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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ebersdorf; Ebersheim; Eberstadt; Eberstein; Ebersteinburg; Eberswalde

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Ebersdorf - Eberswalde.

2) Karl Julius, Sohn des vorigen, geb. 7. Sept. 1831 zu Wien, wurde Militär und starb 4. April 1876 als Professor an der Militärakademie zu Wiener-Neustadt. Er schrieb: "Aus dem Wanderbuch eines Soldaten" (Stuttg. 1855) und verschiedene Erzählungen, wie: "Am Wachtfeuer" (1856), "Was uns der Abend bringt" (1856), "Zur Milares" (1857), "Haus-, Hof- und Staatsgeschichten" (1869, 3 Bde.) u. a.

3) Ottokar Franz, unter dem Pseudonym O. F. Berg bekannter Wiener Theaterdichter, Bruder des vorigen, geb. 10. Okt. 1833 zu Wien, betrat nach beendeten Gymnasialstudien die Beamtenlaufbahn, gab dieselbe aber nach einigen Jahren auf, um sich ganz der dramatischen Schriftstellerei zu widmen, mit der er sich schon seither mit Vorliebe beschäftigt hatte. Sein erstes Stück fiel in das Jahr 1854. Seitdem ließ er an anderthalb Hundert Stücke (Lustspiele, Possen, Parodien etc.) nachfolgen, von welchen manche über hundertmal, viele 20-60mal gegeben wurden. Ein frisches, kühnes Talent, nicht wählerisch, aber derbkräftig, war E. eine Art Wiener Goldoni, der namentlich die untern Volksschichten und Stände genau kannte. Er liebte es, Zeitfragen zu behandeln, Schwächen zu geißeln, und ging den momentanen Gebrechen hart zu Leibe, wobei es ihm mehr um den schlagbereiten Witz und die augenblickliche Wirkung als um Wahrscheinlichkeit des dramatischen Ganges zu thun war. Seine Erfindung bewährte sich oft so glänzend, daß selbst Berliner Bearbeitungen seiner Stücke durch Kalisch einen außerordentlichen Erfolg hatten. So wurde aus seinem "Ein Wiener Dienstbot'": "Berlin, wie es weint und lacht", das in Berlin hundertmal über die Bretter ging, und sein bearbeitetes "Einer von unsere Leut'" machte dort sogar 250 volle Häuser. Seine sonst hervorragendsten Stücke sind: "Die Pfarrersköchin", "Die alte Schachtel", "Verlassene Kinder", "Die Probiermamsell", "Der letzte Nationalgardist", "Nemesis", "Das Mäd'l ohne Geld", "Der deutsche Bruder", "Ein Wort an den Reichsrat", "Der barmherzige Bruder", "Eine resolute Person". E. arbeitete auch in Gemeinschaft mit Bittner u. a. und gründete 1859 das satirische Blatt "Tritsch-Tratsch" und nach dessen Eingehen (1862) den illustrierten "Kikeriki". Außerdem schrieb E. Almanache und Kalender und viele Journalartikel, letztere namentlich in dem von ihm 1872 gegründeten, sehr verbreiteten Tagesjournal "Das illustrierte Extrablatt". Er starb 16. Jan. 1886 in einer Irrenanstalt.

Ebersdorf, 1) Flecken im Fürstentum Reuß j. L., hat ein schönes, von Parkanlagen umgebenes Schloß, (1880) 911 Einw. und seit 1733 eine Herrnhutergemeinde, die eine Lehr- und Pensionsanstalt unterhält. In der Nähe das Lustschloß Bellevue und am Rande der nahen Saale der vielbesuchte steile Felsen Heinrichstein, 130 m über dem Fluß. E. war bis zur Vereinigung der gesamten Lande Reuß j. L. (1848) Residenz des Fürsten von Reuß-Lobenstein-Ebersdorf. - 2) (Kaiser-E.) Dorf in Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft Bruck; an der Vereinigung des Donaukanals mit dem Hauptstrom der Donau und an der Mündung der Schwechat in die letztere, mit dem Donauwinterhafen, Umladeplatz, namentlich für Getreide, von den Donaudampfschiffen auf die Kaiserin Elisabeth-Bahn (Linie Penzing-E.) und die Donauuferbahn (E.-Nußdorf), hat eine Wallfahrtskirche, eine Metallwaren- und eine Biskuitfabrik, eine große Kaserne (ehemals kaiserliches Lustschloß) und (1880) 2560 Einw. Hier war das römische Ala nova, Standort der 14. Legion. Von E. aus leitete Napoleon I. 1809 die Schlacht von Aspern, und hier versammelte sich auch seine Armee, um den Übergang nach der Insel Lobau zu bewerkstelligen.

