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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eberwurz; Ebingen; Ebioniten; Eblouieren; Ebn; Ebner-Eschenbach; Ebo; Eboli; Ebonit; Ebrach; Ebräer; Ebranchieren

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Eberwurz - Ebranchieren.

in Frankfurt a. M. Theorie der Musik, bildete sich unter Schick in Mainz im Violinspiel aus, ward 1797 Hofmusikus in Rudolstadt und machte 1803 eine Kunstreise nach Italien, wo er mit Erfolg öffentlich auftrat und sich zugleich im Kontrapunkt (durch den Unterricht Fenarolis in Neapel) weiter ausbildete. Im J. 1804 nach Rudolstadt zurückgekehrt, wurde er hier 1810 Kammermusikus, 1817 Hofkapellmeister und starb 2. Dez. 1831 daselbst. Von seinen mehr als 100 Werken sind die Singspiele: "Claudina von Villa bella" (1815), "Der Jahrmarkt zu Plundersweilern" (1818), beide von Goethe, u. a. zeitweilig beliebt gewesen. Auch für die Kirche schrieb er manches, z. B. eine große Messe in As dur. - Sein Bruder Karl, geb. 10. Nov. 1786, erwarb sich ebenfalls als Violinvirtuose wie als Tonsetzer einen Namen und wirkte als Kammervirtuose in Weimar, wo er 2. März 1868 starb. Er schrieb mehrere Opern (darunter "Die Heerschau", "Graf von Gleichen"), die sehr populär gewordene Musik zu Holteis "Lenore", eine Ouvertüre zu Goethes "Proserpina", Lieder, Kantaten, Violinduette und andre Instrumentalstücke. Goethe hatte eine hohe Meinung von seinem Kompositionstalent und nennt ihn häufig in seinem Briefwechsel mit Zelter etc.

Eberwurz, Pflanzengattung, s. Carlina.

Ebingen, Stadt im württemb. Schwarzwaldkreis, Oberamt Balingen, 730 m ü. M., an der Schmieche und der Eisenbahn Tübingen-Sigmaringen, hat eine evang. Pfarrkirche, eine lateinische und eine Realschule, ein reiches Hospital, Wollspinnerei, Fabrikation von Baumwollensamt, Manchester, Tuch, Stoffhüten, Strumpf- und Strickwaren, von Präzisionswagen, Korsetten, Schuhwaren etc., Gerberei, Glockengießerei, Viehhandel und (1880) 5555 meist evang. Einw.

Ebioniten (hebr., "Arme"), Name sämtlicher außerhalb der katholischen Kirche verbliebener Judenchristen bei den Kirchenvätern vor Hieronymus (s. Nazarener). Der Name erinnert teils an die notorische Armut der ersten jerusalemischen Gemeinde, teils an die Korrelation der Begriffe "arm" und "fromm" bei Psalmisten und Propheten (vgl. Matth. 5, 3; Luk. 6,20). Bedeutender als die einfach auf der Forderung der Gesetzesleistung für alle Messiasgläubigen bestehenden pharisäischen E. wurde eine mehr essäisch geartete, gnostizierende und asketische Abart, die dem Epiphanias bei seiner Schilderung der E. vorschwebt und aus einem bestimmten Stadium ihrer Entwickelung als Elkesaiten (s. d.) erscheint.

Eblouieren (franz., spr. eblu-), durch Glanz blenden, verdutzt machen, verblüffen; eblouissant, blendend.

Ebn (Ibn, arab.), s. v. w. Ben, Sohn, Nachkomme, Vorsilbe vieler arabischer, maurischer etc. Namen.

Ebner-Eschenbach, Marie, Baronin von, geborne Gräfin Dubsky, Schriftstellerin, geb. 13. Sept. 1830 zu Zislawetz in Mähren, verheiratete sich 1848 mit dem Baron v. E., einem hervorragenden österreichischen Genieoffizier, und lebt seitdem zu Wien in glücklichen Familienverhältnissen ihrer Neigung zur Poesie. Als Dichterin trat sie zunächst mit einer Reihe von Dramen hervor, von denen "Maria Stuart" (1860 von E. Devrient in Karlsruhe zur Aufführung gebracht) und besonders "Marie Roland" (1867) einen glänzenden Erfolg hatten. Im Druck erschienen später: "Doktor Ritter", dramatisches Gedicht (Wien 1871); "Die Prinzessin von Banalien", dramatisches Märchen (das. 1872); "Erzählungen" (Stuttg. 1875); "Božena", Erzählung (das. 1876); "Die Veilchen", Lustspiel (1878); "Aphorismen" (Berl. 1880, 2. Aufl. 1884); "Neue Erzählungen" (das. 1881); "Dorf- und Schloßgeschichten" (das. 1883); "Zwei Komtessen" (das. 1885).

