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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dümmler; Dummrian; Dumonceau; Dumont

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Dümmler - Dumont.

so werden dieselben lange beibehalten, oft bis der Körper das Gleichgewicht verliert. Gegen Berührungen, Kitzeln in den Ohren, leichte Fußtritte auf die Krone etc. zeigen dumme Pferde sich nur wenig oder gar nicht empfindlich. Der Appetit ist bei solchen Pferden oft wenig oder gar nicht vermindert; dieselben fressen aber langsam, beißen zwar oft hastig in das Futter hinein, kauen aber dann langsam und mit öftern Unterbrechungen. Der Puls ist in der Regel verlangsamt. Der Gang ist träge und oft unregelmäßig; die Füße werden langsam, zuweilen in unregelmäßiger Aufeinanderfolge vorgeführt; nicht selten ist der Gang tappend. Manche dumme Pferde drängen nach links oder nach rechts, andre gehen am liebsten geradeaus; alle sind gegen das Gebiß wenig empfindlich. Nachdem die Pferde bis zum Schweißausbruch bewegt sind, treten die angegebenen Symptome stärker hervor. Im heißen Sommer und bei anstrengender Arbeit tritt in den Zufällen des Dummkollers oft eine Steigerung ein. Auch wird nicht selten in dem Krankheitsbild das Vorherrschen des einen oder des andern Symptoms beobachtet. Hiernach unterschied man in der ältern Tierarzneikunde verschiedene Formen des Dummkollers (Schlaf-, Still-, Lauschkoller, Sterngucker). Die Krankheit ist unheilbar; durch Ruhe, kühles Verhalten und leichtverdauliches, weiches Futter kann jedoch eine Besserung erzielt werden. Bei Stuten erfolgt gewöhnlich Besserung, wenn sie belegt werden. Tödlich ist der D. an sich nicht, aber die Pferde verlieren durch denselben erheblich an Wert. Bei der Beurteilung des Leidens für den Dienstgebrauch kommt es vor allem darauf an, ob das betreffende Pferd dienstwillig und folgsam, resp. für eine bestimmte Verwendung überhaupt tauglich ist. Daneben ist festzustellen, ob das am D. leidende Pferd bei guter Behandlung und Pflege eine genügende Menge Futter verzehrt. Denn zuweilen nehmen solche Pferde so wenig Futter auf, daß sie schon aus diesem Grund wertlos sind. In fast allen Ländern gehört der D. zu den Gewährsmängeln (s. d.), die Gewährsfristen sind jedoch in den einzelnen Ländern verschieden. Eine Verwechselung mit Gehirnentzündung (s. d.) ist durch sorgfältige und wiederholte Untersuchungen zu vermeiden.

Dümmler, Ernst Ludwig, deutscher Geschichtsforscher, geb. 2. Jan. 1830 zu Berlin, studierte in Bonn und Berlin Geschichte unter Löbell, Ranke und Wattenbach, erwarb 1852 in Berlin auf Grund der Schrift "De Arnulfo Francorum rege" die Doktorwürde, hielt sich längere Zeit in Wien behufs wissenschaftlicher Studien auf, habilitierte sich 1855 mit der Schrift "De Bohemiae condicione Carolis imperantibus" in Halle und wurde 1858 außerordentlicher, 1866 ordentlicher Professor der Geschichte daselbst. D. ist korrespondierendes Mitglied der Südslawischen Akademie zu Agram, der Societät der Wissenschaften zu Göttingen, der Münchener Akademie und seit 1871 ordentliches Mitglied der Historischen Kommission zu München. Auch redigiert er als Mitglied der Zentraldirektion der "Monumenta Germaniae" die Abteilung "Antiquitates". Außer zahlreichen gelehrten Untersuchungen und Editionen in verschiedenen gelehrten Zeitschriften veröffentlichte er: "Piligrim von Passau und das Erzbistum Lorch" (Leipz. 1854); "Über die ältere Geschichte der Slawen in Dalmatien" (Wien 1856); "Sankt Gallische Denkmale aus der karologischen Zeit" (in den "Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich", Bd. 12, Zür. 1856); "Das Formelbuch des Bischofs Salomo III. von Konstanz" (Leipz. 1857); "Geschichte des ostfränkischen Reichs" (Berl. 1862-65, 2 Bde.; gekrönt mit dem Wedekindschen Preis 1864 und mit dem königlichen großen Geschichtspreis zu Berlin 1870); "Auxilius und Vulgarius" (Leipz. 1866); "Gesta Berengarii imperatoris" (Halle 1871); "Anselm der Peripatetiker" (das. 1872); "Ermenrici epistola ad Grimoldum archicapellanum ex codice Sancti Galli membranaceo" (das. 1873). Endlich vollendete er in Gemeinschaft mit Wattenbach die von Jaffé begonnenen "Monumenta Alcuiniana" (Berl. 1873) und R. Köpkes "Kaiser Otto d. Gr." (in den "Jahrbüchern der deutschen Geschichte", Leipz. 1876).

