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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ecuador

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Ecuador (Bevölkerung, Erwerbszweige, Verfassung etc.).

ist in den Tiefebenen im W. und im O. überaus heiß, dabei vorherrschend feucht und ungesund, auf den Hochebenen auffallend gleichmäßig (die Temperatur schwankt in Quito nur zwischen 6 und 22° C. Wärme bei einer mittlern Temperatur von 15° C.), daher sehr angenehm, ein fortdauerndes Frühlingsklima, aber der häufigen Temperaturwechsel halber nicht so gesund, wie man glauben sollte. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Jahreszeiten, den Sommer (Verano) vom Juni bis November, die Trockenzeit, in der auf den Hochebenen schönes Wetter herrscht, aber auch die Winde am heftigsten wehen, und den Winter vom Dezember bis Mai, die Regenzeit, in der die Temperatur am höchsten ist. In der Tiefebene des Westens ist die Hitze groß, die Nächte aber sind kühl. Der Regenfall ist dort bedeutender, während es auf den feuchtheißen Ebenen des Innern fast täglich regnet. Auf den Hochebenen sind Rheumatismus, gastrische und Unterleibskrankheiten sowie katarrhalische Affektionen am häufigsten, während die Tiefländer an Fieber leiden. Mit dem Klima hängen die Vegetationsverhältnisse eng zusammen. In den tief gelegenen Ebenen bedingt die große Feuchtigkeit das Bestehen der dichten Urwälder, in denen die Palmen, Cykadeen etc. vorherrschen, und die auch in den Gebirgsabhängen hoch hinaufreichen, übrigens durch kostbare Produkte des Pflanzenreichs höchst ausgezeichnet sind. Die Hochebenen des Innern sind dagegen arm an Wald, zum Teil ganz baumlos; die höher an den Bergen gelegenen sogen. Paramos (zwischen 4000 und 5000 m) tragen nur noch Gräser und niedrige Gebüsche, überwiegend von Ericeen, und dienen einzig zur Viehzucht. Die Wälder sind reich an kostbaren Produkten und zeichnen sich namentlich durch die edlen Arten des Fieberrindenbaums aus (s. Cinchona). Sie liefern ferner noch Kautschuk, Sassaparille, Harze, Wachs (von der Myrica cerifera), Kaneel, Taqua- ^[richtig: Tagua-] oder Elfenbeinnüsse. Die Fauna ist reich; Mammalien gibt es allerdings nicht viele (Rehe, Tapire, Warzenschweine, Affen etc.), dagegen um so mehr Vögel, deren Paradies E. ist, und unter denen der Kondor, obschon hier nicht so häufig wie in Peru, der wilde Truthahn, zahllose Papageien, Kolibris der mannigfachsten Art, einige hübsche Singvögel, Fasanen, Drosseln, Schnepfen etc. hervorzuheben sind. An Fischen sind die Flüsse sehr reich, und an den Meeresküsten sind Hummern, Krabben, Austern, Muscheln in Menge vorhanden. Auch Reptilien sind häufig, besonders in den Tiefebenen, und vor allem Schlangen (Boa constrictor, Klapperschlange). Insekten finden sich ebenfalls in großer Fülle und sind zum Teil (Moskitos, Spinnen, Skorpione etc.) sehr lästig.

[Bevölkerung.] Konsul Church nimmt an, daß unter der Bevölkerung 100,000 reine Weiße, 600,000 reine Indianer und 300,000 Mischlinge sind, eingerechnet die wenig zahlreichen Neger und Mulatten. Die Weißen sind die Hauptgrundbesitzer und Kaufleute. Sie sind höflich und gastfrei, geistig begabt und mutig, aber ohne Ausdauer und männliche Kraft und verschwenderisch. Sie leben außer um Guayaquil fast nur noch auf den Hochebenen. Die Mischlinge gelten für grausam und verkommen. Die Indianer gehören meist zum Stamm der Quito und sprechen einen Dialekt der Quichuasprache. Sie sind genügsam und gelehrig, aber dabei abergläubisch und infolge des lange auf ihnen lastenden Druckes aller männlichen Tugenden bar. Die ihnen gewährte Gleichheit vor dem Gesetz besteht nur dem Namen nach, denn in der That sind sie fast alle Hörige, die von den Grundbesitzern gewissenlos ausgebeutet werden. Die wilden Indianer bewohnen die östlichen Tiefebenen (s. Oriente). Die bekanntesten Stämme unter ihnen sind die kriegerischen Zívaro und die Záparo. Für Volksbildung ist noch wenig geschehen. Allerdings findet man in Quito eine Universität und eine Gewerbeschule und in elf der größern Städte "Colegios", aber 1878 konnten von der ganzen Bevölkerung doch nur 75,000 oder 8 Proz. lesen und schreiben.

