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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dur.; Dura mater; Durabel; Durakkord; Duramen; Duran; Durance; Durand; Durandi

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Dur. - Durandi.

Dur., bei botan. Namen Abkürzung für J. P. ^[Johann Philipp] Duroi (spr. düroa), geb. 1741 zu Braunschweig, starb 1785 als Aufseher des Veltheimschen Gartens zu Harbke in Braunschweig. Dendrolog.

Durabel (lat.), dauerhaft; Durabilität, Dauerhaftigkeit.

Durakkord (Durdreiklang, harter oder großer Dreiklang), der Zusammenklang eines Haupttons mit reiner Oberquinte und großer Oberterz. Die drei Töne verschmelzen zur einheitlichen Vorstellung des Durklanges (Oberklanges, s. Obertöne). Jeder der drei Töne kann als Vertreter des Durakkords aufzufassen sein, z. B. kann sowohl c als g oder e allein im Sinn des C dur-Akkords verstanden werden; ebenso können zwei Töne des Durakkords diesen vorstellen, z. B. c:g oder c:e oder e:g. Doch sind diese Vertretungen durch einen oder zwei Töne nicht immer unzweideutig, da jeder Ton drei Durakkorde und ebenso viele Mollakkorde vertreten kann (vgl. Klangvertretung). Die praktische Harmonielehre versteht unter D. im engern Sinn die volle dreitönige Gestalt des Durakkords mit dem Grundton im Baß (a), im Gegensatz zu den sogen. Umkehrungen, dem Sextakkord (b) und Quartsextakkord (c):

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wenn nämlich der Terzton oder der Quintton Baßton ist. Dieselben Benennungen braucht man dann auch für mehr als dreitönige Gestalten des Durakkords in enger oder weiter Lage, indem nur in Betracht kommt, ob der Hauptton, die Terz oder Quinte tiefster Ton ist.

Dura mater (lat.), die äußere, harte Haut des Gehirns und Rückenmarks.

Duramen (lat.), s. v. w. Kernholz, s. Holz.

Duran, 1) Augustin, einflußreicher span. Kritiker, geb. 14. Okt. 1789 zu Madrid, besuchte zuerst das Seminar von Vergara, widmete sich dann philosophischen und juristischen Studien und ward Advokat, kehrte aber bald wieder zur Philosophie zurück und trieb nebenbei mit Eifer geschichtliche und staatswissenschaftliche, insbesondere aber litterarhistorische Studien. Eine Stelle bei der Generaldirektion der Studien, die er 1821 erhalten, verlor er nach der Restauration 1823 wieder; dafür ward er 1834 Sekretär der Inspektion über die Druckereien und den Buchhandel des Königreichs, 1836 Oberbibliothekar der königlichen Bibliothek zu Madrid, infolge der Septemberrevolution von 1840 zwar suspendiert, 1843 aber in sein Amt wieder eingesetzt und 1854 zum Direktor der Bibliothek und zugleich zum Mitglied der spanischen Akademie ernannt. Er starb 1. Dez. 1862 in Madrid. Durans Schriften wurden für die neueste Entwickelungsgeschichte der spanischen Nationallitteratur epochemachend. Sein anonym erschienener "Discurso sobre la decadencia del teatro español" (Madr. 1828) sowie seine "Coleccion de romanceros y cancioneros" (das. 1828-32, 5 Bde.), dessen zweite Ausgabe ("Romancero general", das. 1849-51, 2 Bde.) als ein neues Werk zu betrachten ist, endlich seine Sammlung altspanischer Komödien, die "Talia española" (das. 1834, 3 Bde.), haben wesentlich zur Weckung des Nationalgefühls und der Liebe zur volkstümlichen Poesie beigetragen. Auch durch größere Aufsätze in Journalen sowie durch die Einleitung zu den "Sainetes" des Ramon de la Cruz (Madr. 1843) bewies sich D. als Kenner der altspanischen Bühne. Daneben erwarb er sich auch einen Namen durch eigne Dichtungen, unter denen besonders das in der Dichtersprache des 15. Jahrh. abgefaßte Märchen "Las tres toronjas del verjel de amor" (Madr. 1856) Hervorhebung verdient.

