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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ebranlieren - Ecart.

Ebranlieren (franz., spr. ebrangl-), erschüttern; Ebranlement (spr. ebrangl'mang). Erschütterung.

Ebrard, Johannes Heinrich August, reform. Theolog und belletristischer Schriftsteller, geb. 18. Jan. 1818 zu Erlangen, studierte 1835-39 daselbst und in Berlin Theologie, habilitierte sich an ersterer Universität 1842 als Privatdozent der Theologie, wurde 1843 Repetent und folgte 1844 einem Ruf als Professor nach Zürich, von wo er 1847 als ordentlicher Professor der reformierten Theologie nach Erlangen zurückkehrte. 1853 zum Konsistorialrat in Speier ernannt, geriet er zunächst in Kampf mit einer Partei, welche auf konfessionalistische Trennung in spezifisch lutherischem Sinn ausging. Es gelang ihm und seinen Kollegen endlich, die sogen. Variata als historischen Ausdruck des Unionsbekenntnisses anerkannt zu sehen; allein ein neues Gesangbuch, das von ihm ausgearbeitet und von der Generalsynode genehmigt worden war, gab 1860 den Anstoß zu einer heftigen Opposition von liberaler Seite, infolge deren sich E. veranlaßt sah, 1861 seine Stelle aufzugeben und zum zweitenmal nach Erlangen zurückzukehren, wo er seine theologischen Vorlesungen fortsetzte. Unter seinen Veröffentlichungen sind außer Flugschriften und Predigten zu erwähnen: "Wissenschaftliche Kritik der evangelischen Geschichte" (Frankf. 1842, 3. Aufl. 1868); "Das Dogma vom heiligen Abendmahl und seine Geschichte" (das. 1845-46, 2 Bde.); "Christliche Dogmatik" (Königsb. 1851-1852, 2 Bde.; 2. Aufl. 1863); "Praktische Theologie" (das. 1856); "Kirchen- und Dogmengeschichte" (Erlang. 1865-67, 4 Bde.); "Die iro-schottische Missionskirche des 6.-8. Jahrhunderts" (Gütersl. 1873); "Apologetik" (2. Aufl., das. 1880-81); "Bonifatius, der Zerstörer des columbanischen Kirchentums auf dem Festland" (das. 1882); "Peter Lotich der jüngere" (2. Aufl., das. 1883). Außerdem hat er (meist unter dem Namen Gottfried Flammberg) eine Reihe belletristischer Produktionen veröffentlicht, in denen er dem Volk eine von christlich-sittlichem Geist getragene Unterhaltungslektüre zu bieten bestrebt war, sowie die dramatischen Dichtungen: "Duplessis-Mornay" (Frankf. 1859); "Rudolf von der Pfalz" (das. 1860); "Hermann" (Erlang. 1861); "Stephan Klinger" (das. 1872, unter dem Pseudonym Christian Deutsch). Auch Gedichte, wie: "Ein Leben in Liedern" (2. Aufl., Erlang. 1872), "Ein Totentanz" (2. Aufl., Leipz. 1884), und eine poetische Übertragung von Ossians "Fingal" mit Anhang: "Über Alter und Echtheit von Ossians Gedichten" (das. 1868) gab E. heraus.

Ebrietät (lat.), Trunkenheit, Rausch; Ebriosität, Trunksucht, Völlerei.

