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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ebenezer; Ebenfurth; Ebenhausen; Ebenhöch; Ebenholz; Ebenieren; Ebenmaß; Ebensee; Ebensfeld; Eber

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Ebenezer - Eber.

bysche Wüste, höher als das Nilthal ist, hat Rohlfs eine Senkung, welche tiefer als das Mittelmeer liegt, im Umkreis des kleinen Hochplateaus von Barka (Kyrenaika) konstatiert. Den Untergrund der vollständigsten Ebenen bilden geschichtete Gesteine in horizontaler oder doch annähernd wagerechter Lagerung, gewöhnlich mit einem sanft welligen, losen Schwemmland bedeckt und aus diesem nur an den Rändern oder in einzelnen inselartigen Partien hervorragend oder unter dem Schwemmland durch Flußläufe angeritzt. Daß aber solch geschichtetes Material oft in mehrfachem Wechsel verschiedener Formationen ununterbrochen unter dem Schwemmland hinzieht, beweisen die Bohrungen, die in Ebenen oft zur Aufsuchung von Wasser oder technisch wichtigen Mineralstoffen (Salz, Kohlen) vorgenommen werden. Die Beschaffenheit des Bodens, welcher das Schwemmland bildet, ist vor allem wichtig für die Kultur. Reiner Sand erschwert die Kultur, wie z. B. in der Mark, Niederlausitz; ähnlich wirkt Gerölle, Kies. Günstiger ist feinerer und unreiner Sand, sehr günstig Schlick, Mergel, Löß, auch der Lehm und, wenn er nicht zu dicht ist, der Thon, dessen Nachteile zudem neuerdings durch künstliche Beihilfe, Drapierung, sehr vermindert werden können. Bei Dürre und beim Vorhandensein von Salz macht insbesondere der Sand die Kultur unmöglich, wie in den großen Wüsten Afrikas, Asiens, Australiens. Ist der Boden minder ungünstig oder doch periodisch eine gewisse Wassermenge vorhanden, und erzeugt sich wenigstens vorübergehend eine nutzbare Vegetation, so bildet sich die Steppe und die auf ihr heimische Nomadenkultur. Die wichtigsten Kulturstätten finden sich nicht immer im Zentrum größerer Ebenen, sondern häufig an der Küste oder am Gebirgsrand; daß aber auch jenes der Fall sein kann, beweisen manche unsrer Hauptstädte, wie Berlin, Paris, Moskau, Madrid, ferner die ältesten Städte Ostindiens u. a. Vgl. Gebirge.

Ebenezer ("Stein der Hilfe"), Ort in Palästina, unweit Mizpa in Judäa, wo Samuel ein Denkmal an den Sieg über die Philister setzte, in welchem er die Bundeslade wiedergewonnen hatte (1. Sam. 7, 12). Auch Name einer Station der Rheinischen Missionsgesellschaft im Kapland in der Grafschaft Clanwilliam, am Olifantfluß.

Ebenfurth, Stadt in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Wiener-Neustadt, an der Leitha und der Eisenbahn von Wiener-Neustadt nach Grammat-Neusiedl, welche hier von der Eisenbahn Ödenburg-Leobersdorf durchkreuzt wird, nahe der ungarischen Grenze, hat ein altes Templerschloß mit schönem Tiergarten (Damwild), eine Baumwollspinnerei, Papierfabrik, Dampfmühle und Rollgerstefabrik und (1880) 2229 Einw.

Ebenhausen, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Schweinfurt-Meiningen und E.-Kissingen der Bayrischen Staatsbahn, mit Schloß und (1880) 450 Einw.

Ebenhöch (Wandelturm), fahrbarer Belagerungsturm, gleich der Helepolis der Griechen und Römer; s. Kriegsmaschinen.

