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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Durchbohrt; Durchbrochene Arbeit; Durchfahren; Durchfahrtengerechtigkeit; Durchfall; Durchforstung

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Durchbohrt - Durchforstung.

lich in Wolle und Zucker, nächstdem in Häuten, Mais, Angorahaar, Straußfedern u. a., die Einfuhr (1,751,107 Pfd. Sterl.) in Lebensmitteln, Getränken und Fabrikaten aller Art. Eine Eisenbahn (über Pieter-Maritzburg bis Ladysmith) führt D. die Produkte Natals und der Oranjefluß-Republik zu. Mit England, der Kapstadt und Sansibar besteht Dampferverbindung. - Die Bai von Natal, von Vasco de Gama 1497 am Weihnachtstag entdeckt und danach benannt, blieb unbeachtet, bis die Holländer 1719 hier eine Kolonie anlegten, die indes einen nur kurzen Bestand hatte. Nicht glücklicher waren die Kolonisationsversuche des britischen Leutnants Farewell 1828 und des Hauptmanns Gardiner 1830, welch letzterer eine Republik Victoria mit der Hauptstadt D. gründete. Erst mit der Besitzergreifung der Küste durch England im J. 1842 begann die Stadt aufzublühen, die sich namentlich seit der Trennung Natals von der Kapkolonie (1856) schnell entwickelt hat.

Durchbohrt heißt in der Heraldik die Figur eines Wappens, welche in der Mitte eine (meist runde) Öffnung hat.

Durchbrochene Arbeit, das technische Verfahren, bei welchem der Grund des Materials, auf welches eine Zeichnung oder ein Muster aufgetragen ist, durch irgend eine Manipulation, sei es Ausschneiden, Ausschlagen, Aussägen, Ausfeilen etc., so entfernt wird, daß nur die Linien der Zeichnung stehen bleiben. Beim Metallguß wird die Form so hergestellt, daß sich die d. A. nach Vollendung des Gusses von selbst ergibt. Oft wird nach Entfernung des Grundes unter die d. A. noch ein andrer, meist farbiger Stoff (Seide, Samt, Tuch, Papier u. dgl.) untergelegt, damit die durchbrochenen Ornamente sich schärfer abheben. Durchbrochene Arbeiten werden in Holz, Metall, Elfenbein und mittels des Webens, Stickens, Häkelns etc. auf Stoffunterlagen ausgeführt. Eine besondere Abart in Holz ist die Laubsägearbeit. Eine Brüstung ist durchbrochen, sobald sie nur aus Gitter, Maßwerk, Docken oder andern Ornamenten besteht.

Durchfahren (Durchlängen, Durchörtern, Durchschroten), Gebirgsteile, Felder, Lagerstätten mit Grubenbauen durchschneiden.

Durchfahrtengerechtigkeit, s. Baurecht.

Durchfall (Diarrhöe, Abweichen), die häufige Entleerung dünnflüssiger Massen aus dem Darmkanal. Die nächste Ursache des Durchfalles liegt stets in einer abnorm schnellen, häufig geradezu stürmischen Bewegung des Darmkanals, wobei derselbe seinen Inhalt nach dem untern Darmende hintreibt und zur Entleerung bringt, bevor die wässerigen Bestandteile des Darminhalts von der Darmwand aufgesaugt werden können. Solche beschleunigte Darmbewegung beruht auf Erkrankungen des Darms, Darmkatarrh, Typhus, Cholera, Bauchfellentzündung, seltener auf zentralen, im Gehirn gelegenen Ursachen, z. B. auf starken Gemütsbewegungen, Furcht, Schreck u. dgl. Von den dem D. zu Grunde liegenden Ursachen und anatomischen Störungen hängen demnach auch ihre Dauer und ihr schädlicher Einfluß auf den Organismus sowie die Beschaffenheit der Darmentleerungen selbst ab. Was diese letztere anbelangt, so unterscheidet man: den fäkalen D., wobei die Ausleerungen annähernd normal gefärbt sind und den spezifischen Kotgeruch besitzen; ferner den wässerigen D., wobei die Ausleerungen dünnflüssig, beinahe farblos und geruchlos sind; schleimigen und eiterigen D. findet man bei entzündlichen Krankheiten und Geschwüren des Dickdarms. In den höhern Graden der Ruhr, bei welcher die Darmschleimhaut brandig zerstört wird, sowie bei andern Verschwärungsprozessen im Darm nehmen die diarrhoischen Stuhlentleerungen den jauchigen Charakter an, d. h. sie sind mißfarbig und verbreiten einen intensiven Fäulnisgestank. Blutiger D. endlich kommt vor bei der sogen. roten Ruhr, bei Darmgeschwüren, namentlich beim Unterleibstyphus und andern schweren, mit Blutzersetzung einhergehenden Krankheiten. Obschon der D. in der Mehrzahl der Fälle kein gefahrdrohendes Symptom ist, so darf er doch niemals als ganz gleichgültig betrachtet werden, namentlich nicht bei kleinen Kindern. Die Einwirkungen auf das gesamte Befinden sind so wechselnd, wie ein leichter Darmkatarrh von Ruhr und Cholera verschieden ist; erst in hohen Graden der Darmausleerung ist Wasserverlust des Bluts schädlich oder gar tödlich. Die Behandlung s. unter Darmentzündung, Cholera, Ruhr; das Hauptmittel gegen D. ist Opium.

