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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Düsseldorf

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Düsseldorf.

im italienischen Palaststil, das Rathaus (auf dem Alten Markt, 1567 erbaut), das Landgerichtsgebäude (seit 1870, am Königsplatz), die städtische Tonhalle mit drei großen Festsälen, das Künstlerhaus Malkasten, das Stadttheater (seit 1874), Provinzialständehaus in reichem italienischen Renaissancestil (am Schwanenspiegel), Kunstakademie im strengen Renaissancestil (am Sicherheitshafen), Kunsthalle (auf dem Friedrichsplatz), Kunstgewerbeschule (an der Rheinwerfte), Kasernen, Garnisonlazarett und großartige Schlachthofanlagen, welche 80 Ar bedecken, die Bahnhofsgebäude, welche gegenwärtig durch Zentralbahnhöfe ersetzt werden, für Personen im O., für Güter im N. und für den Lokalverkehr im S. der Stadt. Die Zahl der Einwohner betrug 1780: 8000, 1816: 26,655, 1880: 95,458 (davon 70,542 Katholiken, 23,630 Evangelische, 1008 Juden) und 31. Dez. 1884: 110,039 Seelen. Die Garnison besteht aus den Stäben der 14. Division, der 27. Infanterie- und 14. Kavalleriebrigade, dem 39. Infanterie-, dem 11. Husaren- und dem 5. Ulanenregiment und 2 Bataillonen Landwehr. D. hat sich im Lauf der Zeit zu einer wichtigen Fabrikstadt herausgebildet. Obenan steht die Eisenindustrie. Anfang 1885 bestanden 20 Werke, welche von 120 bis 690 Arbeiter beschäftigen, darunter eine Eisenfabrik von geschnittenen Nägeln, von Stiften und Stiefeleisen, 2 Eisenröhren- und Walzenfabriken, eine Nieten- und Schraubenfabrik, Puddelwalzwerk, Gußstahlwerk, Eisengießerei und Maschinenfabrik, Lokomotivfabrik, Eisenbahnwagenräder- und Achsenfabrik, Dampfkesselwerk, Puddel- und Eisenblechwalze, eine Fabrik für Werkzeugmaschinen mit Eisengießerei, 2 Eisengießereien, Fabrik für verzinnte und Eisenblechwaaren, Röhrenfabrik, Zündhütchen- und Patronenfabrik, Eisenbahnwagenfabrik und Leuchtgasfabrik mit zusammen 5750 Arbeitern und 4763 Pferdekräften. Unter den Manufakturen sind 10 große Anstalten, welche von 125 bis 450 Arbeiter beschäftigen, und zwar 3 mechanische Baumwollspinnereien und -Webereien, eine mechanische Buntweberei und Baumwollfoulards-Druckerei, eine Gummibandweberei, Kammgarnspinnerei, eine Kattundruckerei, Blaudruckerei und Türkischrot-Färberei mit zusammen 2480 Arbeitern und Dampfmaschinen von 1160 Pferdekräften, zu nennen. Daneben bestand noch eine große Anzahl mittlerer und kleinerer Fabriken für Pianinos, Papier, Pergament, Firnis, Seifen, Gasuhren, Essig, Mineralwasser, Liköre, Schokolade, Senf, Tabak, Zigarren, Möbel, Zement- und chemische Waren, Malerfarben, Bleiweiß, Maschinenöl, feuerfeste Steine, Strohhüte, Wachs- und Gipsfiguren; endlich 68 Bierbrauereien, mehrere Dampfsägemühlen, Dampfmühlen für Getreide und Farbholz, Färbereien, Gerbereien, Ziegeleien, Steinhauereien, Marmorschleifereien, Buchdruckereien, photographische, xylographische und lithographische Anstalten, Glasschleifereien etc. Bedeutend ist auch Düsseldorfs Obst- und Gemüsebau. Die Stadt besitzt Gas- und Wasserleitung und Kanalisation (Abführung durch Schwemmkanäle) und Pferdeeisenbahnen von 10 km Länge, welche die Stadt selbst und deren Umgebung durchziehen. Die Presse ist durch sechs Zeitungen vertreten. Unter den Handels- und Verkehrsanstalten stehen obenan die Handelskammer, eine Reichsbankstelle, ein Gewerbegericht, eine Transportversicherungsgesellschaft, die Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein, die Niederrheinische Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft, die Börse; ferner bestehen in D. der Niederrheinische Bezirksverein deutscher Ingenieure, ein Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen, eine Baubank, der Zentralgewerksverein für Rheinland, Westfalen und angrenzende Bezirke (mit Museum), ein Verein deutscher Eisenhüttenleute. Dazu besitzt die Stadt einen Sicherheits- und Freihafen, welche die lebhafte Schifffahrt und den bedeutenden Handel unterstützen.

