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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Echternach; Echtgelb; Echtlosigkeit; Echuca; Ecija; Eck

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Echternach - Eck.

1834-35, 2 Tle.) und "Carmina aliquot Goethii et Schilleri latine reddita" (das. 1833), mit L. Henschel und K. Simrock: "Quellen des Shakespeare in Novellen, Märchen und Sagen" (Berl. 1831, 3 Bde.; zweite, von Simrock allein bearbeitete Auflage, Bonn 1870, 2 Bde.). Großen Beifall fand seine "Mustersammlung deutscher Dichter" (Halle 1837; 27. Aufl., hrsg. von Masius, 1883).

2) Karl, Bildhauer, geb. 27. Okt. 1845 zu Kassel, studierte bis zu seinem 20. Jahr auf der dortigen Akademie, ging auf ein Jahr nach München und trat dann zu Dresden in das Atelier von Hähnel, unter dessen Leitung er 1868 und 1870 die Bronzestatuetten eines tanzenden Fauns und einer tanzenden Bacchantin (beide in der Nationalgalerie zu Berlin) schuf. Nachdem er das Jahr 1870 in Italien verlebt hatte, gründete er in Dresden ein eignes Atelier und fand alsbald Gelegenheit, größere Aufgaben auszuführen, in denen sich eine glückliche Vereinigung des Realen mit dem Idealen ausspricht. Es sind: für die neue Gemäldegalerie in Kassel zwei Karyatiden in Sandstein und acht lebensgroße Länderstatuen in Marmor, welche durch feine Charakteristik und durch vortreffliche Marmortechnik gleich ausgezeichnet sind, für das neue Hoftheater in Dresden eine Bacchantin und ein Satyr, für das Innere des Schlosses zu Meißen die Statue des Kurfürsten Friedrich des Streitbaren und für das Polytechnikum in Braunschweig die kolossalen Sandsteingruppen der von der Jugend umgebenen Kunst und Wissenschaft. Seit 1883 ist E. als Professor am Carolinum in Braunschweig thätig.

Echternach (Echtern), Stadt im Großherzogtum Luxemburg, Distrikt Grevenmacher, rechts an der Sauer (Sure) und an der Bahn Diekirch-Wasserbillig, hat ein Progymnasium, Fabriken für Fayence, Wollzeug und Damast und (1880) 3910 Einw. Sein Entstehen wie seinen Ruf verdankt E. der berühmten Benediktinerabtei, welche, 698 vom heil. Willibrord (s. d.) gestiftet, in ihrem jetzigen Zustand als romanische Basilika aus der ersten Hälfte des 11. Jahrh. stammt und 1862 vollständig restauriert ward. Das Grab des heiligen Stifters ist noch jetzt das Ziel zahlreicher Wallfahrten und wird besonders zu Pfingsten sehr besucht, wo infolge eines Gelübdes für das Aufhören der Tanzkrankheit, welche um 1374 die Niederlande und das Rheinland heimsuchte, zu Ehren des Heiligen die sogen. Springprozession oder "Prozession der springenden Heiligen" stattfindet. Am Pfingstdienstag morgens versammeln sich nämlich die Pilger, deren Zahl oft bis zu 15,000 steigt, an einem Kreuz jenseit der Sauerbrücke, wo eine kurze Predigt im Freien gehalten wird, und beginnen dann, während der Klerus mit den Sängern langsam voranschreitet und die St. Willibrordus-Litanei anstimmt, nach den Klängen einer rauschenden Musik, die sich in dem Zug verteilt, den "Willibrordustanz", indem sie immer 5 Schritt vor und 2 zurück oder 3 Schritt vor- und einen rückwärts springen. In Reihen von 3-6 Personen, die sich an den Händen fassen, ziehen Jünglinge und Männer, Mädchen und Frauen springend über die Brücke bis zur Pfarrkirche und aus dieser auf den Kirchhof, wo die seltsame Prozession nach zweistündiger Dauer ihr Ende erreicht. Vgl. Sax, Beiträge zur Geschichte der Abtei E. (Luxemb. 1874); über die Springprozession Schriften von Krier (das. 1871) u. Reiners (Frankf. 1884).

Echtgelb, s. Azofarbstoffe.

