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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Duverneysche Drüsen; Duvernoy; Duveyrier

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Duverneysche Drüsen - Duveyrier.

1838) betrachtet werden kann. Hierauf trennte er sich von den Doktrinären und wirkte im "Constitutionnel" und "Siècle" für die Partei des linken Zentrums. Zur Beförderung der reformistischen Bewegung veröffentlichte er die sehr wirksame Schrift "De la réforme parlementaire et de la réforme électorale" (Par. 1847), unterstützte eifrigst die öffentlichen Oppositionsbankette in Paris u. in der Provinz, nahm aber nach der Februarrevolution als Mitglied der Nationalversammlung seinen Sitz auf der Rechten, in deren Sinn er auch als Mitglied der Verfassungskommission wirkte. Bei den Wahlen von 1849 fiel D. zwar durch, erhielt aber im Dezember 1850 einen Sitz in der Legislative. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 erst eingekerkert, hierauf 1852 verbannt, begab er sich nach Turin, wo er sich mit geschichtlichen Studien beschäftigte, kehrte aber noch in demselben Jahr nach Paris zurück. An dem politischen Leben nahm er nicht mehr teil; dagegen wurde er 1870 zum Mitglied der Akademie erwählt. Er starb 19. Mai 1881 auf Schloß Herry (Cher). D. schrieb: "Histoire du gouvernement parlementaire de la France" (Par. 1857-73, 10 Bde.). Von seinen sonstigen Schriften sind noch als Jugendarbeiten mehrere Vaudevilles, wie: "Un jaloux comme il y en a peu", "Un mariage à Gretna-Green" etc., und zahlreiche Artikel in Zeitschriften, namentlich in der "Revue des Deux Mondes", anzuführen. - Sein Sohn Erneste D., geb. 7. März 1843, nahm als Kapitän der Mobilgarde an dem Krieg von 1870 teil, ward bei Beaune la Rolande schwer verwundet und 1871 in die Nationalversammlung gewählt, in welcher er sich dem linken Zentrum anschloß. Seit 1876 Mitglied der Deputiertenkammer, starb er 12. Aug. 1877 in Trouville. Er schrieb: "Huit mois en Amérique" (1865, 2 Bde.); "La coalition libérale" (1869) und "La république conservatrice" (1873).

Duverneysche Drüsen, s. Cowpersche Drüsen.

Duvernoy (spr. düwärnŏa), 1) George Louis, Naturforscher, geb. 6. Aug. 1777 zu Montbéliard im Elsaß, wurde Professor in Straßburg, dann am Collège de France in Paris, starb 1. März 1835 daselbst. Er bearbeitete die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere und machte Untersuchungen über die Anthropoiden und über das Nervensystem der Mollusken. Auch lieferte er die letzte Ausgabe von Cuviers "Leçons d'anatomie comparée".

