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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dünger

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Dünger (mineralische Dungmittel).

II. Die mineralischen Dungmittel

enthalten nicht alle Bestandteile der Pflanzen und, abgesehen von der Holzasche, auch nicht alle Mineralstoffe, deren diese bedürfen; die Mehrzahl derselben kann also für sich allein nicht zum vollen Ersatz genügen, selbst wenn es gelänge, die Atmosphärilien nach Bedarf aufnehmen zu lassen. Sie üben vermöge ihrer Beschaffenheit nur spezielle Wirkungen auf den Boden aus und erweisen sich bei Mangel an Feuchtigkeit und Humus oft als ganz oder größtenteils unwirksam, oft geradezu als schädlich für keimende Saaten und junge Wurzeltriebe. Sie lassen sich nur in kleinern Quantitäten anwenden und sind daher schwer zu verteilen (Mischung mit Erde oder Sand); in der Regel sind sie rasch wirksam und enthalten nur wenige Prozente wertloser Bestandteile. Ihre ausschließliche Anwendung setzt aber vorzüglich bearbeiteten Boden, höchste Absorptionsfähigkeit desselben und Erhaltung des Humusbestandes durch Gründünger und vorzugsweisen Futterbau voraus. In der Regel dienen sie nur als Bei- oder Hilfsdünger zur Ergänzung des Stallmistes oder zur Hervorrufung bestimmter Wirkungen.

Da aller Boden durch Zertrümmerung und Verwitterung von Gesteinen entstanden ist, so könnten diese selbst zu D. verarbeitet werden oder doch Material dazu liefern. Man hat jedoch bis jetzt nur erst einzelne Bestandteile derselben direkt in D. verwandeln gelernt, z. B. die Phosphate und Feldspate, letztere durch Einwerfen in Jauche, in welcher sie nach und nach löslich werden. Schon den alten Ägyptern bekannt als vorzüglicher D. war die Asche, besonders die von verbrannten Vegetabilien; minder wirksam, aber auch noch verwendbar sind Torf- und Braunkohlenasche, und kaum mehr als physikalisch beachtenswert ist die Steinkohlenasche. Gute Holzasche wird nur noch selten zu haben sein, da sie in der Technik lohnender verwendet werden kann. Die leicht löslichen Bestandteile derselben (das kohlensaure Kali besonders) wirken rasch und energisch, die schwerer löslichen, worunter die Phosphate am wertvollsten, nachhaltig; jene können bei mangelnder Feuchtigkeit ätzend (verbrennend) auf die Pflanzen einwirken und im Boden bedeutsame Umwandlungsprozesse hervorrufen. Sie zersetzen den Humus, zerstören vielerlei Unkraut, besonders Seggen, Binsen, saure Gräser, Moos, begünstigen das Wachstum aller der Pflanzen, welche Kali in größerer Menge bedürfen (Kleearten, Getreide, Rüben), halten schädliche Insekten ab, neutralisieren die Säuren im Boden und bilden mit den Mineralstoffen desselben leicht lösliche Salze. Man gibt die Asche am liebsten im Herbst für Futterfelder, auf sauren Wiesen, auf bindigen, feuchten, humusreichen Böden, auf Feldern im zeitigen Frühjahr, entweder für sich allein oder gemischt mit Gips, Knochenmehl, Jauche, Mist und Kompost, vor und nach der Saat. In Wirkung ähnlich, aber schwächer ist die ausgelaugte Asche oder der Äscherich. Asche von stark schwefelhaltigen Kohlen wird am besten nur zum Kompost verwendet. Bei der Moorbodenkultur verbrennt man den überschüssigen Humus auf dem Feld selbst und erzeugt dadurch die erforderliche Menge von Asche, während das Feuer zugleich die Verwitterung des Bodenbestandes begünstigt. Im Rayon der Hackwaldwirtschaft verbrennt man deshalb auch alles Astholz, Laub u. dgl. auf dem Boden und in Heidegegenden die Plaggen (s. Betriebssystem).

