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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dünger

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Dünger (vegetabilische und animalische Dungmittel).

erde) steht ihm an Preiswürdigkeit am nächsten, zumal sie auch in physikalischer Beziehung außerordentlich günstig wirkt. Alle andern Erdarten stehen ihr an Wirksamkeit nach und haben nur als Bodenverbesserungsmittel oft relativ hohen Wert, z. B. Thon für Sandboden, Sand für Thon oder Torf etc. Das Gesamtgebiet der eigentlichen Dungmittel wird am besten in organische, mineralische und gemischte oder organisch-mineralische (Kompost) geschieden.

I. Organische Dungmittel

sind alle diejenigen, welche direkt oder indirekt von organischen Körpern herstammen und deren Natur noch nicht oder noch nicht vollständig verloren haben. Sie enthalten die aus atmosphärischen Bestandteilen von der Pflanze gebildeten Stoffe und entweder alle mineralischen Substanzen, deren die Pflanze bedarf, oder doch viele derselben und zerfallen rasch oder nur nach und nach zu Pflanzennahrung. Dahin gehören zunächst vegetabilische Stoffe, Pflanzen, Pflanzenreste und Fabrikatsreste von Pflanzen. An den Meeresküsten bildet oft der Seetang das einzige Dungmittel, welches in ausreichender Menge zur Verfügung steht; er enthält bis 27 Proz. Kali und bis 5 Proz. Phosphorsäure in seiner Asche; auch das Seegras ist hier von großer Bedeutung, es enthält 1,5 Proz. Kali, 1,6 Proz. Kalk, 1 Proz. Magnesia, 0,38 Proz. Phosphorsäure und 1,4 Proz. Stickstoff. Im kleinen geben Sumpf- und Wasserpflanzen einen willkommenen Zuschuß zum Düngerhaufen, anderwärts das Unkraut, Heide, Ginster, Waldgras u. dgl. Man kann derartigen D. entweder direkt unterackern, oder kompostieren, d. h. mit zersetzenden Substanzen (Ätzkalk, Jauche, Kloakeninhalt u. dgl.) mischen. In der Gärtnerei schichtet man jene Pflanzen nicht selten auch nur einfach übereinander und läßt sie unter fleißigem Begießen zu guter Blumenerde verfaulen. Schilf, Maisstengel, Kartoffelstroh u. dgl. werden ähnlich behandelt oder als Streu in den Stallungen oder als Unterlage auf der Dungstätte verwendet. Die Waldstreu, unterschieden in Moos-, Laub-, Nadelstreu, soll meistens nur das Stroh als Streumittel ersetzen oder in Gärten zu Mistbeetanlagen und als Deckmittel im Winter dienen; sie kann aber auch kompostiert und direkt als D. verwendet werden. Abgeschälte Rasenstücke (Plaggen) werden verbrannt oder, mit Mist geschichtet, der Verwesung ausgesetzt oder auf der Dungstätte und im Viehstall als Unterlage verwendet, Stoppeln, Wurzelrückstände, Runkelblätter u. dgl. meistens direkt untergeackert. Nicht minder guten D. können Trester, Kartoffel- und Rübenmark und Torfabfälle, zersetzt durch Kloakeninhalt oder Jauche, Guanolösung, Kalisalze und Ätzkalk, bilden. Ölkuchen und Malzkeime werden in der Regel lieber verfüttert, als direkt zu D. verwendet. In Belgien und England streut man erstere in Pulverform; direkt über das Feld oder in die Jauche. Unter Umständen entspricht es auch der Absicht des Landwirts, Pflanzen anzusäen und sie nach vollendetem Wachstum als D. unterzuackern (Gründünger). Dies geschieht entweder mit sehr rasch wachsenden Pflanzen zwischen Ernte und Saat oder auf entlegenen und auf armen Feldern in der Art, daß der Pflanzenwuchs eines ganzen Jahrgangs untergeackert wird, um im folgenden Jahr eine Ernte gewinnen zu können. Früher glaubte man durch Gründünger allein einen magern Boden in bessern Kraftzustand bringen zu können und betrachtete den Pflanzenwuchs als reine Bereicherung. Jetzt weiß man, daß auch die Gründüngerpflanze der Nährstoffe im Boden bedarf und nur indirekt die Krume zu bereichern vermag, insofern, als sie aus Luft, Wasser, Krume und Untergrund Nahrung sammelt. Wählt man nun Pflanzen, welche die Fähigkeit, im magern Boden die geringe Menge der vorhandenen Nährstoffe zu sammeln, in höherm Grad als das nachfolgende Getreide besitzen, so wird nach dem Unterackern der Vorfrucht auch jenes zu wachsen vermögen, weil diese ihr die Vorräte an Nährstoffen im Boden durch ihre Verwesung in konzentrierter, leicht assimilierbarer Form bietet, vermehrt um die Summe der aus Luft, Wasser und Untergrund angeeigneten Menge. Daraus geht hervor, daß jede zur Gründüngung dienende Pflanze nur geringe Anforderungen an den Boden stellen darf, rasch wachsen und starke, tief gehende Wurzeln sowie blattreichen Wuchs haben muß; außerdem darf der Same nicht teuer sein. Für Sandboden benutzt man am besten die Lupine, außerdem Raps, Erbsen, Roggen, Spörgel, Buchweizen, Inkarnatklee, Wundklee u. a. Vorteilhaft hilft man noch durch eigentliche Düngung nach, z. B. durch Guano, welcher stark auf den Blattwuchs wirkt, oder durch solchen D., welchen das Getreide direkt nicht immer, wohl aber die Gründüngungspflanze verträgt, z. B. Kalisalze, Salpeter u. dgl. Auf jeden Fall aber muß, wenn durch nachfolgende Ernte der durch die Gründüngung gesammelte Nährstoffvorrat dem Boden wieder entzogen wird, ein Ersatz stattfinden, damit nicht schließlich der Boden so verarme, daß auch die Gründüngungspflanze nicht mehr zu gedeihen vermag und das Feld sich selbst oder der Waldkultur überlassen werden muß. Einige wollen die Vorteile der Gründüngung nur in der physikalischen Bodenverbesserung, resp. in der Erhaltung der sogen. Ackergare suchen und meinen, es sei gleichgültig, ob man die Pflanzen mit unterackere oder nicht, wenn nur sofort nach dem Schnitt, solange der Boden noch infolge der dichten Beschattung feucht und mürbe sei, geackert werde, um der Erhärtung vorzubeugen. Ob und wo die Gründüngung anwendbar ist, muß genaue Berechnung entscheiden. Mit Gründüngung, welche den Humus im Boden erhält oder vermehrt, und mit Handelsdünger in guter Auswahl und reichlichen Gaben kann unter Umständen ein Feld auch dauernd in Kraft erhalten bleiben, beste Bearbeitung und schonende Fruchtfolge vorausgesetzt.

