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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Edgar; Edgehill; Edgeinsel; Edgeworth; Edgren; Edhem Pascha

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Edgar - Edhem Pascha.

übrig, die jetzt noch zu den besterhaltenen Ägyptens gehören. Das größere, ein prachtvoller Tempel des Horos (Apollon) aus der Zeit der Ptolemäer (um 180 v. Chr.), hat ein Propylon von 68 m Weite, das in einen von Kolonnaden umgebenen Hof von 49 und 42,6 m Weite führt. Am Ende steht ein 25 m breiter und fast 14 m langer Portikus von 18 Säulen, hinter dem sich noch eine Halle, Gänge und Kammern befinden. Ein kleines Mamisi (Heiligtum der Göttin Hathor) steht neben dem großen Tempel. S. Tafel. "Baukunst III", Fig. 4-7.

Edgar (angelsächs. Eádgâr, althochd. Ôtkêr), deutscher und engl. Mannesname, s. v. w. Ger- oder Wurfspieß zum Schutz des Besitztums; vgl. Ed-.

Edgehill (spr. eddsch-hill), Ortschaft in der engl. Grafschaft Warwickshire, wo 23. Okt. 1642 die erste Schlacht in dem Krieg zwischen den Parlamentstruppen und König Karl I. von England gefochten wurde.

Edgeinsel, s. Spitzbergen.

Edgeworth (spr. eddschwörth), 1) Henry Allende Firmont, Beichtvater des Königs Ludwig XVI. von Frankreich, geb. 1745 zu Edgeworth in Irland, ward 1777 Beichtvater der Madame Elisabeth, der Schwester des Königs, und begleitete Ludwig XVI. auf das Blutgerüst, wo er die bekannten Worte sprach: "Sohn des heil. Ludwig, steige zum Himmel empor!" Um Madame Elisabeth in ihrem Kerker geistlichen Trost angedeihen lassen zu können, hielt er sich in der Nähe von Paris versteckt, ging nach der Hinrichtung derselben nach England und von da nach Mitau zu Ludwig XVIII., wo er 22. Mai 1807 starb. Seine "Mémoires" ("Dernières heures de Louis XVI") gaben C. Sneyd Edgeworth englisch, Dupont französisch (Par. 1815; wieder abgedruckt in Barrières "Bibliothèque des mémoires", Bd. 9, das. 1847), seine "Lettres" Mad. Elise de Bon (das. 1818) heraus.

2) Maria, engl. Schriftstellerin, geb. 1. Jan. 1767 zu Hare Hatch bei Reading (Berkshire), Tochter des durch mehrere Erfindungen bekannten Gutsbesitzers und Parlamentsmitglieds Richard Lovell E. (gest. 1817), folgte ihrem Vater 1782 nach dessen Besitzungen in Irland und betrat die schriftstellerische Laufbahn mit einem gemeinschaftlich mit demselben verfaßten Werk: "Essays on a practical education" (1798), das ihr den Spottnamen "Nützlichkeitsapostel" (utilitarian) eintrug, und dem der "Essay on Irish bulls" (1802) folgte. Ihr erster Aufsehen erregender Roman war "Castle Rackrent" (Lond. 1801), eine treue, durch Humor gewürzte Schilderung des irischen Volkscharakters; ihm folgten "Belinda" (1803), "Popular tales" (1804, 3 Bde.), "The modern Griselda" (1805) und "Leonora" (1806, 2 Bde). Im J. 1809 erschien die erste Serie ihrer "Tales of fashionable life" (3 Bde.), 1812 eine zweite (3 Bde.). In "Patronage" (1814, 4 Bde.) werden die Verirrungen der höhern Stände gezeichnet, während der Roman "Harrington" (1817) das Vorurteil gegen die Juden bekämpft. "Ormond" (1817) bewegt sich wieder auf irischem Boden. Ihr letzter Roman war "Helen" (1834, 3 Bde.). Ihre "Comic dramas", die sie 1817 veröffentlichte, waren ohne Bedeutung; dagegen fanden ihre Erzählungen für die Jugend, besonders "Early lessons" (1810, 10 Tle.); "Rosamond" (1822), "Harry and Lucy" (1825) und "The parent's assistant" (1828), verdienten Beifall. Sie starb 21. Mai 1849 in Edgeworthstown (Grafschaft Longford). Ihre gesamten Werke erschienen unter dem Titel: "Tales and novels" (1832, 18 Bde., u. öfter; zuletzt 1870 in 10 Bdn.). Auch gab sie die "Memoirs of Rich. Lovell E., begun by himself and concluded by his daughter" (Lond. 1826, 2 Bde.) heraus. Ihre Schriften sind meist ins Deutsche übersetzt, z. B. in Auswahl von A. Keller (Stuttg. 1840, 4 Bde.). Walter Scott ward durch ihre Skizzen aus dem irischen Volksleben zuerst angeregt, ähnliche Schilderungen seiner schottischen Heimat zu versuchen. Eine Dichterin im strengen Sinn des Wortes ist Miß E. nicht; romantische Gefühle blieben ihr stets fremd, sie ist durch und durch praktisch. Aber ihre Leichtigkeit, ihr Geist, ihr reine Sprache wie die Mannigfaltigkeit ihrer Zeichnungen und der Freimut, mit dem sie gegen Laster und Thorheiten auftritt, machten, daß ihre Erzählungen trotz der etwas beschränkten, lehrhaften Tendenz dennoch allgemein gefielen. Vgl. Helen Zimmern, Mary E. (Lond. 1883).