Der Ruß wirkt physikalisch günstig durch seine dunkle Farbe, welche die Sonnenstrahlen absorbiert, so daß der Boden rascher erwärmt wird, ferner durch die Abhaltung von Ungeziefer aller Art und chemisch besonders durch den Stickstoff, welchen der aus Steinkohlenfeuer gewonnene am meisten enthält. Er kann nur im kleinen Anwendung finden und wird obenauf gestreut, oft über den Schnee, um diesen rascher auftauen zu lassen. Salpeter galt schon im Mittelalter als vorzüglicher D., ward jedoch allgemein erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts verwendet. Der Kalisalpeter, wichtig für die Industrie und besonders zur Pulverfabrikation, ist am wirksamsten, weil er außer der Salpetersäure das für die Pflanze bedeutungsvolle Kali enthält; sein hoher Preis verbot aber bisher seine Verwendung zur Düngung. Seit 1835 kennt man den Natron- oder Chilisalpeter, welcher außer etwas Kochsalz und schwefelsaurem Natron nur Salpetersäure und Natron den Pflanzen bietet, aber bedeutsame Umwandlungen im Boden hervorruft. Der Natronsalpeter ist im Wasser leicht löslich, wirkt also sehr rasch und zwar in der Art, daß er sich mit dem von der Feinerde absorbierten Kali und mit den Kalksalzen des Bodens zu salpetersaurem Kali und salpetersaurem Kalk, welche die Pflanze aufnimmt, umsetzt, während das Natron in andrer Verbindung durch das Wasser fortgeführt wird; außerdem macht er zugleich die Phosphate löslicher. Am besten eignet er sich für stickstoffarmen, an Mineralstoffen reichen Boden und für Obenaufdüngung im Frühjahr. Er beschleunigt die Aneignung der Mineralstoffe, also die Erschöpfung des Bodens, und liefert den Pflanzen den ihnen wichtigen Stickstoff in bester Form. Ähnlich in der Wirkung sind die Ammoniaksalze, welche neuerdings in größerer Menge in den Handel kommen. Das Ammoniak wird durch die Feinerde absorbiert und dann zu Salpetersäure oxydiert. Am wertvollsten ist das phosphorsaure Ammoniak, welches auch noch Phosphorsäure liefert; das schwefelsaure Ammoniak wirkt auch durch die Schwefelsäure, und der Salmiak oder das salzsaure Ammoniak bildet durch das Chlor lösliche Chloride, welche nicht immer günstig wirken. Das Gaswasser liefert nur kohlensaures Ammoniak, gleicht also diesem in seiner Wirkung, enthält aber meist eine den Pflanzen giftige Verbindung. Das Kochsalz, bestehend aus Chlor und Natrium, wird vielfach als Dungmittel gepriesen und schon seit 1740 als solches verwendet. Man weiß den Vorzug der sogen. Salzwiesen zu schätzen, und daß das Vieh auf mit Salz gedüngten Stellen das Gras mit Vorliebe frißt. Die Bestandteile des Salzes kommen aber als Pflanzennahrungsmittel kaum in Betracht; das Chlor wirkt sogar schädlich auf zarte Keime und junge Wurzeltriebe. Günstig kann Kochsalz nur durch seine Einwirkung auf die Phosphate wirken. Man verwendet pro Hektar von 4-15 Ztr., von den oben erwähnten Salzen nur bis zu 8 Ztr. höchstens. Die Kalisalze aus Staßfurt bilden neuerdings sehr gesuchte und in Tausenden von Zentnern in den Handel gebrachte Dungmittel, mittels deren man den Pflanzen das oft fehlende Kali zu liefern vermag. Anfangs kannte man nur die Chlorkaliumpräparate, welche auch heute noch des billigen Preises wegen von vielen vorgezogen werden. Der Chlorgehalt macht aber deren Anwendung bedenklich, zum mindesten während der Vegetationszeit. Im Herbst auf Wiesen- und Futterfelder gestreut, schaden sie dagegen nicht; am besten aber finden sie ihre Verwertung bei der Kompostbereitung, als Überstreu über den Mist und auf Bruch- und Moorboden. Vermöge der im Boden vor sich gehenden Umwandlungen kommt durch diese Salze das Kali in tiefere Schichten, was für tief wur-^[folgende Seite]