Echtlosigkeit (v. altdeutschen Echt, d. h. Gesetz), der Zustand völliger Rechtlosigkeit, welcher für den Geachteten eine Folge der Aberacht oder Oberacht war; s. Acht. Zuweilen wird E. auch als gleichbedeutend mit Anrüchigkeit (s. d.) gebraucht.

Echuca (spr. etschuhka), Stadt in der britisch-austral. Kolonie Victoria, am Murray, über den hier eine Eisenbahnbrücke führt, Kopfstation der Linien Melbourne-E. und E.-Deniliquin, Entrepot des interkolonialen Handels und bedeutendster australischer Flußhafen mit (1881) 4789 Einw., Sägemühlen, Seifensiederei, großen Wollniederlagen u. a. Im J. 1882 liefen 156 Schiffe von 28,197 Ton. ein und 154 Schiffe von 30,957 Ton. aus.

Ecija (spr. édsicha), Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, am Jenil, über den eine lange Steinbrücke führt, und an der Andalusischen Eisenbahn, hat 6 Kirchen, zahlreiche Türme (ehemalige Minarets, mit farbiger Fayence bekleidet), ein offenes Theater, einen Zirkus für Stierkämpfe (römische Arena), ein Findelhaus, eine schöne Promenade und (1881) 25,074 Einw., welche Weberei und Ölfabrikation betreiben. - Die Stadt (das keltiberische Astigis, als römische Kolonie Augusta firma in Baetica, bei den Arabern Estidscha) ist uralt und gilt für den heißesten Ort Spaniens, daher El sarten de España ("Bratpfanne von Spanien") genannt. Sie wurde 1236 von den Kastilianern den Mauren entrissen und war in der Gotenzeit Sitz eines Bischofs.

Eck, 1) Leonhard von, bayr. Kanzler, geboren um 1475 zu Kelheim, studierte in Ingolstadt und Siena die Rechte, ward erst Lehrer, 1519 Kanzler des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern, übte als dessen vornehmster Ratgeber 30 Jahre lang maßgebenden Einfluß aus und war die Seele der bayrischen Politik in der Reformationszeit. Klug, gewandt und unterrichtet, aber ränkevoll und bestechlich, war er unablässig bemüht, die herzogliche Gewalt zu verstärken, die äußere Machtstellung des bayrischen Hauses im Reich zu heben, im Innern alle protestantischen Regungen zu ersticken. Namentlich betrieb er viele Jahre hindurch, obwohl ohne Erfolg, den Plan, seinem Herzog die römische Königswürde zu verschaffen. E. starb 17. März 1550 und hinterließ ein großes Vermögen. Vgl. W. Vogt, Die bayrische Politik im Bauernkrieg und der Kanzler Dr. L. v. E. (Nördl. 1883).

2) Johann Mayer von, einer der heftigsten Gegner der Reformation, geb. 1486 zu Eck in Schwaben, studierte schon in seinem zwölften Jahr zu Heidelberg Philosophie und die alten Sprachen, sodann in Tübingen Theologie und Philosophie, seit 1502 zu Freiburg i. Br. Rechte und Mathematik. Im J. 1508 zum Priester geweiht, erhielt E. 1510 einen Ruf als Professor der Theologie an die Universität Ingolstadt und erwarb sich durch seine scholastische Gelehrsamkeit, hauptsächlich aber durch seine Disputierfertigkeit einen ausgebreiteten Ruf. Im Vertrauen darauf trat E. 1518 gegen Luthers Thesen mit seinen "Obelisci" auf. Hierüber in einen Streit mit Karlstadt, dann auch mit Luther verwickelt, verteidigte er auf der Disputation zu Leipzig vom 27. Juni bis 16. Juli 1519 seine Sätze. Er schrieb hierauf sein Hauptwerk: "De primatu Petri", legte dasselbe im Frühjahr 1520 in Rom dem Papst vor und veranlaßte hier auch die Bannbulle gegen Luther. Sein ganzes Leben blieb von nun an der Bekämpfung der Reformation gewidmet. Er reiste in diesem Interesse noch zweimal nach Rom, nahm 1524 an dem Konvent zu Regensburg teil und suchte 1526 in der Schweiz durch das Religionsgespräch zu Baden als Gegner des Öcolampadius die Reformation zu hindern. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 half er zur Widerlegung der Augsburger Konfession die Kon-^[folgende Seite]