Edgren, Anne Charlotte, schwed. Schriftstellerin, geb. 1849 zu Stockholm, stammt aus der litterarisch hochgebildeten Familie Leffler (ihr Vater war Schulrektor und Reichstagsabgeordneter, zwei Brüder von ihr wirken als Professoren) und lebt zur Zeit als Gattin des Oberstatthalterei-Sekretärs E. in ihrer Vaterstadt. Schon früh schriftstellerisch thätig, hat sie sich mit vielem Erfolg an der litterarischen Bewegung, die zu Anfang der 70er Jahre durch Brandes' Auftreten von Dänemark ausging und sofort auch die andern skandinavischen Reiche erfaßte, beteiligt und sich namentlich als eine der konsequentesten und zugleich besonnensten Vorkämpferinnen in der eben lebhaft diskutierten Frauenfrage erwiesen. Sie führt ihrem Geschlecht die eigne Mitschuld an seiner untergeordneten Stellung vor Augen und fordert, daß sich die Frauen vor allem zu sittlich tüchtigen und mutigen Charakteren heranbilden, um den ihnen gebührenden Platz in Staat und Gesellschaft auch wirklich ausfüllen zu können. Von ihren Schriften, durch welche alle diese Grundanschauung hindurchklingt, nennen wir die Schauspiele: "Die Elfe" (1883 auch in Hamburg mit Beifall aufgeführt) und "Sanna Kvinnor" (1883); die zahlreichen (meist auch ins Deutsche übersetzten) Novellen, welche unter dem Titel: "Ur lifvet" ("Aus dem Leben", Stockh. 1882-1883, 3 Bde.) erschienen sind; das Proverbe "Ein rettender Engel" (deutsch, Berl. 1884) und das Schauspiel "Hur man gör godt" (Stockh. 1885), in welch letzterm Frau E. ihre Aufgabe weiter faßt und die ganze soziale Misere der Gegenwart einer scharfen Kritik unterzieht.

Edhem Pascha, türk. Staatsmann, geboren um 1813 auf Chios von griechischen Eltern, wurde nach der Vernichtung seiner Heimatsinsel (1822) im Islam erzogen, erhielt seine weitere Ausbildung seit 1831 in Paris, beschäftigte sich besonders mit dem Bergwesen, ward nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel im Generalstab angestellt, 1849 Adjutant des Sultans Abd ul Medschid und Chef der militärischen Abteilung des kaiserliches Hauses, Er fiel 1856 plötzlich in Ungnade und verlor seine Stelle bei Hof, ward jedoch bald dar auf Mitglied des Tansimatrats, dann durch die Gunst Reschid Paschas ein Jahr lang Minister der auswärtigen Angelegenheiten, 1864 Minister des Handels und Bankdirektor, 1870 Präsident des obersten Justizrats, 1871 Minister der öffentlichen Bauten, 1876 Botschafter in Berlin und im Februar 1877 nach Midhat Paschas Sturz Großwesir. Er verwaltete dieses Amt nicht ohne Geschick während des ganzen russisch-türkischen Kriegs bis zum Februar 1878, wo er durch Achmed Vewfik Pascha ersetzt wurde. Im Februar 1879 ward er zum Botschafter in Wien, 1883 zum Minister des Innern ernannt, trat aber 1885 von diesem Posten zurück.