2) (spr. dürang) Carolus Auguste Emile, franz. Maler, geb. 4. Juli 1837 zu Lille, bildete sich daselbst bei dem Maler Souchon aus und dann nach dessen Beispiel durch Kopieren alter Bilder im Louvre zu Paris, namentlich von Leonardo da Vinci und Velasquez, wodurch er den Grund zu seiner kraftvollen, plastischen Modellierung und zu seiner breiten malerischen Behandlung legte. Im J. 1861 ging er nach Rom, wo er sich dem Studium des römischen Volkslebens widmete. Früchte desselben sind: das Abendgebet im Kloster San Francesco zu Subiaco (1863) und der Ermordete (1865), eine naturalistische Studie von düsterm Ernst und ergreifender Wirkung. Nach seiner Rückkehr kultivierte er in Paris vornehmlich die Bildnismalerei, wobei er im Gegensatz zu den eleganten Modemalern nach energischer, möglichst naturwahrer, oft ans Brutale grenzender Charakteristik strebte und allen Ausschreitungen der Mode gerecht ward, oft aber auch zu den grellsten Farbenkombinationen gelangte. Die bekanntesten dieser extravaganten Modebilder sind: die Dame mit dem Handschuh (1869, im Luxembourg-Museum zu Paris), die Dame mit dem Hund (1870, Museum zu Lille) und das Kind in Blau. Seit der Mitte der 70er Jahre kultivierte er auch wieder die Genre- und Historienmalerei, wobei er sich Rubens und Paul Veronese zum Vorbild nahm, ohne jedoch von seinem groben Naturalismus zu gunsten eines vornehmern Stils abzuweichen. In rascher Folge entstanden: die Versuchung einer Heiligen, die Badende (1875), die Apotheose der Maria von Medicis (1878, Deckengemälde für einen Saal des Luxembourg-Palastes), die Grablegung Christi (1882), die Morgendämmerung und die Vision (1883). Für religiöse Gegenstände fehlt es ihm auch an Tiefe und Wahrheit der Empfindung und an Adel der Auffassung. Er erhielt 1879 die Ehrenmedaille des Salons und ist Offizier des Ordens der Ehrenlegion.

Durance (spr. dürangs), Nebenfluß des Rhône in Frankreich, entspringt am Westabhang der Kottischen Alpen, am Mont Genèvre, östlich von Briançon in einer Höhe von 2500 m, ist wegen seines starken Gefälles und des vielen Gerölles, das er mit sich führt, nicht schiffbar und mündet nach einem Laufe von 360 oder, wenn man die bei der Vereinigung mit der D. um 20 km längere Clairée als den Quellfluß ansieht, von 380 km unterhalb Avignon. Sein sehr veränderlicher Unterlauf richtet häufig große Überschwemmungen an und entzieht bedeutende Strecken Landes der Kultur. Nebenflüsse sind: links die Ubaye, welche das hübsche Thal von Barcelonette durchströmt, rechts der reißende Calavon.

Durand (spr. dürang), 1) Asher Brown, nordamerikan. Maler, geb. 1796 zu Jefferson im Staat New York, wurde Direktor der dortigen Zeichenakademie und zeichnete sich besonders als Landschaftsmaler aus. Er starb 1874. -

2) Alice, franz. Schriftstellerin, s. Gréville.

Durandi, Jacopo, ital. Dichter, geb. 25. Juli 1737 zu Sant' Agata in der Provinz Vercelli, starb 28. Okt. 1817 in Turin als Präsident der sardinischen Rechnungskammer. Seinen "Opere dramatiche" (Turin 1766, 4 Bde.) schließen sich die "Idillj" (das. 1808) an. Von seinen dramatischen Arbeiten ist "Armida" (1770) von Anfossi und von Haydn, "Annibale in Torino" (1771) von Paesiello in Musik gesetzt wor-^[folgende Seite]