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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dvořak; Dwarka; Dwars; Dweidel; Dwernicki; Dwight

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Dvorak - Dwight.

an, die indirekte dritte Person dazuzusetzen (Erzen und Siezen im Singular). So blieb es, als später auch "Herr" und "Frau" weggelassen wurde. Die Anrede per Ihr ward nun eine gewisse Mittelstufe zwischen der tiefsten des Duzens und der höchsten des Erzens und Siezens. Gegen Ende des 17. Jahrh. (die ersten Spuren zwischen 1680 und 1690) begann die feinste Höflichkeit, die Anrede aus der dritten Person des Singulars in die dritte des Plurals zu setzen (Siezen im Plural), und um 1740 war diese Sitte oder Unsitte in der vornehmen Welt allgemein herrschend. In neuester Zeit hat das D., besonders in vertraulichen Kreisen, wieder mehr Platz gegriffen. Quäker und Tiroler, besonders außerhalb ihres Landes, reden alle Welt mit Du an, und bei erstern ist es Glaubenssache; auch der Dichter hat die Freiheit des Duzens. Von den übrigen europäischen Völkern brauchen die Holländer meist Ihr (gij). In Frankreich wird Du (tu) nur bei dem vertraulichsten Verkehr unter intimen Freunden und in der Familie angewendet. Nimmt das Gespräch selbst unter diesen eine weniger vertraute Wendung, so tritt oft plötzlich das gebräuchlichere vous an dessen Stelle. Auch Kinder werden von Fremden und Lehrern vous genannt. Die dritte Person wird von Franzosen nur bei höhern Titeln angewendet. In England gehört die Anrede Du (thou) zu den seltensten Ausnahmen; in der Regel beschränkt sich deren Anwendung auf das Gedicht und das Gebet bei der Anrufung Gottes. Dagegen ist in Italien lei, Sie, in Spanien usted und in Portugal vóssê, eine Zusammenziehung aus vossa mercê (span. vuestra merced, Euer Gnaden), mit der dritten Person des Singulars üblich und nur in vertraulicherer Rede Du oder Ihr im Brauch. Den Schweden ist Du (du) die vertrauliche und väterliche Anrede, er die an weniger bekannte Personen von geringerm Stand und ni das Zeichen besonderer Hochachtung; die Dänen brauchen stufenweise Du (du), Ihr (j) und Sie im Plural (de); doch konstruieren Dänen wie Schweden zu ihrer pluralen Anrede das Verbum im Singular. Die vornehmen Russen, Böhmen, Serben, überhaupt die Slawen, reden, wie die Neugriechen, mit Ihr an; nur die Polen d. sich oder sprechen in der dritten Person mit Pan oder Pani (Herr oder Frau).

Dvořak (spr. dworschák), Anton, Komponist, geb. 8. Sept. 1841 zu Mühlhausen bei Kralup im Prager Kreis als Sohn eines Gastwirts, sollte das Metzgerhandwerk erlernen, trieb aber mit dem Schullehrer des Dorfs, der ihn im Violinspiel und Gesang unterrichtete, lieber Musik und begab sich 1857 auf gut Glück nach Prag, wo er als Violinspieler in eine Kapelle trat und sich zugleich in die damals blühende, unter Pitzsch' Leitung stehende Organistenschule aufnehmen ließ. Unter materiell kümmerlichen Verhältnissen absolvierte er hier seine Studien, erhielt beim Austritt aus der Anstalt den zweiten Preis und nahm 1862 ein Engagement als erster Bratschist beim Nationaltheater an. In dieser Stellung machte er sich mit der Opernlitteratur vollkommen vertraut, während er zugleich als Organist an verschiedenen Kirchen der Stadt fungierte und auch als Komponist thätig war. Indessen gelang es ihm erst 1873, eins seiner Werke, einen Hymnus für gemischten Chor mit Orchesterbegleitung, in Prag zur Aufführung zu bringen. Der Erfolg war durchschlagend, und D. widmete sich nun, aus dem Theater austretend und durch ein mehrjähriges Staatsstipendium unterstützt, ausschließlich der Komposition. Er schrieb Lieder, Duette, Chorgesänge, Sonaten und kleinere Sachen für Klavier, Kammermusikstücke, Symphonien sowie verschiedene Opern, von welchen Werken mehrere, wie namentlich die "Slawischen Tänze", "Klänge aus Mähren" (Duette), "Dumka" (Elegie für Klavier), "Furiante" (böhmische Nationaltänze), "Slawische Rhapsodien" (für Orchester), eine Serenade für Blasinstrumente u. a., durch ihre Originalität und das in ihnen pulsierende Leben auch in Deutschland rasche und allgemeine Anerkennung gefunden haben. D. gehört der nationalen Richtung Smetanas an. Wie dieser hat auch er in seinen Kompositionen die slawischen Rhythmen benutzt und mit großem Erfolg künstlerisch verwertet.

