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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Duval; Duval le Camus; Duvergier de Hauranne

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Duval - Duvergier de Hauranne.

Landstädten. Die D. capitales oder D. perduellionis wurden angeblich schon von Tullus Hostilius eingesetzt und unter der Republik beibehalten als Richter über Hochverrat. Die D. sacris faciundis waren die Kommission, die mit der Bewahrung und Befragung der Sibyllinischen Bücher beauftragt war; später waren es Decemviri (Zehnmänner) und zuletzt Quindecimviri (Fünfzehnmänner). Die D. navales waren zur Zeit der Republik die Befehlshaber der Flotte, die vom Volk gewählt wurden (seit 311 v. Chr.) und zugleich die Obliegenheit hatten, für Ausrüstung der Flotte zu sorgen; zur Zeit der Kaiser hießen die Anführer der Flotte Praefecti classis. Außerdem werden noch für besondere einzelne Geschäfte eingesetzte D. erwähnt, so D. frumento dividundo (für Getreideverteilung), aedi faciendae (für Erbauung eines Tempels), aedi dedicandae (für Einweihung eines solchen). In mehreren Munizipien und Kolonien waren die D. juri dicundo die obersten Beamten, welche den Senat beriefen, den Vorsitz in demselben führten und zugleich die obersten Richter waren. Sie wurden bis auf Tiberius in der Volksversammlung, nachher vom Senat gewählt.

Duval (spr. düwall), 1) Valentin, franz. Gelehrter, geb. 12. Jan. 1695 zu Arthonnay in der Champagne als Sohn einer armen Bauernfamilie, hieß eigentlich Jameray, erlernte als Hirt der Mönche des Klosters Ste.-Anne bei Lunéville aus mühevoll erworbenen Büchern ohne alle Anleitung Mathematik, Astronomie und Geographie, setzte dann, unterstützt vom Herzog Leopold von Lothringen, seine Studien bei den Jesuiten zu Pont à Mousson fort, ward von dem Herzog zu seinem Bibliothekar und zum Professor der Geschichte an der Ritterakademie zu Lunéville ernannt und ging, als Lothringen 1735 an Frankreich fiel, zugleich mit der herzoglichen Bibliothek nach Florenz, von wo ihn Kaiser Franz I. 1745 als Vorsteher der Münz- und Medaillensammlung nach Wien berief. Hier starb er 13. Sept. 1775. Seine "Œuvres" (fast nur numismatischen Inhalts) wurden von Koch (Petersb. u. Basel 1784, 2 Bde.; Par. 1785, 3 Bde.) herausgegeben. Vgl. Kaiser, Leben Duvals (Nürnb. 1788).

2) Amaury Pineux, franz. Altertumsforscher, geb. 28. Jan. 1760 zu Rennes, wirkte längere Zeit als Gesandtschaftssekretär in Neapel und Rom, verließ 1797 den Staatsdienst und begann mit Chamfort, Ginguené, Say u. a. die "Décade philosophique", die 1807 mit dem "Mercure de France" vereinigt wurde. D. starb 12. Nov. 1838 in Paris. Er schrieb den Text zu Denons "Monuments des arts du dessin chez les peuples tant anciens que modernes" (4 Bde.), zu Baltards "Paris et ses monuments" (3 Bde.) und zu Moisys "Fontaines de Paris, anciennes et nouvelles" (1813) und besorgte die Ausgabe des Montaigne (1820) und Scarron (1821). Vgl. "Amaury D. Souvenirs 1829-30" (Par. 1885).

