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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: E dur; Eduard; Edukation; Edúkt; Edulĭen; Edulkorieren; Edw.; Edward; Edwards

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Eduard - Edwards.

wurde durch Parlamentsbeschluß aus dem Tower wieder auf den Thron erhoben. Schon im März 1471 kehrte indes E., von seinem Schwager, Karl dem Kühnen von Burgund, unterstützt, nach England zurück, sammelte ein Heer, versöhnte sich mit seinem Bruder und schlug Warwick 14. April entscheidend bei Barnet; Heinrich VI. wurde wieder gefangen genommen. Auch ein französisches Hilfsheer, mit welchem Margareta, die Gemahlin Heinrichs VI., und deren Sohn, Prinz Eduard, in England erschienen, wurde 4. Mai 1471 bei Tewkesbury geschlagen und Margareta mit ihrem Sohn gefangen. Letzterer wurde niedergehauen und Heinrich VI. 22. Mai 1471 im Tower ermordet. Die Häupter vieler englischer Großen fielen auf dem Schafott. Nachdem sich E. so den Thron gesichert hatte, verband er sich mit dem Herzog von Burgund gegen Frankreich und landete 1475 bei Calais, bewilligte aber Ludwig XI. den Frieden und die Auslieferung Margaretas gegen 75,000 Kronen und reichliche Jahrgelder für sich und seine Räte. Mit Clarence entzweite der König sich später abermals und ließ ihn 1478 im Tower ermorden. Im Innern stützte E. sich auf Ritterschaft und Städte und schritt energisch gegen die geistlichen und weltlichen Lords ein. Eine kluge Finanzwirtschaft und strenge Beitreibung der Steuern und Zölle machten ihn zu einem der reichsten Fürsten seiner Zeit; durch Verträge mit der Hansa und den Niederländern suchte er Sicherheit der Schiffahrt herzustellen. E. starb 9. April 1483. Er hinterließ aus seiner Ehe mit Elisabeth fünf Töchter und zwei Söhne, Eduard V. und Richard, im Alter von 10 und 12 Jahren, welche beide ihr Oheim, der Herzog von Gloucester, nachdem er als Richard III. 26. Juni 1483 die Krone usurpiert hatte, im Tower ermorden ließ.

6) E. VI., geb. 12. Okt. 1537, Sohn Heinrichs VIII. und der Johanna Seymour, bestieg 1547 den Thron unter der Vormundschaft seines Oheims Edmund Seymour, Herzogs von Somerset. Der jugendliche Fürst war aufrichtig dem Protestantismus ergeben; eine von ihm herrührende Schrift gegen die Anmaßungen des Papstes ist erst vor einigen Jahren aufgefunden worden (hrsg. von Potts, Cambr. 1874). Seine Regierungszeit ist erfüllt durch das Bestreben, England zur protestantischen Kirche herüberzuführen. Ebenso suchte Somerset die Verbindung mit Schottland durchzusetzen, welches Bemühen aber ohne Erfolg blieb. Somerset wurde 1549 gestürzt und 1551 hingerichtet. Nach ihm leitete der Herzog von Northumberland den König und beredete ihn sogar, die Thronfolgeordnung zu gunsten der Johanna Grey zu ändern. E. starb an der Schwindsucht in jungen Jahren, 6. Juli 1553, ehe er seinen Charakter vollständig entwickelt hatte. Sein Testament wurde durch seine Schwester Maria umgestoßen. Vgl. "Literary remains of King Edward the sixth" (hrsg. von Nichols, Lond. 1857, 2 Bde.).