2) Clément Aimé Jean Baptiste, franz. Politiker, geb. 6. April 1836 zu Paris, trat zuerst in Algerien als Journalist auf, war dann Mitarbeiter an verschiedenen Pariser Journalen, näherte sich von 1867 an mehr und mehr der kaiserlichen Regierung, verteidigte in der "Époque" die Versöhnung des Kaisertums mit der Freiheit und erhielt 1868 vom Kaiser den Auftrag, den "Peuple" zu gründen, welcher, vom Kaiser selbst inspiriert und zu sehr billigem Preis verkauft, einen ungeheuern Absatz fand. Zum Dank für seine Leistungen wurde D. bei den allgemeinen Wahlen vom Mai 1869 als offizieller Kandidat aufgestellt und im Departement der Hautes-Alpes zum Abgeordneten gewählt. Im Gesetzgebenden Körper schloß er sich an die Rechte an, kündigte dem Ministerium Ollivier, welches ihm zu liberal und zu parlamentarisch zu Werke ging, die Freundschaft auf und trat infolgedessen von der Chefredaktion des offiziösen Blattes zurück. In Verbindung mit Baron Jérôme David und Forcade de la Roquette bildete er im Gesetzgebenden Körper einen besondern Klub, dem der sogen. Arkadier, aus welchem 10. Aug. 1870, nach dem Rücktritt des Kabinetts Ollivier-Gramont infolge eines von D. beantragten Mißtrauensvotums der Kammer, das "Mameluckenministerium" unter dem Vorsitz des Grafen Palikao hervorging. In diesem übernahm D. das Handelsministerium und erwarb sich dadurch ein großes Verdienst um Frankreich, daß er die rasche und massenhafte Verproviantierung von Paris mit allem Eifer betrieb. Nach der Revolution vom 4. Sept. begab er sich nach England, kehrte im Juni 1871 nach Paris zurück, nahm seine journalistische Thätigkeit wieder auf, schrieb eine Reihe von Artikeln gegen die Regierung des Präsidenten Thiers und gründete im September 1871 das imperialistische Journal "L'Ordre", welches, geschickt redigiert und wohlfeil ausgegeben, großen Absatz und viel Einfluß unter der Masse hatte. Zugleich gab er sich mit Bankgeschäften ab, wurde Direktor der spanischen Territorialbank, ließ sich aber dabei in so unsolide und schwindelhafte Operationen ein, daß die Staatsanwaltschaft 14. April 1874 seine Verhaftung verfügte und das Gericht ihn 25. Nov. zu zweijährigem Gefängnis verurteilte. Er starb 8. Juli 1879. Außer zahlreichen Broschüren schrieb er: "Histoire de l'intervention française au Mexique 1862-67" (1867).

Duveyrier (spr. düwärĭeh), 1) Anne Honoré Joseph, unter dem Pseudonym Mélesville bekannter franz. Theaterdichter, geb. 13. Nov. 1787 zu Paris, studierte Rechtswissenschaft, wurde 1809 Advokat in Montpellier und erhielt in der Folge die Stelle eines kaiserlichen Generalprokurators. Nach der Restauration nahm er seine Entlassung und begann ausschließlich für die Bühne zu arbeiten, nachdem er bereits 1811 ein Lustspiel: "L'oncle rival", mit Beifall zur Aufführung gebracht hatte. Er entfaltete nun eine unglaubliche Fruchtbarkeit und behauptete sich bis in die 50er Jahre neben Scribe und Bayard als der beliebteste Bühnendichter Frankreichs. Namentlich hat er das Vaudeville mit großem Glück behandelt. Von seinen über 300 Stücken, die er durchgängig in Gemeinschaft mit andern verfaßte (namentlich gehörte er zu den fleißigsten Mitarbeitern Scribes), nennen wir: "Frontin mari-garçon" (1821); "Valérie" (1823), worin die Mars glänzte; "L'ambassadeur" (1826); "La chatte métamorphosée en femme" (1827); "Zoé" (1830); "Le chalet" (1834); "Le lac des fées" (1839) etc., sämtlich mit Scribe; außerdem: "L'ermite" (1820); "Le bourgmestre de Saardam" (1825); "Le mariage impossible" (1828); "La séparation" (1830); "Les vieux péchés" (1833); "Elle est folle" (1835); "Le marquis en gage" (1839); "La fille de Figaro" (1843); "Une fièvre brûlante" (1847); "Les bijoux indiscrets" (1850); "La bataille de la vie" (1853); "Monsieur Beauminet" (1854) u. a. D. starb hochbetagt im November 1865.

2) Charles, franz. Bühnendichter, Bruder des vorigen, geb. 12. April 1803, widmete sich der juristischen Laufbahn, war sodann ein enthusiastischer Anhänger des Saint-Simonismus, für den er auch journalistisch thätig war, mußte wegen eines Artikels über die Frauen eine einjährige Haft bestehen und wandte sich dann nach der Zerstreuung der Saint-Simonisten der Bühnenschriftstellerei zu, indem er mit seinem Bruder in Kompanieschaft trat. Zu den mit diesem herausgegebenen Stücken gehören: "Michel Perrin" (1834, eine Hauptrolle von Bouffé); "Clifford le voleur" (1835); "Faute de s'entendre" (1838); "La meunière de Marly" (1841) u. a. D. war außerdem bis 1845 Generalinspektor der Gefängnisse und warf sich unter dem Kaiserreich ganz