schlüpfrigste und gewagteste seiner Dramen, und "La princesse Georges" (beide 1871); "La femme de Claude" und "Monsieur Alphonse" (beide 1873); "L'étrangère" (1877). Außerdem legte er seine Theorie von den Rechten und Pflichten des Weibes und den Gebrechen der einschlägigen Gesetzgebung und gesellschaftlichen Anschauung noch in einem Roman: "L'affaire Clémenceau" (1864), nieder, sowie in mehreren Flugschriften, wie: "Lettres sur les choses du jour", "L'homme-femme", "Tue-la!", "Les femmes qui tuent et les femmes qui votent" (1872-80), und in einer größern Streitschrift: "Le divorce" (1880). Seine Ideen über diesen Gegenstand sind indessen, obgleich immer mit großer Prätension vorgetragen, nicht frei von Widersprüchen gröbster Art, und die genannten Schriften haben nur das Verdienst, durch ihre glänzende und kecke Dialektik ein großes Publikum zum Nachdenken über eine der wichtigsten Seiten der sozialen Frage angeregt zu haben. Als Bühnentechniker hat sich D. unstreitig einen der hervorragendsten Plätze unter den Dramatikern der Gegenwart errungen. Fast alle oben genannten Werke sowie der "Père prodigue" (1859), für welchen ihm sein eigner Vater Modell saß, gehören zu den beliebtesten Repertoirestücken. Von seinen Werken aus früherer Zeit sind noch nachzutragen: "Les Revenants", eine Phantasie, in welcher er Werther und Lotte, Paul und Virginie, Manon Lescaut und Ritter des Grieux sich in Braunschweig zusammenfinden läßt (1852); "Le régent Mustel" (1852) und ein Band "Contes et nouvelles" (1853). Tadellos in seinem Privatleben, anspruchslos im Umgang und hilfsbereit für seine Freunde, dabei der Politik grundsätzlich fern stehend, erfreut sich D. persönlich allgemeiner Beliebtheit; 1875 erfolgte seine Wahl in die französische Akademie. Vgl. Potvin, De la corruption littéraire en France (Brüssel 1873); Lacour, Trois théâtres (Par. 1880).

5) Jean Baptiste André, Chemiker, geb. 15. Juli 1800 zu Alais (Gard), erlernte die Apothekerkunst, studierte in Genf Botanik und Chemie und kam 1821 nach Paris, wo er 1823 zunächst als Repetent der Chemie an der polytechnischen Schule, dann als Professor am Athénée, an der von ihm mit-^[folgende Seite]