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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dyck

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Dyck.

die Verspottung Christi, die Ausgießung des Heiligen Geistes und die beiden Johannes im Berliner Museum und die Kreuztragung in der Dominikanerkirche zu Antwerpen. Im Juli 1620 befand sich van D. noch in Rubens' Haus; er muß aber bald darauf nach England gegangen sein, wo er für Jakob I. thätig und noch 26. Febr. 1621 anwesend war. Im Dezember 1622 befand er sich wieder in seiner Vaterstadt. Im folgenden Jahr ging er nach Italien. Die Geschichte von des Malers Liebe zu einem Bauernmädchen von Saventhem ist ein Märchen; das Bild mit dem heil. Martin, das zu jener Anekdote die Veranlassung gab, wurde bei ihm bestellt und erst 1629 vollendet. Zuerst begab sich van D. nach Venedig, wo die Werke der dortigen großen Koloristen, besonders Tizians und Veroneses, den größten Eindruck auf ihn machten und seine Kunstweise bestimmen halfen; es gibt namentlich Porträte von ihm, deren Behandlung wie ihr goldiges Kolorit an Tizian erinnern. Hierauf begab sich van D. nach Genua, von da nach Rom, wo er im Palast des Kardinals Bentivoglio wohnte und dessen Bildnis (Florenz, Palazzo Pitti) malte. Die Anfeindungen des niederländischen Malerklubs (Schildersbent) sollen ihn zum Weggang nach Genua bewogen haben. Keine Stadt ist so reich an Porträten von van D. wie die letztere, wo die vornehmsten Edelleute sich von ihm darstellen ließen: Werke, deren frische, noch an Rubens erinnernde Auffassung, verbunden mit dem Adel italienischer Vorbilder, von dem Künstler nicht mehr übertroffen wurde. Auch Palermo, ferner Florenz und andre Städte besuchte er und trat dann vermutlich 1626 die Rückreise nach Brabant an. 1627 entstand die großartige Kreuzigung im Dom zu Mecheln. 1629 schenkte er den tief empfundenen Christus am Kreuz (jetzt im Museum von Antwerpen) den Dominikanerinnen; in demselben Jahr entstand das Gemälde mit der heil. Rosalie und 1630 das mit dem Prämonstratenser St. Hermann, die beide zu den Zierden des Wiener Belvedere gehören. Auf Einladung König Karls I. von England begab sich der Künstler im Frühjahr 1632 nach London, wo ihn die größten Ehren und zahllose Aufträge von seiten des Hofs und der Aristokratie erwarteten; am 5. Juli d. J. wurde er Ritter, und 17. Okt. 1634 erhielt er vom König eine jährliche Rente von 200 Pfd. Sterl. Mit dieser Übersiedelung war ein entscheidender Wendepunkt in van Dycks Kunstweise eingetreten: er malte jetzt fast ausschließlich Bidnisse ^[richtig: Bildnisse] und kam kaum noch dazu, sein großes Talent für die Historienmalerei weiter zu verwerten. Er stiftete in London nach dem Vorbild der Antwerpener St. Lukasgilde einen St. Lukasklub und verheiratete sich mit der armen, aber schönen Maria Ruthven, Tochter des Arztes Patr. Ruthven, des fünften Sohns des Grafen von Gowrie. Zu Anfang des Herbstes 1640 ging van D. mit seiner Gemahlin nach Antwerpen und von da nach Paris, wo er Aufträge zur Ausmalung der großen Galerie des Louvre zu erhalten hoffte, sich aber getäuscht sah, da ihm Nic. Poussin vorgezogen wurde. Er wandte sich darauf nach England zurück, wo inzwischen der Streit Karls I. mit dem Parlament sich immer kritischer gestaltet hatte. Seine zum Teil durch Ausschweifungen erschütterte Gesundheit erhielt durch die Strapazen einer beschleunigten Reise den letzten Stoß. Er starb 9. Dez. 1641 in London. Zwei Tage darauf wurde er im Chor der alten St. Paulskirche beigesetzt.