Eine besondere Berühmtheit erlangte D. durch die 1767 vom Kurfürsten Karl Theodor gestiftete und 1822 von König Friedrich Wilhelm III. erneuerte Kunstakademie, an deren Spitze Cornelius, Schadow und Bendemann standen, und die seit ihrem Bestehen eine Reihe bedeutender Künstler gebildet hat. Die früher hier befindliche berühmte Gemäldegalerie, 1690 von dem Kurfürsten Johann Wilhelm gestiftet, ward 1805 nach München gebracht, nach dem Krieg von 1866 von Preußen zurückgefordert, aber 1871 freiwillig an Bayern überlassen, wofür D. einen Anteil aus der Kriegsentschädigung enthielt, aus welchem unter anderm die Kunsthalle erbaut wurde. Nur ein Meisterwerk, Rubens' Himmelfahrt Mariä, ist in D. geblieben (in der Kunstakademie). Eine städtische Gemäldegalerie (in der Kunsthalle), die seit etwa 40 Jahren besteht, enthält zur Zeit 70 Gemälde meistens neuerer Düsseldorfer Künstler. Die Stadt besitzt außerdem eine Sammlung von 248 Aquarellnachbildungen der wichtigsten Werke der italienischen Malerei von J. A. ^[Johann Anton] Ramboux, die ihr 1841 vom König von Preußen und der rheinischen Ritterschaft geschenkt wurde. Die Akademie besitzt auch eine kostbare Sammlung von etwa 15,000 Handzeichnungen und etwa 80,000 Kupferstichen sowie von Gipsabgüssen antiker Skulpturen. Sonstige wissenschaftliche und gemeinnützige Anstalten sind: die Sternwarte Bilk (s. d.), ein botanischer Garten im sogen. Hofgarten (s. unten), eine Landesbibliothek von 50,000 Bänden (1770 vom Kurfürsten Karl Theodor gestiftet), ein Staatsarchiv, ein Kunstverein (seit 1828), ein historisches Museum (vorzugsweise lokalen Charakters), ferner ein Gymnasium, ein Realgymnasium, höhere Bürgerschule, 4 höhere Mädchenschulen, ein Theater, eine Bezirksirrenanstalt, ein Korrektionshaus, ein Militärlazarett, ein evangelisches und ein katholisches Krankenhaus (letzteres das Marienhospital). D. ist Sitz der Regierung, der provinzialständischen Verwaltung, eines Landgerichts (für die zwölf Amtsgerichte zu D., Gerresheim, Gladbach, Grevenbroich, Krefeld, Neuß, Odenkirchen, Opladen, Ratingen, Rheydt, Ürdingen und Viersen), einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts und hat 2 Eisenbahnbetriebsämter. Die städtischen Behörden bestehen aus einem Oberbürgermeister mit 6 Beigeordneten und 30 Stadtverordneten. Der schönste und besuchteste unter den zahlreichen Spaziergängen in und um D. ist der Hofgarten, der aus verschiedenen Anlagen, dem eigentlichen Hofgarten, dem botanischen Garten und den geschmackvollen Neuen Anlagen, besteht und jetzt, von neuen Stadtteilen umzogen, mit zur Stadt gehört. Am Ende des Hofgartens, in dem ganz nahe gelegenen Stadtteil Pempelfort, steht der Jägerhof, ein königliches, mit schöner Gartenanlage versehenes Schloß, der Wohnsitz des Erbprinzen von Hohenzollern. Im O. der Stadt liegt der zoologische Garten mit prächtigen Anlagen, im S. der mit seltenen Pflanzen geschmückte Floragarten. Des Schriftstellers Jacobi Haus und Garten in Pempelfort, eine in der Litteraturgeschichte bedeutsame Stätte, ist seit 1860 Eigentum des Künstlervereins "Malkasten" (s. d.) und Mittelpunkt des gesel-^[folgende Seite]