Ebersheim, Dorf im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Schlettstadt, an der Eisenbahn Straßburg-Basel, hat eine Pfarrkirche, Hanfbau, Baumwollweberei und (1880) 1768 kath. Einwohner. Nahebei das Dorf Ebersmünster an der Ill, ehemals eine Stadt, mit schöner Kirche, ehemaligem Benediktinerkloster (659 gegründet) und 640 kath. Einwohnern.

Eberstadt, Dorf in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt, an der Modau und Main-Neckarbahn, hat eine evang. Pfarrkirche, Papier- und Lederfabrikation und (1880) 3485 Einw.

Eberstein, altes gräfliches Geschlecht in Baden und Schwaben, das in den Fehden des 11.-13. Jahrh. eine Rolle spielte. Die Grafen von E. waren eifrige Anhänger der Hohenstaufen. Graf Otto II. von E. wurde von Friedrich II. 1246 als Reichsverweser in Österreich eingesetzt. Schloß und Herrschaft E. fielen unter ihm an die Markgrafen von Baden, und Neueberstein ward Hauptsitz des Geschlechts (s. Ebersteinburg). Wohl nicht mit diesem Geschlecht verwandt sind die fränkischen Grafen von E., welche ihren Ursprung von dem jetzt in Ruinen liegenden Schloß E. auf der Rhön herleiten, und als deren ältester Bodo (Poppo), zu Anfang des 12. Jahrh. Gaugraf im Grabfeld, genannt wird. Von seinen Nachkommen ist besonders namhaft zu machen Ernst Albrecht, geb. 6. Juni 1605 zu Gehofen in Thüringen, der im Dreißigjährigen Krieg zuerst unter Tilly, dann seit 1625 in schwedischen Diensten in Polen, darauf in Deutschland focht. 1632 ging er zur Armee des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel über, stieg in derselben bis zum General auf, ward 1644 hessen-darmstädtischer Oberbefehlshaber und 1648 kaiserlicher Feldmarschallleutnant. Nach dem Frieden zog er sich auf seine thüringischen Güter zurück; trat aber 1657 als Generalfeldmarschall wieder in dänische Dienste und schlug 14. Nov. 1659 die Schweden bei Nyborg. Er starb als kurfürstlich sächsischer Generalissimus und Geheimrat 9. Juli 1676. Vgl. Freiherr L. F. v. Eberstein, Geschichte der Freiherren v. E. und ihrer Besitzungen (Sondersh. 1865).

Ebersteinburg, Dorf im bad. Kreis Baden, 426 m ü. M., mit (1880) 517 Einw., ehedem Hauptort der alten Grafschaft Eberstein, die sich am Schwarzwald, zwischen Württemberg und Baden, 16 km in die Länge und 4 km in die Breite erstreckte und die Stadt Gernsbach, den Flecken Muggensturm und 15 Dörfer mit 13,000 Einw. umfaßte. Dabei die Ruinen des ehemaligen Schlosses Alteberstein (einst ein römischer Wartturm), die Trümmer des alten Schlosses Baden und der Merkuriusberg, alle drei Punkte in schöner Waldgegend mit hübschen Fernsichten. Das Schloß Neueberstein (Ebersteinschloß), im 13. Jahrh. erbaut und 1798 wiederhergestellt, liegt auf einem Bergvorsprung am Murgthal oberhalb Gernsbach und gewährt eine reizende Aussicht auf das Murgthal.

Eberswalde (bis November 1876 Neustadt-E.), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Oberbarnim, am Finowkanal und der Berlin-Stettiner Eisenbahn, von welcher hier eine Zweigbahn nach Wriezen abgeht, hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, Pestalozzi-Waisenhaus, große ständische Irrenanstalt, bedeutende Patent-Hufnagelfabrik, Dachpappenfabrikation, eine Eisenbahn-Maschinenwerkstätte, Eisengießerei, Bierbrauerei, große Mahlmühle, mehrere Dampfsäge-^[folgende Seite]