Die Haustiere erkranken oft am D., dem übrigens sehr verschiedene Ursachen zu Grunde liegen können. Unerheblich ist der D. bei den herbivoren Haustieren nach der Fütterung von jungem Klee und nach dem Besuch der Weiden, beim Rindvieh nach der Fütterung von Schlempe, Rüben, rohen Kartoffeln und Kleie. Von größerer Bedeutung ist derselbe bei ganz jungen Tieren in der Periode des Saugens und in den ersten Monaten nach derselben. Hier besteht eine krankhafte Tendenz zu sauren Gärungen in den genossenen Futtermitteln; die Säuren reizen die Magen- und Darmschleimhaut und unterhalten in derselben einen Katarrh. Gute Dienste leistet hiergegen die anhaltende Verabreichung von Magnesia mit bittern und gerbstoffhaltigen Mitteln. Der durch Erkältung entstehende D. verlangt eine sorgfältige diätetische Pflege der Tiere und Darreichung von Heu und reinem Körnerfutter. Nützlich ist dabei die Darreichung von bittern und schleimigen Medikamenten (kleine Dosen von Aloe, Rhabarber oder Kalmuswurzel mit doppeltkohlensaurem Natron in Altheeschleim). Der chronische D., der in einer krankhaften Auflockerung der Dickdarmschleimhaut beruht, ist bei den Tieren oft unheilbar. Pferde und Rinder erleiden bei demselben nach Wochen oder Monaten eine progressiv zunehmende Abmagerung mit starkem Verfall der Kräfte (kachektischer D.). In seltenen Fällen beruht der D. auf geschwulstbildenden Krankheitsprozessen am Darm oder in Verwachsungen einiger Darmschlingen untereinander oder mit der Bauchwand. Eine Heilung dieser Arten des Durchfalles ist nicht möglich. Als Symptom von Vergiftungen ist der D. gewöhnlich ein Merkmal schwerer und lebensgefährlicher Erkrankung.

Durchforstung, waldbauliche Maßregel der Bestandspflege (s. d.), der Weghieb des für die Bestandsausbildung hinderlichen oder entbehrlichen, durch Bestandsreinigung ausgeschiedenen Nebenbestandes. Die Bestandsreinigung besteht darin, daß beim Heranwachsen eines jungen Holzbestandes infolge der Wurzel- und Kronen erweiterung der Stämme, vermöge deren nicht mehr alle Stämme Raum haben, sich eine Sonderung derselben in zwei Klassen vollzieht, von denen die eine Klasse (der Hauptbestand) vorwüchsig ist, die Stämme der andern Klasse dagegen (der Nebenbestand) im Wuchs zurückbleiben, überwachsen werden und schließlich durch Mangel an Licht absterben. Im Nebenbestand kann man gewöhnlich zurückbleibende Stämme, welche noch in die Krone der Hauptstämme hineinreichen und zum Bestandsschluß beitragen, unterdrückte Stämme, welche bereits von den Hauptstämmen überwachsen sind,