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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dyslalie - Dysurie.

beigemischt sind, so die Harnbestandteile (Urämie), der Zucker (Zuckerharnruhr), Gallenbestandteile (Gelbsucht) etc.; 3) Beimengung fremdartiger geformter Bestandteile zum Blut, z. B. von Pigmentkörnern bei Melanämie, von Bakterien bei Milzbrand, Pocken, Rückfalltyphus und andern ansteckenden Krankheiten. Meistens wird der Begriff der D. jedoch nicht in diesem nach moderner Anschauung einzig berechtigten Sinn aufgefaßt, sondern es wird darunter nach altem humoralpathologischen Brauch erstens die angeborne oder erworbene, in ihren Ursachen unbekannte Neigung gewisser Individuen zu gewissen Krankheiten (Tuberkulose, Skrofulose) und zweitens das durch das Bestehen von Krebs, Tuberkulose, Syphilis bedingte allgemeine schlechte Ernährungsverhältnis des gesamten Organismus verstanden.

Dyslalie (griech.), diejenige Form des Stammelns, welche ihren Grund in mangelhafter Übung oder in Fehlern der äußern Artikulationswerkzeuge hat.

Dysmenorrhöe (griech., "erschwerter, krankhafter Monatsfluß", Colica uteri menstrualis), jede Menstruation (s. d.), welche von ungewöhnlich schmerzhaften, überhaupt beschwerlichen Umständen begleitet ist und sich zur Amenorrhöe steigern kann. Gewöhnlich klagen die Kranken zu der Zeit, wo die Menstruation erwartet wird, über reißende Schmerzen im Unterleib, welche sich oft in die Oberschenkel hinein erstrecken und bis in den Rücken und die Lendengegend ausstrahlen. Dazu gesellen sich Magenkrampf, Kopfschmerz oder selbst Migräne, Schwindel, Ohrensausen, Ohnmachten, Diarrhöe oder hartnäckige Verstopfung. Oft besteht bei der D. Herzklopfen, Brustbeklemmung, Blutandrang zum Kopf, zuweilen Fieber; ferner erscheint Zittern, und nicht selten wird das Nervensystem aufs heftigste ergriffen, so daß allgemeine Zuckungen und Krämpfe entstehen. Auch örtlich stellen sich zuweilen bemerkenswerte Veränderungen ein, indem die Geschlechtsteile anschwellen, empfindlich werden und in erhöhtem Maß absondern. In der Regel ist die blutige Ausscheidung vermindert, selten vermehrt. Das Blut ist dünnflüssig, blaß gefärbt, stark mit Schleim untermischt. Bei manchen Personen entleert sich mit dem Blut eine sackähnlich gestaltete Haut, welche unter heftigen krampfhaften Schmerzen ausgestoßen wird (Dysmenorrhoea membranacea). Diese Haut sah man früher als eine faserstoffige Ausschwitzungsmasse an, welche sich auf der entzündeten Schleimhaut der Gebärmutter bilden sollte. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß diese Haut ein Gebilde ist, das den bei der Schwangerschaft eintretenden Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut entsprechend ist. Die Behandlung ist von einem sachverständigen Arzt zu leiten, da sie sich in jedem Fall nach den gerade vorliegenden mechanischen Störungen der Gebärmutter richten muß. Körperliche Anstrengungen und heftige Gemütsbewegungen sind vor dem Eintritt der Periode zu vermeiden; während derselben sind warme Umschläge auf den Leib, Pfefferminzthee, bei dauernder Schmerzhaftigkeit Opiate zu empfehlen. Liegt der Hauptgrund der D. in Bleichsucht, so ist eine kräftigende Diät am Platz.

Dysmorphie (griech.), Mißgestaltung, Mißbildung.

Dysodil, Stinkkohle, s. Braunkohle, S. 356.

Dysopie (Dysopsie, griech.), Schwachsichtigkeit.