7) Prinz von Wales, Fürst von Aquitanien, nach der Farbe seiner Rüstung der Schwarze Prinz genannt, Sohn Eduards III. von England, geb. 15. Juni 1330 zu Woodstock, führte schon 1346 in der Schlacht bei Crécy das erste Treffen des englischen Heers, machte 1355, von seinem Vater zum Statthalter von Aquitanien eingesetzt, einen verheerenden Einfall ins südliche Frankreich und schlug 19. Sept. 1356 bei Poitiers den französischen König Johann, der in Gefangenschaft geriet. Nach dem Frieden mit Frankreich erhob ihn sein Vater 1362 zum Fürsten von Aquitanien (Guienne und Gascogne), wo E. zu Bordeaux glänzend Hof hielt. 1366 mischte er sich in die innern Wirren Spaniens und führte den aus seinem Land vertriebenen König Peter den Grausamen von Kastilien durch den Sieg bei Navarrete (3. April 1367) auf seinen Thron zurück, geriet aber, da Peter ihm die Kriegskosten nicht erstattete, mit dem Adel seines Landes, dem er aus Geldnot eine drückende Abgabe auferlegte, und mit König Karl V. von Frankreich, der ihn deshalb vor den Pairshof nach Paris lud, in Konflikt. Der Krieg begann 1369; E. eroberte 1370 die abgefallene Stadt Limoges, wo er 3000 Einw. niedermetzeln ließ, kehrte aber dann, schon lange von schleichender Krankheit ergriffen und über den Tod seines ältesten Sohns, Eduard, tief betrübt, nach England zurück und starb 8. Juni 1376 in Canterbury. Sein jüngerer Sohn bestieg nach Eduards III. Tod unter dem Namen Richard II. den englischen Thron. Vgl. James, Life of Edward the Black Prince (Lond. 1839); Le Poittevin de la Croix, Histoire des expéditions d'Édouard III et du Prince Noir (Brüss. 1854).

8) Karl E., genannt der Prätendent, s. Karl.

Eduard (Duarte), König von Portugal, geb. 1391, Sohn und Nachfolger Johanns des Unechten, regierte 1433-38, einer der besten Könige Portugals, half dem Staatshaushalt wieder auf, brachte Zucht und Ordnung in das Heer und ließ ein neues Gesetzbuch entwerfen. Ein Angriff auf Tanger scheiterte 1437, und dabei fiel der jüngste Bruder des Königs, Ferdinand, der "standhafte Prinz", in die Gewalt der Mauren. E. war ein hochsinniger, fein gebildeter Fürst. Unter seinen Schriften ist der "Treue Ratgeber", eine für seine Gemahlin Leonore bestimmte Sammlung von Lebensregeln, Regierungsmaximen u. dgl., bemerkenswert.

Edukation (lat.), Erziehung; Edukator, Erzieher.

Edúkt (lat.), der durch eine technische Operation gewonnene Körper, welcher als solcher in dem Rohmaterial schon enthalten war und einen Bestandteil desselben ausmachte, im Gegensatz zu Produkt, welches erst durch chemische Behandlung eines Körper aus einem Bestandteil desselben entsteht. Stärkemehl, welches aus Kartoffeln, Zucker, der aus Runkelrüben abgeschieden wird, ist E. Der aus der Indigopflanze gewonnene, aber in derselben nicht fertig gebildet vorhandene Indigo ist Produkt.

Edulĭen (lat.), Eßwaren.

Edulkorieren (lat.), aussüßen, s. Auswaschen.

E dur (ital. Mi maggiore, franz. Mi majeur, engl. E major), s. v. w. E mit großer Terz. Der E dur-Akkord = e gis h. Über die E dur-Tonart, 4 ^ vorgezeichnet, s. Tonart.

Edw., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Henri Milne-Edwards (s. d.).

Edward (engl.), s. v. w. Eduard.

Edwards, 1) Richard, einer der ältesten engl. Dramatiker, geb. 1523 zu Oxford, studierte daselbst am Corpus Christi College und vereinigte zur Regierungszeit Marias die Ämter eines königlichen Kapellmeisters, Aufsehers der Chorknaben, Sonetten-, Dramen- und Hofschauspieldichters sowie ersten Violinspielers und Possenreißers in sein er Person. Er starb um 1566. Drei noch existierende Theaterstücke von E. (darunter "Damon and Pythias", zuerst 1570 gedruckt) nebst mehreren seiner Gedichte finden sich in der 1576 in London erschienenen Sammlung "The paradise of dainty devices" (abgedruckt in "The British bibliographer"). Auch die komische Prosaerzählung von dem Kesselflicker, welche Shakespeare benutzt, ist. E.' Produkt.

2) Henry Sutherland, engl. Schriftsteller, geb.