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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eckardt; Eckart

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Eckardt - Eckart.

futation abfassen. Nachdem er noch 1540 und 1541 dem zu Worms angefangenen und zu Regensburg fortgesetzten Religionsgespräch beigewohnt hatte, starb er 10. Febr. 1543 in Ingolstadt. Eine Sammlung seiner theologischen Streitschriften hat er selbst veranstaltet unter dem Titel: "Operum Jo. Eckii contra Lutherum tom. I-IV" (Augsb. 1530-35). Vgl. Wiedemann, Dr. J. E. (Regensb. 1865), und Albert in der "Zeitschrift für historische Theologie" (Gotha 1873, auch separat).

3) Heinrich, Geolog und Paläontolog, geb. 13. Jan. 1837 auf Gleiwitzer Hütte in Schlesien, widmete sich 1855 dem Bergfach, studierte seit 1858 zu Breslau, wurde 1862 von der preußischen geologischen Landesaufnahme in Thüringen und Schlesien beschäftigt, habilitierte sich 1866 als Dozent an der Berliner Bergakademie und folgte 1871 einem Ruf als Professor der Mineralogie und Geologie am Polytechnikum zu Stuttgart. Außer mehreren kleinern Arbeiten geologischen und paläontologischen Inhalts schrieb er: "Über die Formationen des Bunten Sandsteins und Muschelkalks in Oberschlesien und ihre Versteinerungen" (Berl. 1865); "Rüdersdorf und Umgebung, eine geognostische Monographie" (das. 1872). An der Herausgabe der geologischen Karte von Preußen und den thüringischen Staaten beteiligte er sich durch Bearbeitung der Sektionen Immenrode, Bleicherode, Hayn und Sondershausen.

Eckardt, 1) Ludwig, Dichter und Schriftsteller, geb. 26. Mai 1827 zu Wien, studierte in seiner Vaterstadt und trat bereits als 19jähriger Jüngling mit einem der Frithjofssage verwandten Drama: "Thron und Hütte" (Wien 1846), in die Litteratur. An der Wiener Oktoberrevolution von 1848 beteiligt, flüchtete er in die Schweiz, habilitierte sich als Dozent der Litteratur und Ästhetik an der Universität Bern, war dann Professor an der Kantonschule zu Luzern, ging 1862 als Hofbibliothekar nach Karlsruhe und redigierte einige Jahre später eine demokratische Mannheimer Zeitung. Seit 1867 besuchte er eine große Zahl von deutschen Städten, Wandervorträge über historische und litterarische Themata haltend; seinen Wohnsitz nahm er dann wieder in seiner Vaterstadt Wien. Er starb auf der Reise 1. Febr. 1871 in Tetschen. Als Dichter veröffentlichte E. die rhetorischen Dramen: "Sokrates" (Jena 1858), "Friedrich Schiller" (das. 1859), "Palm" (das. 1860), "Weltbürger und Patriot" (das. 1862), "Josefine" (Mannh. 1868); ferner: "Novellen" (das. 1867) und den Roman "Nikolaus Manuel" (Jena 1862). Von seinen ästhetischen Versuchen und Abhandlungen fanden die "Anleitung, dichterische Meisterwerke zu lesen" (3. Aufl., Leipz. 1883) und die Erläuterungen zu Schillers "Räubern", "Fiesco", "Kabale und Liebe" (in Düntzers "Erläuterungen zu den deutschen Klassikern") den meisten Beifall. Auch schrieb er eine "Vorschule der Ästhetik" (Karlsr. 1864-65, 2 Bde.). Seine "Wandervorträge" erschienen gesammelt Stuttgart 1867. Vgl. Y. v. Arnold, L. E. (Leipz. 1867).

