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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ebene

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Ebene (in der Geometrie) - Ebene (in der Geographie).

fehlt, ist eine Mißheirat vorhanden, welche außer der Ausschließung der Standesgleichheit der Ehegatten auch die Wirkung hat, daß die Kinder nicht den höhern Geburtsstand und Rang des Vaters teilen, und daß sowohl die Frau als die Kinder nur diejenigen vermögensrechtlichen Ansprüche an der Hinterlassenschaft des Vaters erhalten, welche von der Voraussetzung der E. unabhängig sind. Daher hat die Frau keinen Anspruch auf das standesgemäße Wittum, und die Kinder sind nicht successionsberechtigt in betreff der Stamm-, Fideikommiß- und Lehnsgüter; jedoch können diese Nachteile durch Verzicht der ebenbürtigen Erben und Einwilligung des Lehnsherrn teilweise gehoben werden. Werden diese Wirkungen der Mißheirat gleich bei Eingehung der Ehe vertragsmäßig bestimmt, so nennt man die Ehe eine Ehe zur linken Hand oder morganatische Ehe. Für die Ehen der Mitglieder regierender deutscher Fürstenhäuser ist der Grundsatz der E. in den Verfassungsurkunden und in den Hausgesetzen vielfach ausdrücklich anerkannt. Kinder aus nicht ebenbürtigen Ehen sind nicht successionsfähig. Vgl. außer den Lehrbüchern des Staatsrechts: Göhrum, Geschichtliche Darstellung der Lehre von der E. nach gemeinem deutschen Rechte (Tübing. 1846, 2 Bde.).

Ebene, in der Geometrie eine Fläche, auf der man von einem jeden Punkt aus nach jedem andern Punkte derselben eine gerade Linie ziehen kann, die ganz in ihr liegt. Eine E. ist bestimmt durch drei nicht in einer Geraden liegende Punkte. Die Lage einer E. ist gegeben durch eine gerade Linie und einen Punkt außerhalb derselben sowie durch zwei einander schneidende und ebenso durch zwei parallele gerade Linien. Zwei Ebenen können eine zweifache Lage zu einander haben: entweder nämlich schneiden sie sich in einer geraden Linie, oder sie treffen in keinem Punkt zusammen und sind dann parallel. Eine gerade Linie ist in dreifacher Lage zu einer E. denkbar: entweder liegt sie ganz in der E., oder sie schneidet diese in einem Punkt, oder sie hat mit der E. keinen Punkt gemeinschaftlich und ist ihr dann parallel. Wenn drei Ebenen einander in drei Geraden durchschneiden, so müssen die letztern, gehörig verlängert, entweder in einem Punkt zusammentreffen, oder sie laufen einander parallel. Werden zwei parallele Ebenen von einer dritten geschnitten, so sind die Schnittlinien parallel. Zwei Ebenen sind parallel, wenn zwei sich schneidende Geraden in der einen zwei sich schneidenden Geraden in der andern parallel sind. Durch einen Punkt außerhalb einer E. läßt sich nur eine einzige mit derselben parallele E. legen. Eine gerade Linie steht auf einer E. senkrecht, sie ist eine Normale, ein Lot oder Perpendikel derselben, wenn sie senkrecht steht auf zwei Geraden in der E., die durch ihren Fußpunkt gehen; sie steht dann senkrecht auf allen solchen Geraden. Üm den Neigungswinkel einer Geraden gegen eine E. zu erhalten, fälle man von einem beliebigen Punkte der erstern eine Senkrechte auf die E.; die Verbindungslinie der Fußpunkte dieser Senkrechten und der Geraden selbst ist dann die (senkrechte) Projektion der Geraden auf die E., und der Winkel zwischen der Projektion und der Geraden ist der gesuchte Winkel. Eine E. steht auf einer andern senkrecht, wenn sie eine Normale der andern enthält; stehen zwei Ebenen auf einer dritten senkrecht, so steht auch ihr Durchschnitt auf dieser senkrecht. Den Neigungswinkel zweier Ebenen erhält man, wenn man beide durch eine E. schneidet, die auf ihnen (also auf ihrer Schnittlinie) senkrecht steht; die beiden in der neuen E. erhaltenen Schnittlinien schließen den gesuchten Winkel ein. In einem Punkt einer E. kann nur Ein Lot errichtet werden, wie sich auch aus einem Punkt außerhalb einer E. nur Ein Perpendikel auf dieselbe fällen läßt.

