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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Düse; Dusing; Dusommerard; Dussard; Dussek; Düssel; Düsseldorf

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Düse - Düsseldorf.

würdige Städtchen Mzchet (s. d.); davon nördlich wird das Gebirge auf dem berühmten Darielpaß (s. d.) überschritten. Die Russen haben auf diesem Weg eine großartige Heerstraße angelegt und 1873 Terrainuntersuchungen zum Behuf einer Gebirgsbahn von Tiflis nach Wladikawkas angestellt, die sich an die Rostow-Wladikawkasbahn anschließen soll.

Düse (Deule), das Rohr, welches die Gebläseluft ins Feuer leitet; s. Gebläse.

Dusing (auch Duchsing, Dupsing und Teusinke genannt), der mit Schellen und Glöckchen besetzte weite, bis auf die Schenkel herabfallende Gürtel, mit welchem man in der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jahrh. das Obergewand, den Tappert, zu gürten pflegte. Gewöhnlich hing eine Tasche, wohl auch ein Dolch daran.

Dusommerard (spr. düssommörahr ^[düssommörahr]), Alexandre, franz. Archäolog und Kunstsammler, geboren im November 1779, diente in den Revolutionskriegen als Freiwilliger, trat 1801 als Rat in die Rechnungskammer und starb 19. Aug. 1842 in St.-Cloud. Er hatte in seiner Wohnung, dem Hôtel Cluny zu Paris, eine ansehnliche Sammlung von mittelalterlichen Gerätschaften und Kunstgegenständen angelegt, die 1843 vom Staat gekauft und in ein öffentliches Museum verwandelt wurde. Das Resultat seiner Forschungen machte D. in dem Prachtwerk "Les arts du moyen-âge" (Par. 1839-46, 5 Bde. mit 510 Kupfern) bekannt. - Einer seiner Söhne, Edmond D., geb. 27. April 1817, gest. 5. Febr. 1885, war bis zu seinem Tod Konservator jener Sammlung und hat einen Katalog derselben herausgegeben.

Dussard (spr. düssár ^[düssár]), Hippolyte, franz. Volkswirt, geb. 4. Sept. 1798 zu Morez (Jura), trat 1839 in die Redaktion des "Repertoire de l'industrie étrangère", das Zeichnungen und Beschreibungen der wichtigsten im Ausland patentierten Maschinen enthielt. Von 1843 bis 1846 Chefredakteur des "Journal des économistes", wurde er 1848 zum Präfekten des Departements der Niederseine ernannt. Er starb 22. Jan. 1876 in Myer. D. schrieb: "De l'état financier de l'Angleterre et des mesures proposées par les whigs et les tories" (Par. 1842); "Exposition universelle de Londres" (das. 1851); "Le crédit et la production agricole" (das. 1864) etc. Er lieferte auch eine französische Übersetzung von Mills "Prinzipien der politischen Ökonomie".

Dussek, Johann Ludwig, Klavierspieler und Komponist, geb. 9. Febr. 1761 zu Tschaslau in Böhmen, erhielt seine musikalische Erziehung als Chorknabe der Minoritenkirche zu Iglau in Mähren und wurde dann Organist zu Kuttenberg in Böhmen. Von hier ging er in Begleitung eines kunstliebenden Edelmanns nach Amsterdam und dem Haag, wo er als Klavierspieler reichen Beifall erntete und auch seine ersten Klavierkompositionen veröffentlichte. Um noch den Unterricht K. Ph. Em. Bachs zu genießen, begab er sich 1783 nach Hamburg, erregte das Jahr darauf in Berlin durch sein Spiel Sensation und wandte sich dann nach Rußland, wo er beim Fürsten Karl von Radziwill bis 1786 blieb. Nach wechselndem Aufenthalt in Paris, London und Hamburg, wo er überall mit dem größten Erfolg auftrat, lernte er 1802 in Magdeburg den Prinzen Louis Ferdinand von Preußen kennen, der ihn mit nach Berlin nahm und sein Schüler wurde. Nach dem Tode des Prinzen (1806) trat D. in die Dienste des Fürsten von Isenburg, begab sich aber 1808 wieder nach Paris, wo er in ein ähnliches Verhältnis zum Fürsten Talleyrand trat. Er starb 20. März 1812 in St.-Germain en Laye bei Paris. Eine Sammlung seiner Kompositionen, bestehend in zwölf Konzerten, einer konzertierenden Symphonie für zwei Klaviere, einem Quintett und Quartett, zahlreichen Trios, Sonaten, Phantasien etc., erschien in neun Bänden zu Leipzig bei Breitkopf u. Härtel. Als Komponist wie als Virtuose verfolgte D. eine so gediegene Richtung, daß er mit Recht neben Clementi und Cramer zu den klassischen Vertretern seines Instruments gerechnet werden darf, wenn auch seine Werke, mit Ausnahme des Andante "La consolation", Op. 62, und der von ihm gemeinschaftlich mit Pleyel veröffentlichten "Méthode nouvelle pour le piano et notamment pour le doigter" (Lond. 1796 u. öfter), bald nach seinem Tod in Vergessenheit gerieten.