Ebenholz (griech. ébenos, v. hebr. eben, "Stein"), Bezeichnung verschiedener harter und schwerer wertvoller Kunsthölzer. Das echte, schwarze E. stammt von Diospyros Ebenum Retz., D. Ebenaster Retz. und D. melanoxylon Roxb., in Indien und auf den Inseln des Indischen Archipels, auch von D. melanidea Poir., auf Réunion und Ile de France. Das schwarze Kernholz hebt sich an dem zuletzt genannten Baum scharf von dem Splint ab, in welchen es häufig inselartig hineinragt, so daß die Schnittflächen weiß gefleckt erscheinen (weißes E.). Auch Maba Ebenus Spreng., auf den Molukken, liefert echtes E. Das tief schwarze Kernholz von Diospyros Ebenum zeigt auf dem Querschnitt fast keinerlei Strukturverhältnisse, unter der Lupe treten die Markstrahlen in Form von überaus zarten, perlschnurartigen Gebilden hervor; es ist hart, fein und schwer, vom spez. Gew. 1,187. Das grüne (braune, gelbe) E. von Bignonia leucoxylon L., in Südamerika und Westindien, ist sehr hart und dauerhaft, frisch angeschnitten bräunlich mit grüngelben Punkten, wird an der Luft tief braun bis schwärzlich mit einem Stich ins Grünliche; es ist fein im Gefüge, gut schneidbar, vom spez. Gew. 1,210. Ein andres grünes E. stammt von Brya Ebenus, in Westindien. Auch Aspalathus Ebenus L. (Pterocarpus Ebenus Pers.), in Südamerika, liefert eine Art E. Als nordisches oder abendländisches E. wird das Buchsbaumholz bezeichnet, als falsches E. das sehr harte, schön braunschwarze Holz von Cytisus Laburnum. Deutsches E., s. Taxus. Rotes E., s. Grenadillholz. Künstliches E. wird teils durch Beizen harter heimischer Hölzer (Birnbaum, Pflaumenbaum, Hainbuche), teils mit Hilfe von plastischen Massen hergestellt.

Ebenieren, ursprünglich s. v. w. mit Ebenholz auslegen; dann feine Tischlerarbeit verfertigen; Ebenist, Kunsttischler.

Ebenmaß, s. Symmetrie.

Ebensee, Dorf in der oberösterreich. Bezirkshauptmannschaft Gmunden, in schöner Lage, 425 m ü. M., am Südende des Gmundener Sees, an der Mündung der Traun und an der Salzkammergutbahn, mit (1880) 1053 Einw., einem großen Salzsudwerk (in dem am linken Traunufer gelegenen Langbath), welches 1883: 560 Arbeiter beschäftigte und 1,15 Mill. hl Salzsole (aus den Bergwerken von Hallstatt und Ischl) zu 367,000 metr. Ztr. Salz verarbeitete, einer Chemikalien- und einer Uhrenfabrik, Badeanstalt und einer Fachschule für Holzindustrie. In der Nähe von E. liegen mehrere Seen: 11 km südöstlich der 6 qkm große Offensee, westlich (9, resp. 12 km) der vordere und hintere Langbathsee, in erhabener Waldeinsamkeit.

Ebensfeld, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, am Main und an der Bahnlinie Bamberg-Hof, mit (1880) 794 Einw. In der Nähe der Veitsberg mit Kapelle und schöner Aussicht.

Eber, männliches Schwein, insbesondere Wildschwein; s. Schwein.

Eber (Eberus), Paul, hervorragender Theolog der Reformationszeit, geb. 1511 zu Kitzingen in Franken, bezog 1532 die Universität von Wittenberg und begann hier 1536 philosophische und exegetische Vorlesungen. Er bekleidete seit 1544 die Professur der lateinischen Grammatik daselbst, wurde 1557 Prediger an der Schloßkirche und Professor der hebräischen Sprache, 1558 Stadtpfarrer und Generalsuperintendent. Nach Melanchthons Tod Hauptvertreter der Richtung desselben, zog er sich durch seine im Abendmahlsstreit zwischen den Gegensätzen vermittelnde Schrift "Unterricht und Bekenntnis vom heiligen Sakrament des Leibes und Blutes Christi" (1562) den bittersten Haß der streng lutherischen Partei zu. Er beteiligte sich 1557 am Religionsgespräch zu Worms, 1569 am Kolloquium in Altenburg und starb 1569 in Wittenberg. Er schrieb in lateinischer Sprache eine "Geschichte des jüdischen Volkes seit seiner Rückkehr aus dem babylonischen Exil" (1548) und machte sich auch als Dichter geistlicher