Ebene, in der Geographie Bezeichnung größerer Landstriche, innerhalb deren keine sehr beträchtlichen Unterschiede des Niveaus vorkommen. Nach der Höhe des Niveaus ü. M. unterscheidet man Hochebenen und Tiefebenen, von welchen erstere mit den sie umgebenden und durchziehenden Bergen die Hochländer (Plateaus) bilden, letztere die Tiefländer. Gewöhnlich nimmt man die Grenze zwischen Hoch- und Tiefebenen zu 250-300 m ü. M. an, über welche Höhe sich aber das Durchschnittsniveau mancher Hochebenen noch sehr bedeutend erhebt, so Iran im Mittel 1200 m, Südafrika über 1900 m, Mexiko über 2200 m und Peru an 3000 m ü. M. Geringer ist die Höhe der Hochebenen Europas: Spanien 600-700 m, Bayern 500 m. Hochebenen, namentlich in heißern Gegenden vorzüglich zu Kulturstätten geeignet, liegen fast ohne Ausnahme am obern Lauf erheblicher Ströme, so z. B. die kastilischen Hochebenen am Oberlauf des Tajo und Duero, die ebene Schweiz am Rhein und seinen Nebenflüssen, die bayrische E. an der Donau, dem Inn, Lech etc., so auch Mexiko, Peru. Die Tiefebenen, welche in Klimaten jeder Art als Kultursitze zu dienen imstande sind, liegen ebenfalls zum Teil an größern Strömen, wie z. B. die Donau abwärts von Bayern noch vor ihrem Eintritt in das Küstentiefland der Walachei und Bulgarei drei Tiefländer, das Marchfeld, die Kleine und die Große ungarische E., durchströmt, der Rhein unterhalb der Schweiz noch das Rheinthal (Baden, Elsaß), bevor er durch das Schieferplateau des Rheinlandes bricht, die Elbe nebst Moldau Böhmen vor dem Durchbruch durch die sächsischen Grenzgebirge. Andalusien, das Departement Gironde, Oberitalien, die große Mississippi-E., das brasilische Tiefland am Amazonenstrom, das Land am Indus und Ganges, das chinesische Tiefland, Mesopotamien etc. sind ebenfalls Tiefebenen, welche sich um ein größeres Stromgebiet gruppieren. Andre dehnen sich an Küsten entlang, wie z. B. die patagonische, die provençalische, ostschwedische E., der appalachische Küstensaum, der von Chile etc., und sind dann mehr oder weniger terrassiert. Von noch größerer Bedeutung sind aber die ausgedehnten Ebenen, welche sich über große Teile ganzer Kontinente erstrecken, so z. B. die nordasiatische Tiefebene vom äußersten Osten bis zum Ural, die sich nach kurzer und unvollständiger Unterbrechung durch dies Gebirge über Rußland durch Polen, Preußen, Norddeutschland bis in die Jütische Halbinsel und durch Holland bis in das westliche Frankreich ausdehnt; ferner die nordamerikanische E. vom Hudsongebiet bis zum Eismeer und bis Alaska. Diese großen Flächen greifen nicht nur über viele Stromgebiete hinüber, sondern umschließen auch mannigfaltigere Niveaudifferenzen, welche zwar der absoluten Höhendifferenz nach unbedeutende, aber oft weit sich erstreckende Höhenzüge (Landrücken) veranlassen. Sind die letztgenannten Ebenen durch Wasserreichtum, namentlich auch Landseen, ausgezeichnet, so ist dagegen die große afrikanische E., die der Sahara, nur sparsam durch sporadische Oasenseen und Oasenquellen bewässert, hat aber ebensowohl große Verschiedenheiten in ihrer Meereshöhe wie die andern größern Ebenen, auch abgesehen von tief eingewaschenen Wasserrissen und von kleinern Höhenzügen. Während der Teil nächst dem Atlas sich terrassenförmig an diesen anlegt, der Teil, welcher an Ägypten grenzt, die Li-^[folgende Seite]