3) Alexandre Vincent Pineux, franz. Bühnendichter, Bruder des vorigen, geb. 6. April 1767 zu Rennes, machte im Seedienst den amerikanischen Krieg mit, widmete sich nach seiner Rückkehr eifrigst dem Geniewesen und der Baukunst, wurde 1790 Schauspieler und erwarb sich in kurzer Zeit einen Ruf als Lustspiel- und Operndichter. Nachdem er mehrere Jahre hindurch die Direktion verschiedener Theater geführt, wurde er 1812 Mitglied der Akademie und 1831 Verwalter der Bibliothek des Arsenals zu Paris und starb daselbst 10. Jan. 1842. Seine Stücke, welche sich durch geschickte Komposition, interessante Situationen und feinen Dialog auszeichnen, haben unter dem ersten Kaiserreich großen Beifall gefunden. Die besten sind: "Édouard en Écosse" (1802); "Le tyran domestique" (1805); "Le menuisier de Livonie" (1805); "La jeunesse de Henri IV" (1806); "Le chevalier d'industrie" (1809); "La manie des grandeurs" (1817); "Le faux bonhomme" (1821). Von seinen Operntexten ist "Joseph en Égypte" (1807) mit Méhuls Musik weltbekannt geworden. Seine Theaterstücke, von denen die meisten ins Deutsche übersetzt worden sind, erschienen gesammelt in seinen "Œuvres" (Par. 1832-33, 9 Bde.). Außerdem schrieb er: "Le misanthrope du Marais, historiette des temps modernes" (Par. 1832) und "De la littérature romantique" (1833), worin er Victor Hugo anklagt, den Niedergang der dramatischen Kunst verschuldet zu haben, u. a. -

Auch der dritte Bruder, Henri Charles P. D., geb. 1770 zu Rennes, gest. 1847, Sekretär Ginguenés und Mitarbeiter der "Décade", hat sich schriftstellerischen Ruhm erworben mit: "Essai sur la critique" (Par. 1807); "Du courage civil" (1836); "Histoire de France sous le règne de Charles VI" (1842, 2 Bde.) u. a.

4) Jules, franz. Volkswirt, geb. 1813 zu Rodez (Aveyron), war anfangs Advokat in seiner Vaterstadt, verließ aber 1846 die juristische Laufbahn und begab sich 1847 nach Algerien, wo er das "Echo d'Oran" redigierte. Nach Frankreich 1855 zurückgekehrt, übernahm er die Leitung des "Économiste français". Er starb infolge eines Eisenbahnunfalls bei Orléans 20. Sept. 1870. Von seinen Schriften sind zu nennen: "L'Algérie, tableau historique et statistique" (Par. 1854, 2. Aufl. 1859); "Catalogue des produits de l'Algérie" (1855); "Les colonies et l'Algérie au concours national d'agriculture" (1861); "L'histoire de l'émigration européenne au XIX. siècle" (1862); "Les colonies et la politique coloniale de la France" (1864); "Discours sur les rapports entre la géographie et l'économie politique" (1864-67); "Notre pays" (1867); "Notre planète" (1871).

Duval, bei botan. Namen Abkürzung für J. ^[Joseph] Duval-Jouve (spr. düwall-schuhw'), geb. 1810, Inspektor der Akademie in Straßburg. Equisetum, Gramineen.

Duval le Camus (spr. düwall lö kamüh), Jules Alexandre, franz. Maler, geb. 1817 zu Paris als Sohn des Porträt- und Genremalers Pierre D. (gest. 1854), trat in das Atelier Drollings und später in das von Delaroche. Er ahmte in seinen Bildern die Feinheit und Grazie der Werke seines Vaters nach, aber häufig mit einer gewissen Absichtlichkeit und Koketterie, z. B. in dem Frühstück von Marly. Eins seiner Hauptbilder (1861, im Museum des Luxembourg) ist der Dominikanermönch Jacques Element, der sich zur Ermordung Heinrichs III. entschließt. Von den übrigen verdienen genannten werden: die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten (1857); die heil. Elisabeth, Almosen spendend (1863); das Martyrium des heil. Laurentius (1867); die Grablegung Christi; Macbeth und die Hexen etc. Er starb 1878 in Paris.

Duvergier de Hauranne (spr. düwärschjē dö orann), Prosper, franz. Publizist, geb. 3. Aug. 1798 zu Rouen, ward 1824 Mitredakteur und später Eigentümer des "Globe", schloß sich, 1831 zum Deputierten im Departement Cher gewählt, den Doktrinären an und machte sich zur Seele der Koalition, die 1839 das Ministerium Molé stürzte, und als deren Programm seine Schrift "Des principes du gouvernement représentatif et de leur application" (Par.