Dyspepsie (griech., "schlechte oder gestörte Verdauung"), das gewöhnlichste Symptom fast aller Magenkrankheiten, welches sich darin äußert, daß die genossenen Speisen nur langsam und schwierig (Bradypepsie) oder selbst gar nicht (Apepsie) verdaut werden, wobei allerhand lästige Gefühle, wie Druck und Schmerzhaftigkeit der Magengegend, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Neigung zu Erbrechen, Aufstoßen etc., hervortreten. Zuweilen geschieht dies nur nach dem Genuß bestimmter Speisen, während andre gut vertragen und verdaut werden (vgl. Idiosynkrasie). Die nächste anatomische Veranlassung der D. ist gewöhnlich eine entzündliche Affektion der Magenschleimhaut, der sogen. Magenkatarrh, welcher sich zu fast allen organischen Störungen des Magens sowie zu vielen Leiden des Gesamtorganismus (wie zu dem Fieber, den Infektionskrankheiten etc.) hinzugesellt, weshalb mit allen diesen Leiden auch D. verbunden zu sein pflegt. Indessen kommt die D. auch ohne nachweisbare Erkrankung des Magens vor, indem nicht genügende Menge von Magensaft abgesondert wird oder der Magensaft nicht die zur Verdauung erforderliche chemische Zusammensetzung besitzt, oder indem die Bewegungen des Magens vermindert sind und folglich der Speisebrei nicht hinlänglich mit dem Magensaft vermischt wird. Dies ist namentlich der Fall bei blutarmen und bleichsüchtigen Mädchen, bei Leuten, welche durch geschlechtliche Ausschweifungen geschwächt oder durch Kummer und Sorgen, übermäßige Arbeit, Nachtwachen etc. erschöpft sind, und in der Rekonvaleszenz nach langwierigen und angreifenden Leiden (atonische D.). Bei dieser Form der D. ist die Zunge nicht belegt, der Geschmack unverändert und kein übler Geruch aus dem Mund vorhanden; Gewürze und reizende Substanzen werden gut vertragen und erleichtern selbst die dyspeptischen Erscheinungen, während die Beschwerden des Magenkatarrhs dadurch gewöhnlich gesteigert werden. Bei atonischer D. gibt man Eisenpräparate und bittere Mittel, namentlich Quassia in Form einer kalten Maceration. Auch gut gehopftes Bier und Nux vomica sind treffliche Mittel gegen die atonische D. Infolge zu spärlicher Absonderung des Magensafts entsteht die D. auch bei Leuten, welche an den Genuß starker Gewürze und Reizmittel gewöhnt sind, sobald sie die Speisen ohne solche Reizmittel genießen. Bei solcher torpiden D. ist der Gebrauch von Rhabarber, Ipekakuanha, Bitterstoffen etc. zu empfehlen. Auch die abnorm vermehrte Absonderung von Magensaft kann D. hervorrufen. Alkalien, namentlich große Dosen von kohlensaurem Natron und kohlensaurer Magnesia, beseitigen diese Form der D. schnell und sicher.

Dysphagie (griech.), s. Schlingbeschwerden.

Dysphasie (griech.), Störung der Sprache ohne gestörte Gedankenbildung, also nur eine Störung des Vermögens, die Wörter als sinnliche Zeichen mit den Vorstellungen zu verbinden, grammatisch zu formen und syntaktisch zu gliedern, um der Gedankenbewegung ihren Ausdruck zu geben.

Dysphrasie (griech.), durch gestörte Intelligenz verursachte Sprachstörung.

Dyspnöa (Dyspnoë, griech.), das "schwere Atmen", die Engbrüstigkeit, umfaßt alle Arten der behinderten Respiration; vgl. Atmung.

Dysser (Steendysser), s. Gräber.

Dysteleologie (griech.), s. Darwinismus, S. 568.

Dysthymie (griech.), anhaltender deprimierter Gemütszustand, welcher nicht wie die Melancholie in andre Formen von Psychosen übergeht, sondern sich gleich bleibt oder in Heilung oder in spätern Schwachsinn übergeht.

Dystokie (griech.), schwere Geburt.

Dystolith, s. Datolith.

Dystomspat, prismatischer, s. Datolith.

Dysurie (griech.), erschwertes oder mit Schmerzen verbundenes Harnen, s. Harnzwang.