[Animalische Dungmittel.] Was die animalischen Dungmittel betrifft, so werden die Kadaver gefallener Tiere in Gruben mit Ätzkalk zersetzt und bilden einen sehr wirksamen D., weil der Tierleib keine andern Bestandteile als die der Pflanzen enthält und alle Fleischteile, Eingeweide u. dgl. rasch verwesen (Maikäfer, Engerlinge, Mäuse u. a.). Nur die Knochen, Hufe, Haare u. dgl. zersetzen sich langsam und nicht vorteilhaft genug. In Abdeckereien dämpft man daher die Kadaver und gewinnt neben dem Fleischmehl und andern Dungmitteln noch verschiedene Fette zur Beleuchtung und Seifenfabrikation. Fischguano wird aus Abfällen der Walfisch-, Herings- und Kabeljaufischerei oder aus kleinen Seefischen gefertigt; er enthält 7,1-9 Proz. Stickstoff, 0,2-0,3 Kali, 12,5-15,4 Kalk, 0-0,6 Magnesia, 10,1-13,5 Proz. Phosphorsäure. Der Granatguano besteht aus kleinen Seekrebsen, welche auf glühenden Platten in Dungpulver verwandelt werden. Er enthält im Mittel 8,2 Proz. Stickstoff, 1,8 Kali, 11,3 Kalk, 0,6 Magnesia, 3,0 Proz. Phosphorsäure. Fleischreste werden ähnlich behandelt oder kompostiert, Eingeweide mit Ätzkalk zersetzt, und das Blut kann direkt, stark mit Wasser verdünnt, besonders für Obstbäume und Wiesen verwendet oder in