2) Julius von, Publizist, geb. 1. Aug. 1836 zu Wolmar in Livland, studierte 1855-60 zu Petersburg, Dorpat und Berlin Jurisprudenz und Geschichte und übernahm im Herbst 1860 die Stellung eines Sekretärs bei dem livländischen evangelisch-lutherischen Konsistorium in Riga. Er beteiligte sich eifrig an den Bestrebungen der liberalen baltischen Landespartei, indem er zuerst für die "Baltische Monatsschrift", dann 1861-67 für die "Rigasche Zeitung" publizistisch thätig war und einerseits Reform der livländischen Verfassung, anderseits engen Aneinanderschluß der drei Ostseeprovinzen Liv-, Esth- und Kurland anstrebte. Durch den zunehmenden Zensurdruck gehemmt, gab E. 1867 seine livländische Stellung auf, um nach Leipzig überzusiedeln, wo er drei Jahre lang mit G. Freytag die "Grenzboten" redigierte. 1870 ging er als Redakteur des "Hamburger Korrespondenten" und der "Hamburger Börsenhalle" nach Hamburg, wo er im Frühjahr 1874 zum Senatssekretär gewählt wurde. Wegen einer Beschwerde des russischen Gesandten über seine schriftstellerische Thätigkeit verließ E. 1882 Hamburg und trat als Geheimer Regierungsrat in den preußischen Staatsdienst über. 1885 wurde er zum deutschen Generalkonsul in Tunis ernannt. Von ihm sind erschienen: "York und Paulucci, Aktenstücke und Beiträge zur Geschichte der Konvention von Tauroggen" (Leipz. 1865); "Die baltischen Provinzen Rußlands" (2. Aufl., das. 1869); "Baltische und russische Kulturstudien" (das. 1869; 2. Aufl. u. d. T.: "Russische und baltische Charakterbilder", das. 1876); "Bürgertum und Büreaukratie, vier Kapitel aus der neuesten livländischen Geschichte" (das. 1869); "Rußlands ländliche Zustände seit Aufhebung der Leibeigenschaft" (das. 1869); "Juri Samarins Anklage gegen die Ostseeprovinzen" und "Jungrussisch und Altlivländisch" (2. Aufl., das. 1871); "Livland im 18. Jahrhundert" (das. 1876, Bd. 1). Endlich werden E. zugeschrieben die anonym erschienenen Schriften: "Aus der Petersburger Gesellschaft" (Leipz. 1873, 5. Aufl. 1880; neue Folge 1874, 3. Aufl. 1881); "Rußland vor und nach dem Krieg" (das. 1879); "Von Nikolaus bis Alexander III." (das. 1881); "Russische Wandlungen" (das. 1882) und "Aussichten des deutschen Parlamentarismus" (2. Aufl., das. 1882).

Eckart (Eckhard), der treue, eine Gestalt der altdeutschen Sage, stammte nach dem "Heldenbuch" aus dem Geschlecht der Harlungen und war Vogt der beiden jungen Harlungen, welche sein Neffe Ermrich in Eckarts Abwesenheit henken ließ. E. zog darauf mit Dietrich von Bern gegen Ermrich und erschlug ihn. Die Sage macht ihn zum "Warner", der nach dem Volksglauben im Mansfelder Lande dem Wütenden Heer (s. d.) voranschreitet, um jedermann und vor allem die Kinder zu mahnen, dem schrecklichen Zug aus dem Weg zu gehen, damit sie nicht Schaden nähmen (daher übertragen s. v. w. wohlmeinender Berater). Er wird als alter Mann mit langem Bart und weißem Stab geschildert. Er soll auch vor dem Venusberg sitzen, um die Leute zu warnen, hineinzugehen, und stets die darin hausende Göttin begleiten, wenn sie ihren Umzug mit den Seelen der ungetauften Kinder hält. Bekannt ist die Gestalt Eckarts auch durch das gleichnamige Gedicht Goethes und durch die Behandlung in Tiecks "Phantasus" geworden. Vgl. Tannhäuser.

Eckart (Eckhard), deutscher Mystiker, bekannt unter dem Namen Meister E., geboren um 1260 wahrscheinlich zu Straßburg, trat in den Dominikanerorden, fungierte 1303-11 als Provinzial für Sachsen, seit 1307 auch als Generalvikar seines Ordens für Böhmen, lehrte und predigte 1312-17 in Straßburg, später zu Frankfurt und hielt sich seit etwa 1325 dauernd in Köln auf. Seine Mystik hatte sich unter dem Einfluß der Begharden in einer Richtung entwickelt, welche, zumal da sein Ausdruck den Gedanken an paradoxer Kühnheit noch übertrifft, pantheistisch schien. Seit 1325 war E. daher Gegenstand der Verdächtigungen und der Klagen des Erzbischofs von Köln. Bald nachdem er sich 1327 im Interesse seines mit ihm in Verruf geratenen Ordens in der