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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dunoon; Dunoyer; Duns; Duns Scotus; Dunse; Dunst; Dunstable; Dunstan; Dunstkreis; Düntzer

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Dunoon - Düntzer.

des Adels gegen Ludwig XI. wurde er 1464 aller seiner Würden und Güter beraubt, erhielt dieselben aber wieder in dem dem König abgezwungenen Friedensvertrag von Conflans (29. Okt. 1465). 1466 ward er Präsident einer Kommission für Verbesserung der Rechtspflege und starb 24. Nov. 1468 in Lay unweit Paris. Seine Nachkommen stiegen an Würde und Reichtümern, und schon sein Enkel François II. wurde 1505 zum Herzog von Longueville (s. d.) erhoben. Karl IX. und Ludwig XIV. erklärten die D. zu Prinzen des königlichen Hauses, unterließen jedoch die gesetzliche Einregistrierung dieser Standeserhöhung. Seit Louis I. (gest. 1516) waren die D. auch souveräne Fürsten von Neufchâtel, und später kamen sie auch in den Besitz der Grafschaft Valengin.

Dunoon (spr. dönnúhn), Stadt in der schott. Grafschaft Argyll, am Firth of Clyde, mit zahlreichen Villen, sehr besuchten Seebädern und (1881) 4692 Einw.

Dunoyer (spr. dünoajeh), Barthélemy Charles, franz. Nationalökonom und Publizist, geb. 20. Mai 1786 zu Carennac (Lot), gründete 1814 in Gemeinschaft mit Fr. Charles Comte die Zeitung "Le Censeur", welche die Prinzipien von 1789 vertrat, ihrer Freisinnigkeit wegen verfolgt, im folgenden Jahr den Titel "La Collection" annahm und so bis 1819 erschien. Nach der Julirevolution wurde er Präfekt des Departements der Somme, Mitglied des Instituts, 1838 Staatsrat und 1839 Verwalter der königlichen Bibliothek, mußte sich aber nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 ins Privatleben zurückziehen und starb 4. Dez. 1862. Er schrieb: "L'industrie et la morale considérées dans leurs rapports avec la société" (Par. 1825, 2 Bde.; neue Aufl. u. d. T.: "Nouveau traité d'économie sociale", das. 1830); "De la liberté du travail" (das. 1845, 3 Bde.); "Esprit et méthode comparés de l'Angleterre et de la France dans les entreprises des travaux publics" (das. 1840); "La révolution du 24 février 1848" (das. 1849). Aus seinem Nachlaß erschienen: "Le second empire et une nouvelle restauration" (Lond. 1865, 2 Bde.) und "Notices d'économie sociale" (Par. 1870).

Duns (engl. Dunce), Dummkopf, besonders aufgeblasener, geistloser Gelehrter. Vgl. Dunciade.

Dunse (spr. dönns), Binnenstädtchen in Berwickshire (Schottland), mit eisenhaltiger Quelle und (1881) 2437 Einw.

Duns Scotus, Johannes, wegen seiner scharfsinnigen Beweisführung Doktor subtilis genannt, berühmter Scholastiker, Gründer der sogen. scotistischen Schule, zwischen 1270 und 1275 in einem der drei britischen Reiche geboren, trat in den Franziskanerorden, ward Lehrer der Philosophie und Theologie um 1300 in Oxford, 1304 in Paris, später in Köln, wo er 1308 starb. Er hat sein System in durchgängigem Gegensatz gegen Thomas von Aquino ausgebildet und damit eine neue Entwickelung der mittelalterlichen Philosophie angebahnt, welche schon in seinem Schüler Wilhelm v. Occam (s. d.) aus dem Realismus in Nominalismus umschlug, nachdem zuvor D. eine vollständige Revolution in den religiösen und sittlichen Begriffen der Scholastik herbeigeführt hatte durch seine Lehre, daß nicht der Wille von der Vernunft, sondern diese von jenem abhängig sei, wie bei dem Menschen, so in Gott; daß nicht, was gut, Gott wolle, sondern, was als Wille Gottes sich kundgebe, uns unter dem Gesichtspunkt des Guten erscheine; daß alle Wissenschaft, auch die Ethik, Erfahrungswissenschaft, alle Erfahrung zufällig sei. Diese Grundsätze haben D. und seine Schüler im ständigen Kampf mit den Thomisten durch das ganze Gebiet der Dogmatik durchgeführt; der Streit spitzte sich zuletzt zu in der bekannten Kontroverse über die sündlose Empfängnis der Jungfrau Maria, unter deren Protektion D. seine ganze Lebensarbeit gestellt hatte. Seine Hauptwerke sind in dem sogen. "Opus oxoniense sive anglicanum" vereinigt; eine vollständige Ausgabe besorgte der Franziskaner Wadding (Leid. 1639, 12 Bde.). Vgl. Werner, Johannes D. (Wien 1880).