Dwarka, Hafenstädtchen in der ostind. Landschaft Gudscharat, Staat Baroda, an der Südwestseite der Halbinsel Kathiawar, mit dem berühmtesten aller Krischnatempel, der die Stadt zu einem der besuchtesten Pilgerorte des westlichen Indien macht. Die Höhe des Tempels beträgt bis zur Kuppel 23 m und bis zur Spitze der daraufgesetzten reich ornamentierten, aber sehr verwahrlosten Turmpyramide 42,5 m.

Dwars, in der Schiffersprache s. v. w. quer.

Dweidel, Schiffsgerät zum Waschen der Decke, Bänke etc., aus einem Stock mit daran befestigten Wollfäden oder Tuchlappen bestehend.

Dwernicki (spr. -nitzki), Joseph, poln. General, geb. 14. März 1779 zu Warschau, schloß sich 1809 mit einer aus eignen Mitteln ausgerüsteten Reiterschar dem in Galizien eindringenden polnischen Heer unter Poniatowski an, wurde darauf zum Eskadronschef ernannt und zog 1812 mit nach Rußland. Er zeichnete sich hier in dem Korps Dombrowskis, welches den kleinen Krieg bei Mohilew und Bobruisk führte, durch kühne und rasche Unternehmungen aus, bewies sich auf dem Rückzug den Russen als furchtbarer Feind und ward Kommandant des neuorganisierten 15. Ulanenregiments. Nach den Schlachten bei Leipzig und Hanau ward er Offizier der Ehrenlegion und 1814 bei Paris Oberst. In sein Vaterland zurückgekehrt, erhielt er das Kommando des 2. Ulanenregiments und wurde 1826 zum Brigadegeneral ernannt. Kurz nach dem Ausbruch der Revolution von 1830 ward er mit der Organisation der 3. Division der Kavallerie beauftragt und erfocht 14. Febr. 1831 bei Stoczek den ersten Sieg über die weit überlegenen Russen unter General Geismar sowie mit dem General Sierawski einen zweiten bei Nowawiez 19. Febr. über die russische Avantgarde unter dem Fürsten Adam von Württemberg. Nach der Schlacht von Grochow nach Wolhynien gesandt, um daselbst den Aufstand zu organisieren, wurde er von dem überlegenen Rüdigerschen Korps (27. April) genötigt, nach Galizien überzutreten. Hier wurde sein Korps von den österreichischen Behörden entwaffnet und kriegsgefangen nach Ungarn geführt, während man ihm selbst Laibach und später Steier als Wohnsitz anwies. Von da ging er 1832 nach Frankreich und endlich nach London. 1848 kehrte er auf das dem Grafen Zamoyski gehörige Gut Lopatyn in Galizien zurück, wo er im Dezember 1857 starb. Seine "Memoiren" gab Plagowski heraus (Lemb. 1870).

Dwight (spr. dŭeit), Theodore William, bedeutender nordamerikan. Rechtslehrer, geb. 18. Juli 1822 zu Catskill im Staat New York, trat zuerst 1846 als Lehrer auf und ward 1858 an das Columbia College in New York berufen, dem er eine Rechtsschule als besondere Abteilung anfügte, die 1873 von 425 Hörern aus allen Teilen Nordamerikas besucht war. Außer vielen Gelegenheits- und amtlichen Schriften veröffentlichte D.: "Prisons and reformatories in the