Düssel, kleiner Fluß in der preuß. Provinz Rheinland, entspringt westlich von Elberfeld, strömt zwischen schroffen Kalkwänden, treibt über 50 Mühlen und zahlreiche andre Wasserwerke und geht nach 45 km langem Lauf mit einem Arm bei Düsseldorf in den Rhein, während ein andrer nördlicher bei Kaiserswerth mündet.

Düsseldorf (hierzu der "Stadtplan"), Hauptstadt (Stadtkreis) des gleichnamigen Regierungsbezirks in der preuß. Provinz Rheinland, ehemals des Herzogtums Berg, liegt in einer herrlichen, fruchtbaren Ebene am rechten Ufer des Rheins an der Mündung der Düssel, ist Station der Rechtsrheinischen, der Köln-Mindener und der Bergisch-Märkischen Eisenbahn und besteht aus sechs Stadtteilen: der Altstadt, dem ursprünglichen D., auf der Nordseite der Düssel, mit engen, finstern und unregelmäßigen Straßen, der Karlsstadt, an der Südostseite der Altstadt (1767 angelegt), der in einiger Entfernung liegenden Neustadt, die 1690-1716 erbaut wurde, der Friedrichsstadt am Südende, der Königstadt und Pempelfort an der Ostseite. Die Stadt hat elf öffentliche Plätze: den Alten Markt, seit 1711 mit der kolossalen bronzenen Reiterstatue des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, dem die Stadt ihr Emporkommen verdankt, den Karlsplatz, den Friedrichsplatz, den Burgplatz, den Schwanenmarkt mit Springbrunnen, den Königsplatz, den Alexanderplatz, den Maxplatz mit der 1873 errichteten Mariensäule, den Kirchplatz mit Fontäne, den Corneliusplatz mit dem Denkmal von Cornelius und monumentalem Springbrunnen und den Schadowplatz mit dem Denkmal von Schadow. Unter den 25 Kirchen und Kapellen (4 evangelische, 21 katholische) sind die St. Lambertspfarrkirche mit einem 58 m hohen Turm und dem Mausoleum des Herzogs Wilhelm IV. hinter dem Hochaltar (auf dem Piedestal, von acht Löwen umgeben, ruht die lebensgroße Statue des Herzogs in voller Rüstung aus weißem Marmor), die schön gebaute, aber mit Zierat überladene Andreaskirche (ehemals Jesuiten- und Hofkirche, von 1620) mit der Fürstengruft in einer Rotunde hinter dem Hochaltar, die Maximilianskirche mit schönen neuen Fresken und die evangelische Johanneskirche auf dem Königsplatz im romanischen Stil mit Renaissanceprofilen hervorzuheben. Die ehemalige Kreuzherrenkirche ist jetzt Militärmagazin. Die bemerkenswertesten weltlichen Gebäude sind: das Regierungsgebäude (ehedem Jesuitenkollegium), das prachtvolle neue Postgebäude

^[Abb.: Wappen von Düsseldorf.]