Dunst, diejenige Form der Dämpfe, in der sie, mit feinen, tropfbarflüssigen oder festen Teilchen gemengt, nicht mehr vollkommen durchsichtig sind. Nebel und Wolken sind solche Dünste, ebenso der sichtbare Dampf, welcher aus kochendem Wasser aufsteigt. Der Durchmesser der Dunstbläschen oder Dunstkügelchen hängt von ihrer höhern oder niedern Temperatur ab. Im Artilleriewesen nennt man D. den Wirkungskreis der entzündeten Ladung, innerhalb dessen brennbare Gegenstände verbrannt werden, in der Jägerei feines Schrot, welches kaum die Größe der Mohnkörner hat und zur Erlegung kleiner Vögel dient. In der Technik ein Mühlenprodukt, s. Mühlen.

Dunstable (spr. dönnstäbl), alte Stadt in Bedfordshire (England), am Fuß der Chilternhügel, mit teilweise restaurierter normännischer Abteikirche (von Heinrich I. gegründet). Die Einwohner (1882: 4627) betreiben Spitzenklöppelei und Strohflechterei. Auf den Downs in der Nähe seltsame Erdwerke und große Steinbrüche.

Dunstan (spr. dönnstän), der Heilige, Erzbischof von Canterbury, geboren um 925 in der Grafschaft Somerset, erregte als Mönch durch strengste Askese solches Aufsehen, daß König Edmund um 943 ihn als Ratgeber an seinen Hof berief. Sein Einfluß wuchs noch unter dem folgenden König Edred; später aber wurde er als ein zu strenger Sittenrichter nach Flandern vertrieben. Unter Edgar, seit 957 König, wurde er Bischof von Worcester, 958 auch von London und 959 Erzbischof von Canterbury. Als solcher nahm er die Ordensregeln des heil. Benedikt wieder auf und führte mit Hilfe der Mönche eine strenge Reform der Kirche durch. Jedenfalls war er einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit. Sein Gedächtnistag ist der 19. Mai, an welchem Tag er 988 starb. Vgl. Stubbs, Memorials of Saint D. (Lond. 1874).

Dunstkreis (Dunsthülle), s. v. w. Atmosphäre.

Düntzer, Heinrich, Philolog und Litterarhistoriker, geb. 12. Juli 1813 zu Köln, widmete sich seit 1830 erst in Bonn, sodann in Berlin altklassischen und sprachwissenschaftlichen Studien und veröffentlichte als deren erste Früchte die Schriften: "Die Lehre von der lateinischen Wortbildung" (Köln 1836) und "Die Deklination der indogermanischen Sprachen" (das. 1839). Daneben schrieb er: "J. A. ^[Jacques-Auguste] de Thous Leben, Schriften und historische Kunst" (Preisschrift, Darmst. 1837) und "De versu quem vocant Saturnio" (mit Lersch, Bonn 1838). Im Sommer 1837 habilitierte er sich zu Bonn für altklassische Litteratur, nahm aber 1846 die Stelle eines Bibliothekars am katholischen Gymnasium seiner Vaterstadt an, die er noch gegenwärtig bekleidet, seit 1849 mit dem Titel Professor. In der klassischen Philologie ein Schüler Böckhs und Welckers, veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten, von denen hier nur genannt seien: "Homer und der epische Kyklos" (Köln 1839); "De Zenodoti studiis Homericis" (Götting. 1848); "Kritik und Erklärung der Horazischen Gedichte" (Braunschw. 1840-46, 5 Bde.); "Die römischen Satiriker" (Übersetzung, das. 1846); "Rettung der Aristotelischen Poe-^[folgende Seite]