Ebo, afrikan. Stadt, s. Ibo.

Eboli, Stadt in der ital. Provinz Salerno, Kreis Campagna, an der Eisenbahn Neapel-Potenza, hat ein altes Schloß und (1881) 8405 Einw. Nach dieser Stadt sind die Fürsten von E. benannt. Unfern nördlich lag das alte Ebura.

Eboli, Ruy Gomez de Silva, Fürst von, span. Staatsmann, aus Portugal gebürtig, wurde Jugendfreund Philipps II. und nach dessen Thronbesteigung sein einflußreichster Ratgeber. Er wurde mit dem Titel eines Herzogs von Estremera und Pastrana zum Granden von Spanien und zum Fürsten von E. (Ort bei Salerno in Neapel) erhoben. E. schloß den Frieden von Cateau-Cambrésis ab, wurde Oberkammerherr des Infanten Don Karlos und spielte eine so bedeutende Rolle, daß man ihn den "König Gomez" nannte. Er starb 1572. Seit 1559 war er vermählt mit Ana de Mendoza y la Cerda, Prinzessin E. (geb. 29. Juni 1540), welche einem der ersten Adelsgeschlechter Spaniens angehörte. Sie war nicht groß, aber schön; infolge eines Unglücksfalls beim Fechten hatte sie ein Auge verloren. Sie galt für hochmütig, herrschsüchtig und eigensinnig, blieb aber ihrem Gemahl, dem sie zehn Kinder gebar, durchaus treu. Nach dessen Tod wollte sie anfangs Nonne werden, widmete sich aber dann zu Pastrana der Verwaltung ihres Vermögens und der Erziehung ihrer Kinder. Der Ehrgeiz, eine politische Rolle zu spielen, führte sie mit Philipps Günstling Perez (s. d.) zusammen, zu dem sie bald in ein Liebesverhältnis trat, und den sie zur Ermordung Escobedos (31. März 1578) antrieb, weil dieser ihr Vorwürfe wegen jenes Verhältnisses gemacht hatte. Als dieses Mordes wegen ein Streit zwischen Perez und seinen Gegnern am Hof entbrannte, reizte die Fürstin des Königs Zorn durch ihre Anmaßung, vielleicht auch durch Abweisung seiner Liebesanträge, und wurde daher gleichzeitig mit Perez 1579 verhaftet. Sie wurde erst auf der Burg Pinto gefangen gehalten, dann in ihrem Palast zu Pastrana bewacht, genoß aber fast völlige Freiheit, auch des Verkehrs mit Perez, nach dessen Flucht (1590) ihre Haft wieder verschärft wurde. Da sie sich weigerte, Philipp II. um Gnade zu bitten, starb sie in strenger Haft 2. Febr. 1592. Die Prinzessin E. in Schillers "Don Karlos" hat also nur wenige Züge mit der geschichtlichen Persönlichkeit gemein. Vgl. Muro, La princesa de E. (Madr. 1877).

Ebonit, s. Kautschuk.

Ebrach, Name von drei auf dem Steigerwald entspringenden Flüssen in Oberfranken, von denen die Reiche E. nach 45 km langem Lauf in die Regnitz mündet, während sich die Mittelebrach mit der Rauhen E. vereinigt und 2 km nördlich der Reichen E. in die Regnitz ergießt.

Ebrach (Klosterebrach, Eberach), Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Bamberg II, an der Mittelebrach, mit einer schönen kath. Kirche, Holzhandel, Goldleistenfabrikation und (1880) 1030 weist kath. Einwohnern; sonst eine berühmte Cistercienserabtei, die 1126 von Berno und Richvin von Eberau gestiftet, aber erst 1285 vollendet wurde und bis 1803 bestand. Jetzt dient das Gebäude als Zuchthaus. Unterhalb an der Mittelebrach der Flecken Burgebrach (s. d.).

Ebräer, Volk, s. v. w. Hebräer.

Ebranchieren (franz., spr. ebrangsch-), einen Baum ausputzen, beschneiden; Ebranchement (spr. ebrang-schmang), Ausästung.