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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dust - Duumviri.

ligen Lebens der Künstler. Das frühere Dorf Oberbilk mit mehreren großen Fabriken ist jetzt ein integrierender Teil der Stadt, zu welcher auch Bilk mit der Sternwarte und Derendorf im N., wo eine Zeitlang Immermann und die Gräfin Ahlefeldt wohnten, zum größten Teil gehören. Im NO. liegen Düsselthal, mit einer vom Grafen von der Recke 1819 angelegten großen Erziehungsanstalt für arme, sittlich verwahrloste Kinder im ehemaligen Trappistenkloster, und Grafenburg, an einer bewaldeten Hügelkette mit weiter Aussicht auf das Rheingebiet. In D. wurden die Dichter und Schriftsteller Joh. Georg und Fr. Heinrich Jacobi, Varnhagen v. Ense und Heinrich Heine, die Maler Peter v. Cornelius, Peter v. Heß und andre berühmte Männer geboren. - D. ward 1288 vom Grafen Adolf von Berg nach der Wöringer ^[richtig: Worringer] Schlacht zur Stadt erhoben und seit 1385 die Residenz der Herzöge von Berg. Nach dem Aussterben des jülich-bergischen Regentenstammes 1609 besetzte der spanische General Spinola als kaiserlicher Kommissar 1614 die Stadt. Nach der Beilegung jenes Erbfolgestreits kam sie mit Jülich-Berg an Pfalz-Neuburg und ward Residenz der Pfalzgrafen und nach deren Aussterben des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Dieser that viel für die Stadt, noch mehr der Kurfürst Karl Theodor, der Schlösser, Sammlungen, Institute gründete und die Karlsstadt baute. Seit 1732 befestigt, ward die Stadt im Siebenjährigen Krieg 1757 von den Franzosen besetzt und im Juni 1758 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig durch Kapitulation eingenommen, jedoch bald wieder verlassen. Im J. 1795 wurde sie nach einem heftigen Bombardement durch Kapitulation den Franzosen übergeben und blieb in deren Besitz, bis sie im Frieden von Lüneville 1801 an Bayern zurückgegeben wurde, worauf die Schleifung der Festungswerke erfolgte. 1806 ward sie Hauptstadt des Großherzogtums Berg und kam mit diesem 1815 an Preußen. Ihr Aufschwung datiert erst seit neuester Zeit. Vgl. Hofacker, Führer durch D. (Düsseld. 1877); Thomas, D., Führer (das. 1885).

Der Regierungsbezirk D. (s. Karte "Rheinprovinz"), der nördlichste Teil der Provinz Rheinland, hat 5467 qkm (99,29 QM.) mit (1880) 1,591,369 Einw. (davon 642,125 Evangelische, 930,643 Katholiken und 13,211 Juden) und zerfällt in die 21 Kreise:

Kreise QKilom. QMeilen Einwohner

Barmen (Stadt) 22 0,39 95941

Düsseldorf (Stadt) 49 0,89 95458

Düsseldorf (Land) 362 6,58 52994

Duisburg (Stadt) 38 0,67 41242

Elberfeld (Stadt) 28 0,51 93538

Essen (Stadt) 9 3,60 56944

Essen (Land) 190 3,60 117904

Geldern 543 9,86 52774

Gladbach 240 4,36 123485

Grevenbroich 237 4,30 40676

Kempen 396 7,19 90554

Kleve 508 9,22 50532

Krefeld (Stadt) 21 0,38 73872

Krefeld (Land) 165 3,00 31749

Lennep 303 5,51 94351

Mettmann 250 4,54 63332

Mörs 565 10,26 63596

Mülheim a. d. Ruhr 431 7,83 132699

Neuß 294 5,34 48591

Rees 524 9,52 63772

Solingen 293 5,34 107365

Vgl. v. Hirschfeld, Statistik des Regierungsbezirks D. (Iserlohn 1874).

Dust (niederd.), Staub.

Düsternbrook, neuer Stadtteil von Kiel, ehemals Dorf, mit prachtvollem Buchenwald und Seebad.