Ebro (Iberus), Fluß in Spanien, der Strom des Iberischen Tieflandes, entspringt auf der Terrasse von Reinosa im Kantabrischen Gebirge, in der Provinz Santander, aus den Quellen von Fontibre, durchfurcht, nach O. sich wendend, als schnell fließender, heller und forellenreicher Gebirgsbach ein breites Hügelland und mehrere Bergketten, die Hochebenen von Altkastilien und Alava scheidend, und bildet, nachdem er die Engpässe von Horodada und Montes Claros in Stromschnellen durchbrochen, bereits einen stattlichen, aber bis unterhalb Logroño sich träge schlängelnden Fluß. Von dem mergeligen Boden der Steppe von Navarra getrübt, nimmt er hier die ihm charakteristische gelblichgraue Farbe an und durchbricht, wieder in Stromschnellen rasch dahinbrausend, die Höhenkämme, welche sein oberes Becken gegen SO. abschließen. Nach dem Eintritt in das dürre und wasserarme aragonische Steppengebiet (oberhalb Tudela) beginnt der Strom mit südöstlicher Hauptrichtung bald zahlreiche Stromschlingen zu bilden, besonders zwischen Saragossa und Mequinenza, wo die nördlichen Verzweigungen des nordvalencianischen Gebirges ihn zwingen, sich direkt nach O. zu wenden, um bei Mequinenza plötzlich nach S. umzubiegen und den Wall des iberischen Küstengebirges in gewundenem Lauf und großenteils mit Stromschnellen zwischen steilen Wänden zu durchbrechen. Nach seinem Austritt aus dem Gebirge, oberhalb Tortosa, wird sein Lauf wieder ruhig, und breit dahinströmend schlängelt er sich durch die schöne Huerta von Tortosa. Er mündet südöstlich von letzterer Stadt bei Amposta und bildet hier eine Art Delta, das sich als dürre Sandebene voller Lachen und Dünen über 15 km ins Meer hinaus erstreckt und vom E. in zwei Armen durchschnitten wird; den versandeten Hauptarm ersetzt von Amposta an der nach San Carlos de la Rapita führende Kanal (Canale Nuevo). Von der Quelle bis zur Mündung des E. zählt man 487 km direkte Entfernung; die Stromentwickelung beträgt 757 km, das Stromgebiet an 99,922 qkm (1815 QM.). Trotz dieser bedeutenden Länge ist der E. fast der schmälste und wasserärmste der fünf Hauptströme der Pyrenäischen Halbinsel; ein wirklich stromähnliches Ansehen erhält er erst unterhalb Tortosa, wo seine Breite an 700 m beträgt. Die Schiffahrt ist wegen der großen Verschiedenheit seines Gefälles, wegen der außerordentlichen Versandung, gegen welche jahrhundertelang nichts geschehen ist, endlich wegen der vielen Stromschnellen und Untiefen nur auf kurze Strecken möglich und auch da nicht ohne Gefahr, weshalb im obern Tiefland links der Kanal von Tauste und rechts der große Aragonische oder Kaiserkanal (s. d.) mit dem Strom parallel laufen. Die Nebenflüsse haben meist Torrentencharakter und zeigen zum Teil während der Dürre des Sommers tief eingerissene, wasserleere Thalfurchen. Ihre Zahl beträgt etwa 50. Die wichtigsten sind links: Ega, Aragon (s. d.), Arba, Gallego, Segre (mit Cinca, s. d.); rechts: Jalon (mit Jiloca), der auf einem Aquädukt den Kaiserkanal überschreitet, Huerva, Guadalope u. a. Innerhalb seines untern Bassins empfängt der E. eine große Anzahl kleiner Bäche mit salzigem Wasser, sogen. Salados.

Ebsambul, Ort, s. Abu Simbal.

Ebullieren (lat.), aufwallen; Ebullition, das Aufwallen.

Ebullioskop, s. Alkoholometrie.

Ebur (lat.), Elfenbein; e. fossile, fossiles Elfenbein, Mammutzähne; e. ustum, gebranntes Elfenbein und dessen Surrogat Beinschwarz.

Eburacum, Stadt im röm. Britannien, im Lande der Briganten; jetzt York (s. d.).

Eburodunum (lat.), Stadt im alten Gallien, im Lande der Helvetier; jetzt Yverdun (s. d.).

Eburonen, Volksstamm im belg. Gallien, der an der mittlern Maas (in der Nähe von Tongern) wohnte. Unter des Ambiorix Anführung vernichteten die E. 1½ Legion Cäsars, welche in ihrem Gebiet in Winterquartieren lagen, wurden aber dafür von diesem 53 v. Chr. gänzlich aufgerieben und ihr Land den Aduatukern oder Tungern gegeben.

Ecaille (franz., spr. ekaj), Schuppe; Schildkrötenschale zum Einlegen von Galanterie- und Bijouteriewaren; daher Ecaillemalerei, Nachahmung von Schuppen u. dgl. auf Porzellan, Tapeten.

Ecarlate (franz.), Scharlachfarbe.

Ecart (franz., spr. ekár), Seitensprung; in Börsengeschäften, besonders bei Stellgeschäften, der Unter-^[folgende Seite]