Van Dyck ist nach Rubens der größte vlämische Maler des 17. Jahrh. Im Anfang seiner Laufbahn zeigt er sich noch direkt von seinem Lehrer beeinflußt, wie die oben genannten Bilder beweisen; hier ist die Fleischfarbe noch warm gelblich, die Muskeln schwülstig, das Gefühl derb. Die italienische Reise führte ihn zu feinerer Formauffassung; das Gefühl wird gemäßigter, die Form edler, und die Farbe gewinnt eine feierliche und gehaltene Stimmung. Die genuesischen Porträte und historischen Kompositionen gehören dieser Epoche an. Nach Antwerpen zurückgekehrt, schuf van D. wieder eine größere Zahl von Historienbildern, von denen oben einige genannt sind; auch die Fesselung Simsons im Wiener Belvedere, die ihn noch stark abhängig von Rubens zeigt, gehört wohl in diese Periode. Mit besonderm Glück malte er Darstellungen, worin sich Schmerz und Trauer aussprechen, daher besonders gern die Beweinung Christi (schönstes Exemplar im Museum zu Antwerpen), ferner heilige Familien und überhaupt ruhigere, gemessenere Gegenstände, als es bei Rubens der Fall ist, dessen kühne Bewegtheit und unerschöpfliche Phantasie ihm fehlten. Eine dunkle Färbung, woran freilich oft der unglücklich angewandte Bolusgrund die Schuld trägt, war die natürliche Folge dieser Anschauung. Herrliche Historienbilder dieser Art sind: die Beweinung Christi in München, Christus am Kreuz in Wien, desgleichen in Antwerpen, die Madonna mit der heil. Rosalie in Wien, eine heilige Familie mit dem Engeltanz in St. Petersburg. Hervorragende Bildnisse dieser dritten Periode befinden sich namentlich in München, Berlin, im Louvre und in St. Petersburg. Von den Porträten seiner letzten Periode ist ganz England voll; so edel und vornehm auch der Ausdruck darin ist, so kann man doch nicht verkennen, daß die Frische des Rubens in denselben, namentlich was die spätesten anbelangt, immer mehr gewichen ist, und daß öfter eine oberflächliche Behandlung und eine gewisse Flauheit vorherrschen, was zum Teil darin begründet ist, daß er die ihm massenhaft zuströmenden Aufträge nur mit Gehilfen bewältigen konnte. Bei der Leichtigkeit, womit van D. die Arbeit von statten ging, hat er trotz seines frühen Todes eine Menge von Werken hinterlassen. Sein Heimatsland besitzt deren noch ziemlich viele; so werden in Antwerpen noch gegen 24 gezählt. Im Brüsseler Museum befinden sich eine Kreuzigung Christi, ein trunkener Silen und mehrere Porträte. Vorzüglich reich an Werken van Dycks ist die Münchener Pinakothek; hervorzuheben sind darunter eine kleine Pietà, von wunderbarer Stimmung; Susanna im Bad, von tizianischer Glut; eine Madonna mit dem Kinde; das Porträt der Frau des Bildhauers Colin de Nole und dieser selbst; der Herzog Wolfgang von Neuburg; das noch ganz Rubenssche Bild des Malers Snayers, voll kühnen Lebens und durchsichtiger goldiger Farbe; dann eine Anzahl von kleinen Grisaillen, die der Künstler zum Zweck der Vervielfältigung durch den Kupferstich malte. Im Berliner Museum sind noch hervorzuheben: die bußfertigen Sünder vor Christus und das Bildnis des Thomas von Carignan. Reicher ist die Dresdener Galerie, worin ein heil. Hieronymus und eine Anzahl Porträte (Ryckaert, Parr u. a.) hervorragen. Von ausgesuchter Schönheit sind auch die Gemälde der Galerie zu Kassel (Meustraten, Snyders und Frau, Leers, Bildnisse eines Ehepaars u. a.). Eine besonders große Anzahl von Meisterwerken van Dycks besitzt Wien, namentlich das Belvedere, Porträte sowohl als Historienbilder, worunter wir außer den schon genannten den ergreifenden Christus am Kreuz, die heil. Magdalena und die herrlichen Porträte der Prinzen Ruprecht und Karl Ludwig, Moncadas, des Feldherrn in goldverzierter Rüstung (beide