Dummrian, dummer Jan, Hans; auch s. v. w. Pulicaria dysenterica.

Dumonceau (spr. dümongssoh), Jean Baptiste D., Graf von Bergendael, niederländ. General, geb. 6. Nov. 1760 zu Brüssel, bildete sich zum Architekten, schloß sich bei dem Aufstand gegen Österreich 1788 den Insurgenten Belgiens an, ging, nachdem derselbe unterdrückt worden, nach Frankreich, erwarb sich im Kriege gegen Österreich an der Spitze der von ihm organisierten belgischen Flüchtlinge in der Schlacht von Jemappes und 1793 bei Neerwinden den Grad eines Brigadegenerals, drang 1795 mit Pichegru in Holland vor, ward erster Kommandant von Amsterdam, 1795 Generalleutnant der neuen Batavischen Republik und dämpfte 1796 die aufrührerischen Bewegungen im neuen Staat. Im Mai 1797 erhielt er den Oberbefehl über eine Division, mit welcher er die beabsichtigte Landung in Irland unterstützen sollte, und 19. Nov. 1799 schlug er bei Bergen die in Holland unter dem Herzog von York eingefallenen Russen und Engländer. 1800 führte er ein batavisches Korps nach Franken und nahm die Citadelle Marienberg bei Würzburg. 1805 organisierte er die batavische Armee behufs einer Landung an der englischen Küste, mußte aber bald darauf zu Bernadottes Armee an der Donau stoßen. Nach der Verwandlung der Batavischen Republik in ein Königreich ward er von König Ludwig als Gesandter nach Paris geschickt. Dann wieder zur holländischen Armee berufen, nahm er im Krieg mit Preußen Hameln, ward 1807 zum Marschall von Holland ernannt und nach dem pommerschen Feldzug Mitglied des Staatsrats, focht 1809 auf Walcheren wieder siegreich gegen die Engländer und ward 1810 zum Grafen von Bergendael erhoben und Kommandant der 2. Militärdivision. Am 26. Aug. 1813, während der Schlacht von Dresden, vertrieb er die Russen von den Höhen von Pirna und rettete nach der Schlacht von Kulm seine Truppen durch einen geschickten Rückzug. Bei der Übergabe von Dresden gefangen, kehrte er erst 1814 nach Frankreich zurück, wo ihn Ludwig XVIII. in seinen Würden bestätigte und ihm das Kommando der 10. Militärdivision anvertraute. Nach dem 18. Juni 1815 nahm er seine Entlassung und kehrte in sein Vaterland zurück; wo er vom südlichen Brabant in die Zweite Kammer gewählt wurde. Er starb 29. Dez. 1821 in Brüssel.

Dumont (spr. dümóng), 1) Pierre Etienne Louis, philosoph. Schriftsteller, geb. 18. Jan. 1759 zu Genf, studierte daselbst Theologie, ward 1785 Erzieher der Kinder des Lords Shelburne, nachherigen Marquis v. Lansdowne, in London, hielt sich in den ersten Jahren der Revolution in Paris auf, wo er an den Arbeiten Mirabeaus bedeutenden Anteil hatte, kehrte später nach England zurück; wo er Benthams Ideen verarbeitete und dessen Werke übersetzte, ward 1814 Mitglied des Großen Rats in Genf, wo die Verbesserung des Gefängniswesens von ihm ausging, und