[Erwerbszweige.] Fast einzige Erwerbsquelle der Bevölkerung bildet der Landbau. Im Tiefland des Westens und in den Flußthälern des Ostens gedeihen Kakao, Zuckerrohr, Reis, Kaffee, Bananen etc., während auf den Hochebenen alle Getreidearten und die Gewächse der gemäßigten Zone fortkommen. Indes ist die Entwickelung von Mais, Weizen, Hafer und Gerste nicht so kräftig wie in den nördlichern Gegenden, und den Gemüsen fehlt es an Wohlgeschmack, was man der gleichmäßigen Wärme zuschreibt. Die Viehzucht ist namentlich auf dem Hochland von Bedeutung, wo auch die Käsebereitung in größere Maßstab betrieben wird. Der Bergbau ist ganz unbedeutend, doch wird etwas Waschgold gesammelt, und die Goldgruben bei Zaruma werden von einer englischen Gesellschaft ausgebeutet. Auch die Industrie steht auf sehr niedriger Stufe und beschränkt sich fast nur auf Herstellung gröberer Zeuge aus Wolle und Baumwolle und aus Flechtarbeiten, wie Panamahüte, Hängematten aus Palmstroh oder aus Pita (Agavefasern) etc. Der Handel steht zu den großen Hilfsquellen des Landes in keinem Verhältnis, was namentlich dem Mangel an guten Verkehrswegen zuzuschreiben ist. Allerdings verbindet jetzt eine 122 km lange Eisenbahn den Haupthafen Guayaquil mit dem auf der Hochebene gelegenen Sibombe; auch wird der Fluß Guayaquil (mit seinem Nebenfluß Daule) von 14 Dampfern befahren, und die großen Flüsse des Ostens (wie der Napo) eignen sich gleichfalls zur Dampfschiffahrt. Im allgemeinen geschieht der Warentransport auf den Rücken von Maultieren und gelegentlich von Ochsen, Eseln und Lamas. Selbst die alte Camina real, welche den Staat 650 km lang von N. nach S. durchschneidet, ist für Fuhrwerk nicht passierbar. Ein Telegraph verbindet seit 1884 Quito mit Guayaquil, von wo eine schon 1882 vollendete Linie nach Ballenita und von dort per Kabel über den Isthmus von Tehuantepec nach New York führt und dadurch E. mit der Außenwelt in Verbindung setzt. Die Ausfuhr hatte 1884 einen Wert von 5,915,052 Pesos und bestand vornehmlich aus Kakao (3,782,112 Pesos), Kautschuk (199,742 Pesos), Silbermünzen (859,807 Pesos), Kaffee (173,948 Pesos), Fieberrinde (267,643 Pesos), Strohhüten (296,328 Pesos), Häuten (164,366 Pesos), Sassaparille, Bambusrohr, Brettern, Früchten etc. Die Einfuhr besteht vorwiegend aus Baumwoll- und Wollwaren, Wein, Mehl und den verschiedensten Manufakturwaren und kommt hauptsächlich aus England, während Spanien den größten Teil des Kakao bezieht.

Münzeinheit ist (seit 1884) der Sucré = 5 Frank. Die französischen Maße und Gewichte wurden bereits 1856 eingeführt.

[Staatliche Verhältnisse.] Die Verfassung, ursprünglich aus dem Jahr 1830 stammend, aber seitdem (zuletzt 1883) vielfach modifiziert, legt die Exekutive in die Hand eines auf vier Jahre gewählten Präsidenten, die gesetzgebende Gewalt in die Hände eines Kongresses, der aus einem Senat und einem Abgeordnetenhaus besteht. Die Senatoren (je zwei für jede Provinz) werden auf vier, die Abgeordneten