Dustmann, Marie Luise, geborne Meyer, Opernsängerin, geb. 22. Aug. 1831 zu Aachen, erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in Breslau, wo ihre Mutter als beliebte Opernsoubrette wirkte, machte dann weitere Studien in Wien und trat hier nach 1848 auf dem Josephstädter Theater zum erstenmal in die Öffentlichkeit. Der nächste Schauplatz ihrer Thätigkeit war das Hoftheater zu Kassel, an dem sie zwei Jahre unter Spohrs Direktion als erste dramatische Sängerin angestellt war; dann wirkte sie in gleicher Eigenschaft in Dresden, Prag und endlich 1857 in Wien, wo sie bis 1875 eine der wichtigsten Stützen der Hofoper bildete. Im J. 1858 verheiratete sie sich mit dem Buchhändler D. in Wien; 1860 wurde sie zur k. k. Kammersängerin ernannt. Bei ausgesprochener Begabung für den dramatischen Gesang leistete sie namentlich in der Oper Glucks, Mozarts, Webers Vorzügliches; nicht minder auch in den Musikdramen R. Wagners, wiewohl sie die Lösung der höchsten auf diesem Gebiet gestellten Aufgaben jüngern Kräften überlassen mußte ("Tristan und Isolde" wurde bekanntlich in Wien 1863 nach 57 Proben als unausführbar zurückgelegt).

Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas (franz.), "vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt", ein Napoleon I. zugeschriebener Ausspruch.

Dutchman (engl., Mehrzahl: Dutchmen, spr. döttsch- ^[dötsch-]), Niederländer, in Nordamerika geringschätzende Benennung der Deutschen.

Dutens (spr. dütang ^[dütang]), Louis, franz. Schriftsteller, geb. 15. Jan. 1730 zu Tours, wurde Sekretär und Kaplan des britischen Gesandten in Turin, Lord Mackenzie, dann Mitglied der Akademie der Inschriften in Paris und der Royal Society in London, endlich auch Historiograph des Königs von England und starb 23. Mai 1812 in London. Ihm verdankt man die erste ziemlich vollständige Ausgabe von Leibniz' Werken (Genf 1769, 6 Bde.). Außerdem schrieb er: "Recherches sur l'origine des découvertes attribuées aux modernes" (1766, 1776, 1812, 2 Bde.); einige numismatische Schriften; "Histoire de ce qui s'est passé pour le rétablissement d'une régence en Angleterre" (1789); "Table généalogique des héros de romans"; zwei Sammlungen sehr mäßiger Gedichte (1750 und 1767); "Itinéraire aux principales villes de l'Europe" (1775); "Mémoires d'un voyageur qui se repose" (1806, 2 Bde.), welche seine eigne Lebensgeschichte enthalten, u. a. - Sein Neffe Joseph Michel D., geb. 15. Okt. 1765 zu Tours, gest. 6. Aug. 1848, eine Zeitlang als Generalinspektor des Straßenbauwesens thätig, hat sich als Nationalökonom besonders durch seine "Philosophie de l'économie politique" (Par. 1835, 2 Bde.) einen Namen gemacht.

Düttchen (Dütgen, Dötken), Silbermünze, welche sich seit 1440 in Norddeutschland, Preußen, Polen und Dänemark verbreitete. Die alten preußischen und die polnischen (Dreigroschen, Grossus triplex) galten 3 Groschen, die dänischen aus dem 17. Jahrh., die bremischen und lübeckischen 3 lübische Schilling.

Duttenkragen, gesteifte und getollte Halskrause aus feinem Leinenzeug, wie ein Mühlstein den Hals umgebend, war während des 17. Jahrh. in den Niederlanden und Deutschland üblich.

Dütvogel, s. Regenpfeifer.

Dutzend, Zählmaß, = 12 Stück. 12 D. sind ein Groß.

Duumviri (lat., "Zweimänner"), Titel gewisser Beamten teils in Rom, teils in den italischen